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Archiv der Kategorie: Bücher

Meine Probleme mit Pseudo-Liebesromanen*

Meine Probleme mit Pseudo-Liebesromanen*

In den sozialen Netwerken und auf vielen Bücherblogs entbrannte (mal wieder) die Diskussion um die Problematik von gewissen Darstellungen pseudo-romantischer Liebe, v.a. in den Genres New Adult, Young Adult und Jugendbuch. Im Grunde wird der Markt seit dem gigantischen Erfolg von Twilight mit Büchern überschwemmt, in denen das einzige Ziel der Protagonistin zu sein scheint, den Typen, in den sie – warum auch immer!? – verknallt ist, an sich zu binden. Und dazu scheint jedes Mittel recht zu sein.

Gut, das klingt jetzt, als wäre unsere Protagonistin der aktive Part in dieser Geschichte … Verzeihung, das lag nicht in meiner Absicht. Dieser neue Literaturtrend scheint dahin zu gehen, dass sich die Hauptfigur ihrem Love Interest unterordnet, seine Bedürfnisse über die eigenen stellt und sich überhaupt alles nur noch um ihn dreht. Falls sie sich damit nicht einverstanden erklären sollte, setzt er sich einfach über ihren Willen hinweg und nimmt sich notfalls mit Gewalt, wonach ihm gerade der Sinn steht. (Die Wahl der Personalpronomen ist hier übrigens kein Zufall.)

Klingt nach Nischenliteratur für Leute mit Unterwerfungsfantasien? Leider nicht. Bücher dieser Art schaffen es regelmäßig in die Bestsellerlisten. Man denke nur an das schon erwähnte „Twilight“, an „50 Shades of Grey“, an „Trinity“ oder an die neueste Erscheinung „Paper Princess“. Von einer riesigen Fancommunity gehyped, erfreuen sich diese Art von Literatur immer größerer Beliebtheit – und ich frage mich, warum.

Ich will niemanden für seinen Literaturgeschmack kritisierien – wem’s gefällt, bitteschön. Aber auch Kritik sollte – und muss! – bei diesem Thema erlaubt sein. Es geht nämlich nicht nur um Unterhaltung, auch nicht ausschließlich um ein vollkommen antiquiertes Frauenbild, das hier bedient wird. Mir geht es v.a. um die ungesunde Art von Beziehung und Liebe, die von den Autorinnen, Verlagen und begeisterten Leserinnen anscheinend als selbstverständlich hingenommen wird.

Verharmlosung von häuslicher Gewalt: Sie ist okay, wenn sie vom Richtigen ausgeht.

„Bestimmt hinterlässt er dort einen blauen Fleck. Ich  hoffe es fast. So etwas denke ich zum ersten Mal. An mir hat ein Mann schon zu viele blauen Flecken hinterlassen.“ (aus: „Trinity – Verzehrende Leidenschaft“ von Audrey Carlan, S. 57).

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Protagonistin hat schon eine Beziehung hinter sich, in der sie Gewalt erfahren musste, fand das alles ganz schrecklich und arbeitet mittlerweile in der Hilforganisation, an die sie sich damals auch gewandt hat. Und nun? Der nächste Mann, die nächste Gewaltausübung, aber bei dem ist es okay (sie sehnt sie sogar herbei), weil er ja so attraktiv ist? Nice. Hätte interessant werden können, wenn die Autorin dieses Verhalten psychologisch aufgearbeitet hätte. Hat sie aber nicht.

Verharmlosung von sexuellem Missbrauch: Stell dich nicht so an!

»Bei sexueller Belästigung geht es ja nicht zwangsläufig um Sex. Es geht um Macht. das würde ich den beiden gerne sagen, merke aber, dass meine Sorge unnötig war. Sie müssen mir nicht wehtun, weil sie ohnehin schon Macht über mich haben. Das hier sollte mich einfach einschüchtern.« (aus: „Paper Princes“ von Erin Watt, S. 97).

Solche Passagen finden sich auch in dem ein oder anderen Thriller – mit einem gravierenden Unterschied: Meistens hat ein Opfer sexueller Belästigung solche Gedanken dem oder den Täter(n) gegenüber. Hier jedoch werden die Täter nicht als solche dargestellt, denn schließlich ist einer von ihnen der Love Interest unserer Protagonistin. Auch wenn er (und sein Bruder) die Protagonistin mit expliziten Worte und Gesten bedrängen (natürlich nur aus Spaß!), auch wenn sie selbst sagt: »Ich kann kaum atmen. Ich habe tatsächlich Angst …« (aus: s. o.), wird dieses Verhalten nicht moralisch eingeordnet, sondern ist ein paar Seiten später schon wieder vergessen, schließlich verliebt sie sich ja in ihn. Alles kein Problem, nicht wahr?Auch sehr beliebt: Sie hat gerade keine Lust auf Sex? Sowas gibt’s? Ach was, eine einzige Berührung ihres „Traumprinzen“ und das Hirn unserer Protagonistin verwandelt sich in Brei, die Beine in Wackelpudding und schon kann’s losgehen. In „Trinity – Verzehrende Leidenschaft“ wird die Protagonistin auf der Straße überfallen und bedrängt und von ihrem Love Interest gerettet, der sogleich im Auto seine „Belohnung“ einfordert …Die Darstellung von Frauen als jederzeit willige Lustobjekte (und wenn sie „Nein“ sagen, meinen sie doch eigentlich „Ja“ …) ist äußerst grenzwertig. Wie wäre es denn mit Protagonistinnen, bei denen nicht sofort alles aussetzt, nur weil ihr Love Interest gerade sein T-Shirt auszieht? Umso bemerkenswerter, dass die meisten Autoren und Leser dieser Genres weiblich sind.

Verharmlosung von Stalking und Besitzansprüchen: Soooo romantisch!

Schon bei „Twilight“ drang Vampir Edward uneingeladen in Bellas Schlafzimmer ein, um sie beim Schlafen zu beobachten. Dieses Motiv zieht sich durch alle genannten Bücher. Der männliche Love Interest überwacht, verfolgt, kontrolliert, liest private Nachrichten und setzt sich über sämtliche Grenzen hinweg, weil er die Protagonistin ja soooo sehr liebt. Wenn das nicht romantisch ist, weiß ich auch nicht.Dass wahre Liebe Freiheiten braucht, jeder Partner das Recht auf Freiräume, eine eigene Persönlichkeitsentwicklung und auch auf kleine Geheimnisse hat, suchen wir hier vergeblich. Es passt nicht ins Konzept dieser Pseudo-Liebesromane, in denen einer der Partner sich bedingungslos unterordnet, ja, tlw. sogar in den Besitz des anderen übergeht:

  • »Du gehörst mir, Anastasia. […] Und ich beschütze das, was mir gehört.« (aus: „50 Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ von E.L. James).
  • »Du gehörst mir, verstanden!« (aus: „Trinity – Verzehrende Leidenschaft“ von Audrey Carlan, S. 358).

Völlig absurdes Männer- und Frauenbild: Von Mäuschen und Machos

Es ist nicht nur die schon genannte Darstellung der Frauen in diesen Büchern, die ich als problematisch einstufe, sondern auch die der Männer. Sie werden als – Verzeihung – schwanzgesteuerte – Sexgötter dargestellt, (natürlich alle Millionär/Milliardär, zumindest aber wohlhabend), die sich alles herausnehmen und erlauben können, ihre Machoqualitäten auf jeder Seite herausstellen und generell ein ausgemachtes Arschlochverhalten an den Tag legen. Ich kann den Reiz, den ein „Bad Boy“ ausüben mag, durchaus nachvollziehen. Bad Boy bedeutet aber nicht Arschloch. Jemand der sich über gewisse Regeln hinwegsetzt, vielleicht das ein oder andere Gesetz übertritt,  und auch sonst eher eine raue Schale hat, kann seine Freundin doch trotzdem gut (normal!) behandeln? Das in diesen Romanen dargestellte Männerbild zeigt letzten Endes keine tollen Typen, sondern schlichtweg Angsthasen und Feiglinge, die ihre Freundin zu ihrem Eigentum deklarieren und auf Schritt und Tritt überwachen müssen. Kein selbstbewusster Mann hat ein solches Verhalten nötig. (Eine treffende Analyse von Christian Greys Charakter aus „50 Shades of Grey“ findet sich hier.)

Ich möchte von lebensechten Figuren mit Ecken und Kanten, mit Leidenschaften, Fehlern, Problemen und Interessen lesen – und nicht von Stereotypen. Weder von Machos noch von irgendwelchen duckmäuserischen Mädels, die alles mit sich machen lassen, weil sie ja ach-so-verliebt sind und ihr Traumprinz so wahnsinnig süß und sexy ist.

Als Kulturschaffende haben wir Autoren und Verlage auch eine Verantwortung. Natürlich gibt es die künstlerische Freiheit und ich mag niemandem vorschreiben, was er zu schreiben, zu verlegen oder zu lesen hat. Die genannten Bücher haben eine große Fangemeinde, die zahlreichen positiven Rezensionen zu all diesen Werken sprechen für sich.

Ich will diese Bücher weder verdammen noch gar auf den Index setzen o.ä. Ich wünsche mir lediglich, dass wir uns als Autoren, als Lektoren und als Leser Gedanken machen und sie nicht einfach als „seichte Unterhaltung“ abtun. Das sind sie nämlich nicht. Außerdem wünsche ich mir einen sensibleren Umgang mit diesen Themen. Natürlich soll, darf und muss über Missbrauch in Beziehungen geschrieben werden. Aber doch bitte nicht unter dem Deckmäntelchen der großen romantischen Liebe.

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*Achtung: Dieser Artikel kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

Beitragsbild:
freestocks.org

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Verfasst von - April 26, 2017 in Bücher

 

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Welttag des Buches: #5Books

aga-putra-125108Hallo ihr Lieben,

ich wünsche euch allen einen schönen Welttag des Buches! Mein Autorenverein, die BartBroAuthors (die ich euch schändlicherweise noch immer nicht vorgestellt habe – wird nachgeholt, sobald die Webseite fertig ist!), hat zu einer schönen Aktion aufgerufen: Unter dem Hashtag #5Books könnt ihr uns in den sozialen Netzwerken heute eure fünf absoluten Lieblingsbücher vorstellen – natürlich auch gerne als Kommentar oder Blogartikel etc.

„Waaaas? Nur fünf Bücher? Wie soll ich mich denn da entscheiden?“ – Jaaaa, gute Frage. Keine Ahnung! Mir ist es auch ausgesprochen schwer gefallen. Hier aber nun trotzdem meine Top #5Books:

 

  1. Walter Moers – Die Stadt der träumenden BücherDer junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz erbt ein makelloses Manuskript, dessen Geheimnis er ergründen möchte. Die Spur weist nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher … Walter Moers entführt uns in das Zauberreich der Literatur, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Nur wer bereit ist, derartige Risiken in Kauf zu nehmen, möge dem Autor folgen. Allen anderen wünschen wir ein gesundes, aber todlangweiliges Leben!

    Sprachgewaltig, spannend & voller skurriler Figuren & Ideen. Ein Muss für Buch- und Phantastikliebhaber!

  2. Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weißen BandesAm Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande erkennt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hochstehenden Persönlichkeiten bringen wird ? und den berühmten Detektiv ins Gefängnis, verdächtigt des Mordes. Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen …

    Hochspannender Sherlock-Holmes-Roman, der den Geschichten von Conan Doyle in nichts nachsteht. Unbedingt lesen!

  3. Frances Hodgson Burnett – Der geheime GartenNach dem Tod ihrer Mutter kommt Mary nach England auf das Schloss ihres sonderbaren Onkels. Die geheimnisvollen Umstände, die das verwöhnte Mädchen dort antrifft, krempeln sie völlig um. Heimlich findet sie Zugang zu dem hinter hohen Efeumauern verborgenen Lieblingsgarten ihrer verstorbenen Tante und baut sich dort eine eigene Welt auf. Als sie eines Nachts ihren zehnjährigen Vetter in einem der hundert Zimmer des düsteren Hauses schreien hört, fasst Mary einen wichtigen Entschluss …

    Dieses Buch hat mich lese- und schreibtechnisch stark geprägt. Ein altes Herrenhaus, verborgene Gänge und eine wunderbare Freundschaft – besser geht’s nicht.

  4. Diane Setterfield – Die dreizehnte GeschichteSie gilt als Englands beliebteste Schriftstellerin, und doch weiß keiner, wer Vida Winter wirklich ist. Ihr ganzes Leben lang hat sie Stillschweigen darüber bewahrt, was damals, in jener Nacht vor rund sechzig Jahren, wirklich geschah, als der Familiensitz der Angelfields bis auf die Grundmauern niederbrannte. Nun, dem Tode nah, erleichtert Vida Winter erstmals ihr Gewissen und gesteht die schockierende Wahrheit über sich und ihre Zwillingsschwester.

    Ein richtig spannender Schmöker – perfekt für einen gemütlichen Leseabend auf der Couch mit einer Tasse Tee oder einem Glas Wein.

  5. Alan Bradley – Flavia de Luce: Mord im GurkenbeetDie junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht das Opfer eines Giftmordes in ihrem Gurkenbeet entdeckt! Da jeder ihren Vater, den sanftmütigen Colonel de Luce, für den Mörder zu halten scheint, nimmt die naseweise Flavia persönlich die Ermittlungen auf. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia schließlich, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist …

    Selten merkt man einem Autor den Spaß am Schreiben so sehr an wie Alan Bradley bei seiner Reihe um die junge, chemiebegeisterte Detektivin Flavia de Luce. Eine Rückkehr nach Bishop’s Lacey fühlt sich jedes Mal an, als würde man nach Hause kommen.

Vielleicht habt ihr aus dieser Liste meinen Hang zu Schauerromanen herausgelesen?  Außerdem scheine ich eine Neigung zu düsteren Herrenhäusern zu besitzen … Nun ja, jedem das Seine. 😉

Nennt ihr mir auch eure fünf Lieblingsbücher?
Z.B. auf Twitter & Instagram unter dem Hashtag #5Books.

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Foto by Aga Putra
https://unsplash.com/photos/P_p4NGz5Cb4

 

 
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Verfasst von - April 23, 2017 in Bücher, Welttag des Buches

 

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Faszination Dampfkraft – Buchtipp: Die Wächter der Nimmersterne

Vor einigen Monaten hatte ich die Ehre, den Debütroman eines befreundeten Kollegen zu lesen und was soll ich sagen – ich fand die Rohfassung schon klasse! Nun ist es natürlich noch wesentlich besser und gerade endlich als eBook erschienen:Die Wächter der Nimmersterne

André Aeskinger: Die Wächter der Nimmersterne – Donner

ca. 397 Seiten, 4,99€

erschienen bei bookrix und erhältlich in diversen eBookshops.

Klappentext:

EIN ABENTEUER BEGINNT

In einer Welt, in der die „Artefakte“ den Menschen atemberaubende Fähigkeiten verleihen, sucht ein gesichtsloser Schrecken Starfall heim. Die Zukunft des Inselkönigreichs ruht auf den Schultern des ungleichen Duos Anthony und Vivienne, denen – unschuldig wegen Mordes gejagt – keine andere Wahl bleibt, als einander zu vertrauen, wollen sie überleben und den Dämonen ihrer Vergangenheit die Stirn bieten.

Dabei kommen sie nicht nur der unglaublichen Wahrheit über die Natur der Artefakte näher, sondern auch einander…

1. Satz:

Warum bemerkt man eigentlich immer erst dann, dass man vergiftet wurde, wenn es schon längst zu spät ist?

Wenn ihr auf abgedrehte Plots, sympathische Charaktere, eine zarte Liebesgeschichte und einen Genremix aus Steampunk, Science Fiction und Piratenabenteuer steht, dann greift unbedingt zu!

Viel Spaß beim Lesen! 😀

Den Autor findet ihr hier:
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Buchtrailer

 
 

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„Das Tattoo“ im bücherreich Podcast

Unbenannt

Die beiden Mädels von bücherreich schnacken in ihrem Podcast regelmäßig über Bücher und heute findet auch unsere Anthologie „Das Tattoo“ dort Erwähnung – worüber wir Antholadies uns sehr freuen!

Den Podcast – und die überaus sehenswerte Seite von Elena und Ilana – findet ihr hier. Über „Das Tattoo“ wird ab Minute 06:53 gesprochen. Nochmal ein herzliches DANKESCHÖN für die netten Worte an bücherreich!

 
 

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Kleine Fische gegen den großen Strom?

Die Doppelmoral gegenüber Amazon

Seit einigen Wochen häufen sich – mal wieder – die Anschuldigungen gegen Amazon, da der Internetriese wohl bei zahlreichen Büchern angibt, sie nicht auf Lager zu haben und mit den längeren Lieferzeiten die Verlage erpresst, die Bücher zu besseren Konditionen einkaufen zu können. Von „brutaler Erpressung“ (Frankfurter Rundschau) ist die Rede, von „Geiselnahme bekannter Autoren“ (FAZ), von „totalitärer E-Welt“ (FAZ). Alle regen sich auf – und angeblich kauft keiner dort, wenn man den Kommentaren in den sozialen Netzwerken glauben darf. Die Frage ist nur: Wer hat Amazon dann so groß gemacht, wenn dort niemand kauft?

Ich gebe zu: Ich habe einen Kindle, finde die Rezensionen praktisch und kaufe gerne bei Amazon. Ja, auch Bücher. Vor allem, weil Amazon ein Sortiment bietet, das es im stationären Buchhandel nicht gibt. Der „stationäre Buchhandel“ ist auch so ein Punkt, der in den Kommentaren immer wieder hervorgehoben wird: „Ich kaufe meine Bücher NUR in der örtlichen Buchhandlung.“ Und wenn man dann mal genauer nachfragt, stellt sich heraus, dass die „örtliche Buchhandlung“, die sich so sehr nach gemütlichem kleinen Ecklädchen anhört, (nicht immer, aber meistens) zu einer großen Buchhandelskette gehört. Thalia, Meyersche, Hugendubel… Glaubt ihr ernsthaft, diese Buchhandlungen würden auf andere Methoden zurückgreifen? Nicht Amazon hat die kleinen Buchläden aus den Innenstädten verdrängt. Für das „Thaliabuch des Monats“ und die Positionierung auf den Tischen im Eingangsbereich muss ein Verlag tief in die Tasche greifen. Auch Thalia fordert hohe Rabatte beim Einkauf von den Verlagen (nachzulesen in dem Artikel „Das Thalia-Prinzip: Ködern und kassieren“ in der FAZ vom 11.10.2010). Darüber regt sich kaum einer auf, ist ja schließlich nicht Amazon.

Niemand zwingt euch, liebe Verlage, die Bücher bei Amazon anzubieten. Erpressbar ist nur, wer sich erpressen lässt. Dann seid konsequent und macht da nicht mit. Ich weiß, wegen des Kartellgesetzes dürft ihr euch nicht zusammenschließen, aber ihr verstoßt nicht gegen Gesetze, wenn ihr geschlossen sagt: „Mit uns nicht, dann liefern wir unsere Bücher halt nicht mehr über Amazon aus.“ Was hindert euch daran, andere Wege zu gehen? Fehlende Sichtbarkeit – vielleicht. Umsatzeinbußen – okay. Aber glaubt ihr wirklich, dass es durch offenkundiges Gejammere besser wird? Ihr seid doch nicht hilflos, viele von euch gab es auch schon vor Amazon. Habt ihr die Entwicklung verschlafen, die Amazon für sich zu nutzen wusste? Tut etwas, werdet aktiv, verschließt euch nicht den Entwicklungen, die das Internetzeitalter mit sich bringt, sondern nutzt sie für euch und eure Zwecke! Was Amazon kann, könnt ihr doch schließlich auch – oder etwa nicht?

Solange die Bücher aus dem AmazonPublishing-Verlag vom Buchhandel konsequent ignoriert, Selfpublisher (sowohl von Verlagen als auch von Buchhandlungen) höchst stiefmütterlich behandelt werden und Amazon nicht bloß als Konkurrent, sondern als übermächtiger Feind angesehen wird, wird sich jedoch nichts ändern.

Ich sage nicht, dass gut ist, was Amazon macht. Ich finde nur die einseitige Darstellung unerträglich. Wir leben in einer Marktwirtschaft, solche Methoden sind üblich. Moralisch? Sicher nicht. Aber Moral hat in der Wirtschaft (leider) nichts zu suchen, hatte es auch nie. Weder Amazon noch Buchhandelsketten oder Verlage sind Wohltätigkeitsvereine, sondern erfolgs- und gewinnorientierte Unternehmen, die nichts zu verschenken haben und sich in ihren Methoden wohl auch nichts nehmen. Auch das muss man nicht gutheißen, ein wenig mehr Moral und ein bisschen weniger Doppelmoral täten den meisten Betrieben sicherlich ganz gut.

Und eigentlich kann mir niemand erzähen, dass der Kunde so dämlich ist, ein Buch nur deshalb nicht zu kaufen, weil es bei Amazon nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt erhältlich ist. Dann kauft er eben woanders, in einer „örtlichen“ Buchhandlung…

 
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Verfasst von - Mai 29, 2014 in Bücher

 

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Das Tattoo nun auch als Taschenbuch!

wpid-storageemulated0AutodeskPixlrOMatic2014-03-28-19.05.39_Sun_Black.jpg.jpg Wir Antholadies haben uns nach langem Überlegen nun dazu entschlossen, Das Tattoo nun auch als Taschenbuch herauszugeben.

Gestern kam mein Exemplar an und ich bin ganz begeistert von der schicken Optik. Auf dem linken Bild sieht das Cover dunkler aus, als es ist, denn die rote Schrift hebt sich sehr gut vom schwarzen Hintergrund ab.

Ist schon ein tolles Gefühl, dieses besondere Buch nun nicht nur digital, sondern auch analog in den Händen halten zu können. Wir hatten so viel Spaß bei der Erstellung der Anthologie, dass es allein dafür eine schöne Erinnerung ist.wpid-storageemulated0AutodeskPixlrOMatic2014-03-28-19.13.53_Anne_Wispy.jpg.jpg

Die begeisterten Rezensionen bestärken uns ebenfalls darin, mit dieser Anthologie etwas Großartiges auf die Beine gestellt zu haben. Ich bin jedenfalls sehr froh, ein Teil der Antholadies sein zu dürfen!

Hier geht’s zur Taschenbuchausgabe und hier zu den Antholadies auf Facebook! 🙂

 
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Verfasst von - März 29, 2014 in Antholadies, Bücher

 

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Neuzugänge!

Neuzugänge!

Ich war im Bücherkaufrausch und habe mir einige Exemplare gegönnt. Ein Roman ist nicht dabei, dafür Recherche-Literatur für meine nächste Kurzgeschichte, die in Münster vor – na, ihr erratet es – 100 Jahren spielt.
Ein Spontankauf war „Wie es einst war – Schönes und Nützliches aus Großmutters Zeiten“ von Thomas Blubacher, weil ich neben dem Inhalt das Cover so genial fand.
In der Mängelexemplar-Abteilung stieß ich auf „Nicht warten – Starten. Das 7-Minuten-Programm zur Motivation“. Das musste natürlich auch unbedingt mit. „Motivationsproblem“ ist schließlich mein zweiter, nein dritter Vorname…
Einen weiteren Schreibratgeber gab es auch: „Erfolgreich schreiben im Beruf“ von Armin Jäger, wobei es da nicht so sehr um den literarischen Aspekt geht, sondern das Schreiben allgemein behandelt.
Und heute nachmittag bei einem IKEA-Besuch war ich besonders standhaft und nur zwei schicke Notizbücher mitgenommen. Ich bin ja schon ein wenig stolz auf mich.
Ein weiterer Schreibratgeber mit Fokus auf Figurenentwicklung ist noch unterwegs und überquert wahrscheinlich derzeit den Atlantik.

 
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Verfasst von - Februar 26, 2014 in Bücher

 

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