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Sketchnotes für Autoren

Sketchnotes für Autoren

Ich hatte vor ein paar Tagen ein Bild auf Twitter gepostet, auf dem ich mit Sketchnotes plotte. Auf den Beitrag folgten mehrere Reaktionen mit Nachfragen, wie sowas überhaupt geht, so dass ich versprochen habe, einen Artikel zu dem Thema zu schreiben. So, here we go:

Was sind eigentlich Sketchnotes?

Die Bezeichnung ›Sketchnotes‹ stammt von Mike Rohe und setzt sich aus den Wörtern Sketch (zu Deutsch: Skizze) und Note (Notiz) zusammen. Skizzierte bzw. visuelle Notizen also. (Mehr dazu in meiner Rezension zu Mike Rohdes ›Sketchnote Handbuch‹.) Diese können für jeden erdenklichen Zweck genutzt werden: Einkaufszettel, Vortragsnotizen, Brainstorming, Recherchezusammenfassung und eben auch fürs Plotten – ganz unabhängig davon, welche Plotmethode ihr nutzt. Ihr könnt die Drei-Akt-Struktur, das Sieben- oder Acht-Punkte-System oder auch die Heldenreise grafisch darstellen und habt den Vorteil, dass ihr euren Plot auf einen Blick einsehen könnt und euch nicht durch seitenlange Notizen wühlen müsst.

Von der Prämisse bis hin zur Entwicklung der Figuren innerhalb der Handlung, sämtliche Subplots und Themen, wichtige Orte oder Gegenstände – eurer Fantasie und eurer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Ihr müsst dafür auch nicht zeichnen können! Niemand verlangt von euch ein Kunstwerk, das der Öffentlichkeit präsentiert werden soll – ganz im Gegenteil. Hauptsache, ihr erkennt das Symbol, das ihr gewählt habt, und wofür es steht.

Material

Welches Papier und welche Stifte ihr bevorzugt, hängt natürlich ebenfalls ganz persönlich von euch ab. Ich nutze einen A4-Zeichenblock aus dem Künstlerbedarf mit dickem Papier. Bei kleineren Formaten habe ich Schwierigkeiten, möglichst alles auf eine Seite zu bekommen. Bei den Stiften schwöre ich auf die PITT Artist Pens von Faber-Castell B. Meistens nutze ich drei Farben: einen schwarzen Stift in F zum Schreiben und Konturenzeichnen, einen pink-roten in B für Hervorhebungen und einen grauen, ebenfalls in Stärke B, für Schattierungen.

Wer Wert darauf legt, seine Sketchnotes nicht nur analog, sondern auch digital zu sichern, kann auf mehrere Wege zurückgreifen: Natürlich kann man sie ganz simpel abfotografieren, so wie ich es für diesen Artikel gemacht habe. Es gibt auch Scanner-Apps, z.B. CamScanner (mit dieser ist auch das PDF weiter unten erstellt), die ganz ordentliche Qualität liefern. Vor einiger Zeit hat Leuchtturm1917 mit der ›Whiteline Link‹-Reihe ein Notizbuch extra zur Digitalisierung handschriftlicher Notizen herausgebracht. Ich selber habe damit noch keine Erfahrung gemacht, habe aber bislang ausschließlich Gutes darüber gehört. Probiere einfach aus, welches Material dir am meisten zusagt. Doch nicht nur beim Material auch in der Ausführung hat jeder seinen eigenen Vorlieben und seinen eigenen Stil.

Kombination aus Text und Bild

Recherche • Modern New York_1

Bild 2 – Modern New York

Ich gebe es zu: Meine Sketchnotes sind SEHR textlastig, ich nutze nur wenige grafische Elemente, meistens eher Rahmen und Pfeile. Das mag zum einen eine Autorenkrankheit sein, nicht wirklich auf Text verzichten zu wollen, zum anderen ist es aber so, dass diese Art und Weise für mich am besten funktioniert. Das ist ja gerade das Schöne an Sketchnotes: Regeln, an die man sich halten muss, gibt es nicht. Manche fertigen großartige Sketchnotes-Kunstwerke an, die fast ausschließlich aus Zeichnungen bestehen, andere setzen eher auf wenige grafische Hervorhebungen. Beides und jede erdenkliche Mischform daraus ist völlig okay. Gut ist das, was für dich funktioniert. Niemand anders muss es toll finden, niemand anders muss es überhaupt je zu sehen bekommen.

Meine Rechercheergebnisse – zumindest die für die Story relevanten – stelle ich mit Sketchnotes dar. Ich habe mich an einer überwiegend Darstellungsweise probiert (–> siehe Bild 2 ›Modern New York‹), muss aber sagen, dass ich anhand dieser Skizzen nicht das Wissen reproduzieren kann, dass ich kurz nach der Aufzeichnung im Kopf hatte. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, mehr Text zu integrieren (–> siehe Bild 3 ›Wendigo‹) und Informationen so knapp und gebündelt wie möglich dort zu notieren.

Recherche • Wendigo_1

Bild 3 – Wendigo

Plotten mit Sketchnotes

Durch die grafische Darstellungen könnt ihr Verbindungen, Folgerungen, Konsequenzen der Handlungen von Figuren, Spannungsbogen, Entwicklungen und Figurenkonstellationen sehr viel schneller aufzeichnen und immer wieder abrufen als wenn ihr das alles in einem Fließtext notiert. Das ist v. a. dann hilfreich, wenn ihr längere Zeit nicht am Text schreiben könntet und euch schnell wieder einarbeiten wollt. Ich mache meistens eine Seite als Überblick über die wichtigsten Themen, Figuren und (Sub-)Plots des Romans (–> siehe Bild 4/PDF). Weiterhin folgt eine Seite mit den Konstellationen, Verbindungen und Zielen der einzelnen Figuren und diverse Seiten mit Recherche. In meine Sketchnotes packe ich nur Dinge, die (während der Planungsphase) feststehen. Ideen sammle ich andernorts, entweder im Notizbuch zum aktuellen Projekt oder auch mithilde von Mindmaps oder Bainstorming. Ich möchte, dass meine Sketchnotes eine Art roter Faden oder Wegweiser durch die Geschichte sind, auf den ich immer wieder zurückkommen kann, wenn ich mich beim Schreiben verirrt habe. Eine Ideensammlung mithilfe von Sketchnotes ist aber natürlich ebenfalls möglich.

Ich würde euch wahnsinnig gerne meine Sketchnotes zum 2. Teil der Floodlands-Reihe zeigen, allerdings sind diese ein einziger Spoiler, weil ich den Plot dort wirklich aufs Minimum runterbreche und Mörder, Motiv und Symbolik eindeutig benenne. Dementsprechend habe ich eine Rohplot-Sketchnote angefertigt (–> siehe Bild 4), die ihr hier als PDF herunterladen könnt. Vielleicht ist sie dem ein oder anderen hilfreich. Als Beispiel-Plotsystem habe ich das Acht-Punkte-System aus Cathy Yardleys Buch ›Rock your Plot‹ (–> Rezension) genommen, da ich es am häufigsten nutze. Jedes andere ist natürlich ebenso gut möglich.

Plotten mit Sketchnotes_1

Bild 4 – Plotten mit Sketchnotes

Das Schöne an Sketchnotes ist für mich die Verbindung von Informationen mit grafischen Elementen. Ich bin ein sehr visueller Mensch und allein die Überlegungen, die ich anstellen musste, wie ich den Plot auf einem DinA4-Papier mithilfe grafischer Mittel darstelle, hat Verknüpfungen hergestellt, auf die ich nie gekommen wäre, wenn ich nur mit Notizen gearbeitet hätte. Innerhalb von nur zwei Stunden sind zahlreiche Puzzleteile, an denen mir ich zuvor wochenlang die Zähne ausgebissen habe, an ihren Platz gefallen. Floodlands 2 hat nun eine Prämisse, die Symbolik hat wesentlich an Tiefe gewonnen. Ich kann euch nur empfehlen: Probiert das Arbeiten mit Sketchnotes aus! Es lohnt sich.

Wie ist das bei euch? Nutzt ihr Sketchnotes auch für eure Arbeit als Autor? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

Weiterführende Links zu Sketchnotes:

Beitragsbild:
Jan Kahánek

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23 Kommentare

Verfasst von - August 15, 2017 in Plot

 

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Back in Good Old Germany

New York SpruchDeutschland hat mich wieder. Unglaublich, aber wahr: So schnell sind vier Wochen vergangen.

Der Abschied von New York, von Manhattan im Speziellen, fiel mir sehr schwer. Die Stadt hat sich in unseren letzten Stunden aber auch von ihrer besten Seite gezeigt. Am Samstagabend haben wir noch einmal die Staten Island Fähre genommen und hatten einen wunderbaren Blick auf die beleuchtete Skyline. Das in diesem Jahr fertiggestellte One World Trade Centre macht schon was her. Auch das 9/11 Memorial haben wir bei Nacht besucht, dann sind die Bassins und Wasserfälle beleuchtet und bieten noch einmal eine wunderbare Atmosphäre, die ganz anders ist als tagsüber.

Unsere letzten Stunden am Sonntagnachmittag verbrachten wir auf der Bethesda Terrace im Central Park, wo wir uns an den warmen Herbstsonnenstrahlen erfreuten. Auf einen goldenen Oktober dürfen wir uns hier ja leider nicht freuen.

Nun also wieder daheim. Auch schön. Ganz anders als in den Straßen von Manhattan natürlich. Nach einem Monat hatte ich mich sehr an den dortigen Lebensstil gewöhnt. Da wir nicht im Hotel, sondern in einem Apartment in Harlem an der Upper West Side wohnten, hatten wir viel Kontakt zu Einheimischen und Zugezogenen. Wie Touristen fühlten wir uns nachher nicht mehr.

Auch wenn ich so sehr von New York schwärme – die Stadt hat nicht nur gute Seiten. Sie verlangt einem sehr viel ab. Ohne den Central Park, das grüne Herz der Stadt, würden viele Menschen dort vermutlich durchdrehen. Ich habe erst gemerkt, wie viel Energie mir die Natur (auch die von Menschenhand angelegte) gibt, als ich nach mehreren Tagen in den Straßenschluchten aus Beton Glas und Zement zum Innehalten in den Park ging und mich für eine Stunde dort niederließ. Erst, wenn es still wird, bemerkt man die Lautstärke der Stadt. Verkehrslärm, Polizei- und Feuerwehrsirenen, Menschen, Menschen, Menschen. Die Stadt ist laut, voll und schnell. Manchmal ist es schwer, da mitzuhalten.

Was mich überrascht hat, war, wie sicher ich mich die ganze Zeit über gefühlt habe. Auch, wenn ich abends im Dunkeln allein in Harlem oder mit der U-Bahn unterwegs war, habe ich mich nicht anders gefühlt als im beschaulichen Münster. In den letzten Jahrzehnten wurde in New York ordentlich aufgeräumt, einschlägige Ecken sollte man nach Anbruch der Nacht natürlich dennoch meiden. Leider mussten wir auch die diese Schattenseiten erfahren. In der Nacht zum 21. September wurde, nur wenige Schritte von unserer Haustür entfernt, ein junger Mann erschossen. Ich frage mich noch immer, wieso ich davon nichts mitbekommen habe – allein die Sirenen von Polizei und Krankenwagen hätten mich wecken müssen – von den Schüssen ganz zu schweigen. Auf dem Weg zur U-Bahn kamen wir jeden Tag am Tatort vorbei, wo die Angehörigen Kerzen aufgestellt hatten. Unsicherer habe ich mich durch dieses Ereignis nicht gefühlt, lediglich betroffen. Es ist schon eine andere Nummer, wenn es vor der eigenen Haustür passiert, als wenn man darüber schreibt oder liest …

Nun also wieder zurück im beschaulichen Münster in Good Old Germany. Wenn ich von einer Reise zurückkomme, habe ich immer das Gefühl, gar nicht weg gewesen zu sein. Alle rückt in so weite Ferne, was schade ist, dann ich würde dieses Reisefeeling gerne noch ein wenig im Alltag spüren. Ich habe aber viele schöne Andenken mitgenommen, u. a. drei Bücher, die mich an die tolle Zeit erinnern werden:

Zu den letzten beiden wird es natürlich auch jeweils eine Rezension geben, sobald ich sie durchgearbeitet habe. Beim Herumschmökern erschienen sie mir jedoch sehr vielversprechend.

Langeweile kommt auch hier nicht auf, ich habe noch viel am Roman herumzudoktern. Ich habe jedoch das Gefühl, allein durch den Aufenthalt in New York habe ich einen klareren Blick auf die Geschichte bekommen. Es ist toll, sich vorzustellen, dass man seinen Figuren sozusagen auf der Straße begegnen könnte oder sich auszumalen, wo ihre täglichen Wege lang laufen und diese selbst zu gehen, auf ihren Spuren sozusagen.

Nun begebe ich mich also wieder auf die Spuren meiner Geschichte, nicht mehr vor Ort, sondern vom heimischen Schreibtisch aus. Aber das ist ja auch nicht das Schlechteste.

Ab sofort werde ich auch wieder regelmäßiger bloggen, denn es hat sich einiges angestaut, über das ich schreiben möchte. Jetzt müssten meine Tage nur ca. 48 Stunden haben, dann würde ich auch all das schaffen, was ich mir vornehme 😉

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Verfasst von - Oktober 6, 2014 in Autorenleben

 

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Hallo aus NYC!

Hallo aus NYC!

Hallo ihr Lieben,

nun komme ich endlich dazu, mal ein paar Zeilen im Blog zu schreiben – New York vereinnahmt mich völlig. Eine Wahnsinnsstadt, die ihresgleichen sucht. Zum zweiten Mal bin ich hier und wieder zieht sie mich in ihren Bann. Ich kenne keine zweite wie sie – und habe ja doch schon einiges gesehen.

Auch wenn ich hier nicht leben möchte, so ertappe ich mich dann und wann doch bei dem neidvollen Blick auf die Einwohner, denen die Stadt so viel bietet. Besonders toll sind die Angebote der New York Public Library, deren Mitglied ich nun auch bin. Kostenlose Kurse, Lesungen, ein Fundus an unendlichen Büchern, geniales Recherchematerial – ich könnte mich ewig im und um das Gebäude herum aufhalten. Der Bryant Park direkt hinter der Bibliothek bietet einen kostenlosen Reading Room an, in dem es Gäste sich mit ausliegenden Büchern und Tageszeitungen bequem machen können. Zwischen 5th und 6th Avenue gelegen, wird der Park zu einer Oase der Ruhe und dennoch nicht langweilig, den was zu sehen gibt es immer. Definitiv einer meiner Lieblingsorte in der Stadt. Dort finden seit Neuestem auch Free Writing Classes statt, ein sogenanntes „Write In“ des Gotham Writer’s Workshop. Zahlreiche Autoren hatten sich dort versammelt, um gemeinsam zu verschiedenen Themen zu schreiben. Immer zwischen fünf und fünfzehn Minuten, anschließend wurden die Texte diskutiert und vorgelesen. Eine tolle Atmosphäre, die sich durch das Foto kaum übertragen lässt.

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Write In im Bryant Park

Ein Paradies für Autoren ist auch die Schreibratgeberabteilung in einer der großen Buchhandlungen von Barnes & Noble. Während man sich in unseren deutschen Buchhandlungen über ein halbes Regalbrett freuen darf, finden sich dort zwei volle Regale. Ich habe gestern den halben Nachmittag davor verbracht und konnte mich nur schweren Herzens für eines der Bücher entscheiden – am liebsten hätte ich mitgenommen, so viel ich tragen kann. Aber da machen sowohl mein Geldbeutel als auch die Fluggesellschaft nicht mit. 😉

Bryant Park mit Einkauf von Barnes & Noble

Im Bryant Park mit Einkauf von Barnes & Noble

Neben der Recherche steht natürlich auch Sightseeing auf dem Plan. Die Bethesda Terrace im Central Park ist wundervoll oder die Statue von Alice im Wunderland. Ein Highlight ist natürlich die Freiheitsstatue, die man sich am besten von der Staten Island Ferry aus ansieht. Auch der Blick vom Top of the Rocks beim Rockefeller Centre lohnt sich bei Sonnenuntergang ungemein (auch wenn es dort recht windig ist – und ziemlich hoch!).

Bethesda Fountain im Central Park

Bethesda Fountain im Central Park

Alice im Wunderland

Alice im Wunderland

Blick vom Top of the Rocks nach Süden

Blick vom Top of the Rocks nach Süden

Für die Arbeit am Roman ist der Aufenthalt hier das Beste, was ich machen kann. So viele Eindrücke, die alle fünf Sinne einnehmen, und so viele Recherchequellen habe ich zu Hause nicht. Ich überarbeite und schreibe um, was das Zeug hält – damit ihr das bestmögliche Buch lesen könnt, das ich zu schreiben imstande bin.

Abendliche Textkorrekturen

Abendliche Textkorrekturen

Doch natürlich ist auch hier nicht alles rosig. In der Rushhour versuche ich U-Bahn-Fahrten möglichst zu vermeiden – mir ist es dann viel zu voll. Heute hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass die Stadt mich überfordert, und ich bin froh, nun im stillen Apartment vor dem Notebook zu sitzen und meine Ruhe zu haben. Ich weiß aber, dass ich mich morgen wieder ins Getümmel stürze und meinen Spaß daran haben werde. New York ist und bleibt eben doch meine Stadt der Städte.

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Brooklyn Bridge

 
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Verfasst von - September 20, 2014 in Autorenleben

 

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