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Archiv der Kategorie: Begegnungen

#FBM17 – Kein Messebericht.

Achtung: Langer Post, in dem ich tlw. ein wenig pissig auf gewisse Vorkommnisse reagiere. Ich hab’s sachlich versucht – hat leider nicht geklappt. Sorry.
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Ihr merkt es: Bislang ist von mir noch kein Artikel zur Frankfurter Buchmesse 2017 erschienen. Ich tue mich in diesem Jahr sehr schwer damit, denn für mich war die Messe immer eine der wenigen Möglichkeiten im Jahr, bei denen man Kollegen und mittlerweile auch Freunde aus der ganzen Welt trifft, sich austauscht – auch, aber nicht nur über das Schreiben oder Bücher allgemein. Dieses Jahr habe ich die Messe ebenso wahrgenommen, doch leider ging es vielen nicht so.

Ich möchte deshalb in diesem Text nicht über meine Messeerlebnisse berichten, das werde ich zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Denn ich will die Vorkommnisse, die sich in einem gewissen Bereich an einigen Tagen dort zugetragen haben, nicht mit meinen schönen Erfahrungen mischen. Ich lasse mir meine Buchmesse nämlich nicht kaputtmachen. Aber ich will Stellung beziehen – nicht zum ersten Mal. Wer mir schon länger auf den verschiedenen Kanälen folgt, weiß, dass ich nicht unpolitisch bin, nicht unpolitisch sein kann.

Ich muss dazu sagen: Ich habe von den Ausschreitungen in Halle 4.1 nichts mitbekommen. Die meiste Zeit habe ich in Halle 3.0 verbracht, in der sich die meisten Publikumsverlage, Autoren und Leser tummeln. Wer noch nie auf dem Frankfurter Messegelände war: Es ist riesig. Selbst wenn die Tumulte in der gleichen Halle stattgefunden hätten, wäre es nicht garantiert gewesen, davon etwas mitzubekommen.

Ich muss auch ehrlich gestehen: Die Veranstaltungen und Stände dieser sogenannten „Neuen Rechten“ haben mich nicht die Bohne interessiert. Ich bin nur einmal dort vorbeigekommen, da stellte eine einigermaßen bekannte Autorin gerade ihr Buch zum Thema Mütter vor. Ich habe die Augen verdreht und schleunigst das Weite gesucht, weil ich diesen hanebüchenen Unsinn, der darin verzapft wird, nicht ertrage.

Es war ja auch nicht das erste Mal, dass diese Verlage dort einen Stand hatten, nur das erste Mal, dass bereits im Vorfeld verstärkt darüber berichtet wurde. Ich kann die Haltung der Messeleitung in diesem Punkt – im Gegensatz zu manch anderem – nachvollziehen. Diese Verlage sind nicht verboten. Meiner Ansicht nach stünde es der Messeleitung daher auch nicht zu, ein Standverbot auszusprechen. Das hätte wohl nur dazu geführt, dass die Betreffenden sich widerholt in ihrer Opferrolle suhlen, ein Verhalten, dass diese Leute bis zur Perfektion betreiben.

Es gehört zu einer Demokratie dazu, unliebsame Meinungen zuzulassen. Damit meine ich explizit keine volksverhetzenden, rassistischen oder andere Inhalte, die verfassungsfeindlich sind. Es hat aber einen Grund, warum diese Verlage und die von ihnen produzierten Bücher eben nicht verboten sind. „Unliebsame Meinungen zuzulassen“ bedeutet auch nicht, diese zu akzeptieren, ja nicht einmal zu tolerieren. Widerspruch ist hier Pflicht, vor allem, wenn vonseiten der Rechten versucht wird, die Grenzen dessen, was gesagt werden darf, immer weiter in eine Richtung zu verschieben, die Ausgrenzung und sogar Gewaltbereitschaft fördert.

Wie gesagt: Ich kann die Entscheidung der Buchmesse, diesen Verlagen einen Standplatz zur Verfügung zu stellen, nachvollziehen. Nur weil wir etwas aus unserem Leben verbannen, heißt es nicht, dass es nicht mehr exististiert. Diese Leute werden weiter schreiben, weiter veröffentlichen, weitere Leute anziehen. Von daher fand ich ihre Auftritte auf der Messe, die ich über die sozialen Netzwerke und tlw. über ihre eigenen Videos verfolgt habe, sehr entlarvend. Es ist mir lieber, ich habe eine Ahnung davon, wie diese Leute ticken, als dass sie irgendwo im Verborgenen agieren.

Leider hat sich bei diversen Vorfällen gezeigt, dass Personal und Messeleitung eindeutig überfordert waren. Ich wage die Vermutung, dass sie nicht mit solchen Auseinandersetzungen gerechnet hatten, eben weil diese Verlage nicht zum ersten Mal dort ausstellten. Das war gewiss naiv und soll nun keine Entschuldigung für das Versagen in den betreffenden Fällen sein, ebenso wenig wie für das wenig bissige Statement, das am Samstag herausgegeben wurde.

Aber ich war nicht vor Ort. Ich habe zahlreiche Meldungen gelesen, darunter auch vieles, was sich hinterher als falsch herausgestellt hat – sowohl vonseiten der Rechten als auch von ihren Gegnern. Aus diesem Grund habe ich verhältnismäßig wenig geteilt. Ich halte nichts davon, in Rage geschriebene Postings zu einem so wichtigen Thema zu verfassen. Am Samstag ploppten in meiner Twitter-Timeline leider tlw. sehr hysterisch wirkende Tweets auf, größtenteils von Leuten, die nicht mal vor Ort waren. Das halte ich für wenig hilfreich und – ganz im Gegenteil – sogar für schädlich. Sehr unglücklich fand ich in diesem Zusammenhang die Boykottaufrufe, im nächsten Jahr nicht mehr zur Messe zu fahren, sofern den rechten Verlagen das Ausstellen nicht untersagt wird. Entschuldigung, aber was ist das denn bitte für ein Verständnis von Widerstand? Vielleicht wischt man damit der Buchmesse eins aus, weil man enttäuscht von der Organisation ist. Okay – geschenkt.

Aber: Den Rechten ist es VÖLLIG egal, ob ihr die Buchmesse boykottiert. Sie werden das höchstens als Sieg werten, weil wir ihnen damit die Messe überlassen. Indirekt gestehen wir damit ein, dass sie gewonnen haben. Und das ist für mich völlig inakzeptabel. Ich denke: Jetzt erst recht. In diesem Jahr war ich darauf nicht vorbereitet, weil ich mich im Vorfeld nicht für die Veranstaltungen dieser Verlage interessiert habe. Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass die Situation auf einer Buchmesse derart eskalieren könnte. Im nächsten Jahr weiß ich es besser. Ich werde eindeutig politischer auftreten, sei es durch T-Shirts, Buttons, Plakate usw. Jeder, der mich dort sieht, soll wissen, wo ich stehe und dass ich mich nicht von irgendwelchen rechten Idioten einschüchtern lasse.

Zuhause bleiben und ab und an mal einen kritischen Blogpost schreiben oder Tweet absetzen, ist für mich Wohlfühlwiderstand, der letztendlich nur wenig bewirkt, weil wir uns alle in unseren Filterblasen bewegen – wir genauso wie die Rechtspopulisten und Rechtsextremen.

Ich bin auch nicht dafür, mit denen zu reden, ich glaube nicht, dass das noch irgendetwas bringt. Aber wir können (und müssen!) Position beziehen und Flagge zeigen. Sowohl online als auch offline.

Nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 habe ich getwittert:

Ich werde dieses menschenverachtende Gesellschaftsbild erstens nicht akzeptieren & ihm zweitens alles entgegensetzen, was ich habe.

Das war für mich kein leerer Spruch. Ich bin bereit, für eine offene Welt, für Freiheit und ein freundliches Miteinander einzustehen – koste es, was es wolle. Ich halte allerdings nichts davon, unliebsame Veranstaltungen niederzubrüllen, damit heizt man sie nur an, fördert die Berichterstattung. Ich wünsche mir hingegen, Gleichgesinnte zu finden, die sich eindeutig positionieren, die den Rechten Grenzen aufzeigen, die keine Angst haben, ich wünsche mir einen eindeutigen Widerstand, auch und gerade in der Bücherszene. Ich weiß noch nicht genau, wie der aussehen soll und kann, aber ich habe ja nun ein paar Monate Zeit, mir darüber Gedanken zu machen.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Lösungen für den Umgang mit Rechts. Reden halte ich für verschwendete Lebenszeit und unnötige Aufmerksamkeit. Ich glaube, die Leute, die diese Reden gutheißen, sind so weit von meiner eigenen Lebensrealität entfernt, dass wir keine gemeinsame Basis finden würden. Und ich habe auch kein Interesse mehr an einem Austausch, v. a. nicht, wenn ich mir die Videos der Messeveranstaltung der „Identitären“ anschaue, die im Netz kursieren. Hohle Phrasen, Gezeter und Gebrüll von lächerlichen Figuren, die ich nicht ansatzweise ernst nehmen kann. „Wo wart ihr an Silvester?“-Schreie, „Schande!“-Skandierungen und „Übernahme der Buchmesse“-Titeleien. Ernsthaft? Ihr wirkt wie eine aggressive, hirnlose Masse, die irgendwelche Parolen brüllt – ohne zu verstehen, was überhaupt dahintersteckt. Wenn eure Heimat das einzige ist, auf das ihr stolz sein könnt und das ihr (gegen was oder wen auch immer) „verteidigen“ wollt, tut ihr mir aufrichtig leid.

Und noch ein Hinweis, weil darüber mal wieder völlig undifferenziert berichtet wurde: Nur weil man gegen menschenverachtende Parolen von Rechts demonstriert, ist man nicht automatisch links. Von Zusammentreffen von links und rechts kann also eigentlich nicht wirklich die Rede sein. Jeder, der für eine freie und offene Gesellschaft eintritt, sollte jenen entgegentreten, die diese einschränken oder gar abschaffen wollen – ganz egal, in welches politische Spektrum er sich einsortiert.

Und da ich jetzt die berüchtigte Kritik an „beiden Seiten“ geübt habe, weil ich das Vorgehen einiger, die wahrscheinlich hehre Ziele verfolgen, auch nicht gutheißen kann: Ich wünsche mir, dass in solchen Situtionen seitens Polizei und Messeleitung härter durchgegriffen wird. Wenn Gegendemonstranten gewalttätig werden, haben sie das Gelände zu verlassen, ebenso wie aggressive Teilnehmer der Veranstaltung. Wenn der Messechef eine Veranstaltung für beendet erklärt, dann ist diese zu beenden, fertig. Dieses rotzfreche Weiterführen und sich dafür feiern lassen, ist absolut respektlos, nicht akzeptabel und zeigt eindeutig, wessen Geistes Kind diese Leute sind.

Die Frankfurter Buchmesse muss die Auftritte der Rechten im Rahmen der Meinungsfreiheit und des Grundgesetzes vielleicht tolerieren, wir jedoch nicht. Um eindeutige Positionierung und Stellungnahmen kommen wir schon lange, spätestens aber seit jetzt, wo es unsere eigene Branche betrifft, nicht mehr herum – wenn uns unsere Zukunft nicht völlig egal ist.

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Verfasst von - Oktober 20, 2017 in Begegnungen

 

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Meine Filterblase & ich

Meine Filterblase & ich

Ich liebe meine Filterblase. Ja, ich habe eine – und das ganz bewusst. Sie befindet sich sowohl auf Twitter als auch auf Instagram. Auf Facebook tendenziell eher weniger – was wohl auch mit ein Grund ist, warum ich es das Netzwerk ist, auf dem ich mich am wenigsten rumtreibe.

Ich weiß, dass es viele gute Gründe gegen eine Filterblase gibt und auch, dass häufig abfällig gesagt wird „Du in deiner Filterblase hast doch eh keine Ahnung“. Ja, das mag sein. Ich habe nicht von jedem Thema Ahnung und auch nicht zu jedem eine Meinung. Aber wenn ich online bin, dann möchte ich selbst entscheiden, welchen Themen und Personen ich meine Aufmerksamkeit schenke. Das mag man nun Selektion nennen oder „die Augen verschließen“. Aber genauso wie ich die Menschen in meinem realen Umfeld auswähle, mit denen ich meine Zeit verbringe, mache ich das auch in den sozialen Netzwerken. Ich schmeiße niemanden aus meinen Listen, der meine Meinung nicht teilt – im Gegenteil, ist doch langweilig, wenn alle gleich denken -, aber Leute, die ausfallend werden, trollen und pöbeln haben dort nichts zu suchen. Es ist meine Online-Welt, die ich mir schaffe – und wer sich nicht benehmen kann, fliegt raus. Ganz einfach.

Der Ton in den sozialen Medien hat meinem Empfinden nach in den letzten Jahren an Schärfe zugenommen. Kaum ein Artikel, unter dem sich nicht verbal geprügelt wird – auch wenn es um völlige Nichtigkeiten geht. Und jedes Mal, wenn ich solche Diskussionen lese – ja, ich gebe zu, den Fehler mache ich das ein oder andere Mal noch – fühle ich mich hinterher schlecht. Weil ich es nicht glauben kann, dass Menschen so sehr von Hass zerfressen sind, dass sie ihre häufig misanthrope Weltanschauung in die Öffentlichkeit hinausposaunen müssen. Bei nichtigen Themen schüttele ich meistens nur genervt den Kopf, bei anderen, wo es wirklich um etwas geht – Flüchtlingsthematik/Rechtsextremismus/Feminismus/LGBT/Tier- und Umweltschutz/usw. – werde ich wütend.

Meistens juckt es mich dann in den Fingern, einen (oder gleich mehrere) Kommentar(e) zu schreiben, manchmal formuliere ich und tippe und tippe – nur um dann doch wieder alles zu löschen. Nicht weil ich mich nicht angreifbar machen oder für „meine“ Themen einstehen will, sondern weil es so sinnlos ist. Wie ein Kampf gegen Windmühlen. In den Kommentarspalten der Online-Magazine oder den sozialen Netzwerken wird man niemanden überzeugen können, eine freundlichere Sicht auf die Dinge anzunehmen.

Überhaupt – andere von meiner persönlichen Meinung zu überzeugen, liegt mir fern. Ich diskutiere gerne, möchte dieses aber auf Augenhöhe tun und mich nicht anpöbeln lassen – nur weil ich eine andere Meinung habe/eine Frau bin/kein Verständnis für „besorgte Bürger“ aufbringe/usw.

Wenn mir die triste Online-Welt, in der wenige so laut sind und viele andere so still, zu sehr aufs Gemüt schlägt, ziehe ich mich in meine Filterblase zurück. Meine Filterblase, das sind all die wunderbaren Büchermenschen, die ich in den letzten Jahren auf Twitter und Instagram kennenlernen durfte. Uns alle verbindet die LIEBE zu Büchern, nicht der Hass auf irgendjemanden oder irgendetwas. Es macht unwahrscheinlich viel aus, wenn sich eine Gruppe aus heterogenen Individuen zusammenschließt, weil sie eine gemeinsame, positiv-ausgerichtete Leidenschaft haben, die sie miteinander verbindet.

Egal zu welchem Thema: Nahezu alle posten reflektiert und sachlich, man kann wunderbar diskutieren und muss nicht befürchten, beleidigt zu werden, wenn man nicht einer Meinung ist. So ein Austausch ist tatsächlich möglich! In meiner Liste herrscht ein weltoffener und menschenfreundlicher Tenor. Hier wird sich ausnahmslos über die „Ehe für alle“ gefreut, ein weiblicher Doctor in „Doctor Who“ ist keine große Sache und niemand urteilt vorschnell bei aktuellen Ereignissen, sondern wartet die Faktenlage ab.

Ich spreche nicht von Friede-Freude-Eierkuchen oder einer Rosa-Zuckerwatte-Welt. Wir wissen alle, dass wir nicht in einer solchen Welt leben. Häufig werden auch weniger schöne Erlebnisse geteilt, oft geht es politisch zu und auch schwere Krankheiten sind kein Tabu. Depressionen z. B. sind ein immer wieder aufgegriffenes Thema. Und das ist auch gut so. Wir können mit unangenehmen Themen umgehen. Aber es wird nicht mit Wut, Zorn oder gar Hass darauf reagiert, sondern ehrlich und respektvoll miteinander umgegangen, manchmal mit einer Prise Ironie oder Sarksamus.

Es macht mich stolz, Teil einer tollen Community zu sein, die immer ein offenes Ohr für andere und ihre Probleme hat. Und dann werde ich wieder nachdenklich: Wenn ich mir ohne großen Aufwand eine Filterblase geschaffen habe, die im Großen und Ganzen so harmonisch ist, wie sehen dann die Filterblasen von jenen Menschen aus, die durchs Internet trollen, andere beleidigen und überall ihre Negativität verbreiten? Ich stelle sie mir nicht als einen schönen Ort vor und möchte mich dort nicht aufhalten.

Ich glaube, dass Filterblasen eine enorme Macht über uns und unser Leben haben. Sie formen uns – ob wir das wollen oder nicht. Eine Filterblase, die sich auf das Positive in dieser Welt konzentriert, nehme ich anders wahr als eine, in der es ständig um Hass gegen Andersdenkende/Andersfarbige/Andersliebende/usw. geht. Ich merke es ja an mir selbst: Zehn Minuten in den Kommentarspalten eines Online-Magazins und plötzlich habe ich das Gefühl, die ganze Welt wäre schlecht und große Teile Menschheit ein Haufen verkommener Subjekte, mit denen ich nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun haben möchte. Wenn so mein gesamtes Online-Leben aussähe – lieber Gott, ich will gar nicht darüber nachdenken.

Von daher sehe ich meine Filterblase nicht als ein Problem an – im Gegenteil. Viele dieser Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen, viele kenne ich mittlerweile persönlich. Ich hoffe, dass viele andere diese positiven Erfahrungen ebenfalls machen dürfen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich liebe meine Filterblase. Wenn ich mich nicht dorthin zurückziehen könnte und immer wieder feststellen würde, dass es so viele wunderbare Menschen gibt, die ich ohne die Liebe zu den Büchern gar nicht kennengelernt hätte, wäre mein Leben um einiges ärmer.

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Beitragsbild:
Gaelle Marcel

 
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Verfasst von - August 18, 2017 in Begegnungen

 

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Die DNA-Reise

Eines der für mich emotionalsten und wichtigsten Videos, die ich bisher im Netz gesehen habe. Anschauen lohnt sich. Sehr.

 
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Verfasst von - Februar 2, 2017 in Begegnungen

 

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Schöne Scheiße: Diagnose Brustkrebs – 2 Jahre danach

Obwohl mein Gedächtnis in den meisten Belangen durchlässig ist wie ein Sieb, erinnere ich mich an diesen Tag vor zwei Jahren, als wäre es erst gestern gewesen. Ich erinnere mich an die Sorglosigkeit, mit der ich in die Befundbesprechung gegangen bin („Was soll das schon sein? Brustkrebs – Quatsch!“), an die Betroffenheit der Ärztin und an meinen Schock, als das Unerwartete eintrat. Ich erinnere mich an das Gefühlschaos, in das mich die Diagnose stürzte und an all die Schreckenswörter, die fielen – OP, Chemotherapie, Bestrahlung, Antihormontherapie …). Das konnte doch nicht plötzlich ein Teil meines Lebens sein?

Heute, auf den Tag genau zwei Jahre später, denke ich nur noch selten an dieses Gespräch und an das, was folgte. Meine tägliche Tablette nehme ich ganz selbstverständlich, die Narben der OP sehe ich kaum noch.

Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, wie verhältnismäßig leicht ich durch die Behandlung kam. Eine Chemotherapie blieb mir erspart, zwei Tage nach der OP war ich wieder auf den Beinen und die tägliche Bestrahlung über einen Zeitraum von 6 Wochen war eher lästig als schlimm. Die Antihormontherapie ist nicht toll, aber welche Tabletteneinnahme ist das schon?

Ich weiß, dass ich verdammtes Glück hatte (mit der Art des Tumors und der frühzeitigen Erkennung) und immer noch habe, denn bisher – toi, toi, toi – kam nichts zurück. Ich weiß aber auch, das andere nicht so viel Glück haben. Viele Frauen, die ich durch die Krankheit kennengelernt habe, haben den Kampf verloren oder kämpfen ihn noch immer.

Nach der Diagnose ist in der Tat plötzlich jeder Tag ein Kampf, nicht immer nur gegen den Krebs, sondern auch gegen die Wut, die Traurigkeit, den Gedanken „Warum ich?“. Ich war zum Glück nie der Typ Mensch, der mit seinem Schicksal hadert, ich kann Dinge – egal, wie ätzend sie sein mögen – ganz gut annehmen und das tun, was getan werden muss. Trotzdem ist schwer, sich die Lebensfreude zu bewahren und die Angst über das „Was, wenn…“ nicht  die Oberhand gewinnen zu lassen. Das gelingt wohl jedem Betroffenen mal besser, mal schlechter.

Nach der Diagnose ist aber auch jeder Tag ein Geschenk. Zwangsweise muss man sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen und begreift plötzlich, dass es die kleinen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen. Und ich habe begriffen, dass ich allein für mein Leben verantwortlich bin. Ich habe mich selbstständig gemacht, mein erstes Buch endlich(!) veröffentlicht und reise genauso viel wie vor der Diagnose.

Was mir persönlich nach wie vor schwerfällt, ist Entspannung. Früher war das leichter, ich habe ein Buch aufgeschlagen, bin für einige Stunden in eine andere Welt abgetaucht und wenn ich wieder ins reale Leben zurückkehrte, fühlte ich mich erholt. Heute ist das nicht mehr so einfach, was aber vor allem daran liegt, dass ich schon beruflich viele Stunden am Tag lese und Texte bearbeite. Lesen macht mir immer noch viel Freude, aber der erholsame Effekt ist kaum mehr vorhanden – Berufskrankheit. Autoren und insbesondere Lektoren lesen anders.

Ich weiß aber, wie wichtig Entspannung ist, um seine Energiereserven wieder aufzutanken. Das wird wohl mein Neujahrvorsatz für 2017: bewusst entspannen (lernen).

Ich wünsche allen Betroffenen die Kraft, durchzuhalten. Und allen Angehörigen und Freunden die Geduld, mit uns umzugehen. Denn was eine solche Diagnose immer mit sich bringt: Wir funktionieren nicht mehr wie zuvor. Es ist nicht möglich, mit einer solchen Erkrankung konfrontiert zu werden und sich nicht zu verändern. Aber Veränderung beinhaltet auch immer eine Chance: auf einen liebevolleren Umgang mit sich selbst und anderen, auf die Verwirklichung der eigenen Träume und Wünsche und manchmal auch auf einen Start in ein neues Leben.

Alles Liebe
eure Nina

 
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Verfasst von - Oktober 28, 2016 in Begegnungen, Schreiben

 

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Ein Monat ohne dich.

Ein Monat ohne dich.

Vor einem Monat bist du gegangen, für immer. So plötzlich, so unglaublich, von einem auf den anderen Moment warst du nicht mehr da.

Fassungslos bleiben wir zurück, angefüllt mit unvollendeten Plänen und wunderbaren Erinnerungen.

Der erste Monat ohne einen Anruf von dir, ohne eine Nachricht, ohne ein lustiges Bild, schnell aufs Handy geschickt. Wenn das Telefon klingelt, glaube ich, hoffe ich, deine Nummer zu sehen, bis mir alles wieder einfällt, bis ich verstehe, dass es nie wieder deinen Namen anzeigen wird.

Alltägliche Nachrichtenverläufe, die plötzlich unfassbar wichtig werden, obwohl doch nichts Wichtiges drinsteht, jedenfalls nichts, das jemand anderem etwas bedeuten würde.

Tränen, vergossen über deinen Abschied, Lachen über all die kleinen Erinnerungen, die plötzlich an die Oberfläche drängen. Dankbarkeit für gemeinsam verbrachte Stunden – auch und vor allem für die letzten.

Danke.
Für alles.

 
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Verfasst von - Februar 27, 2016 in Begegnungen, Schreiben

 

Was? Es war Buchmesse?

Was? Es war Buchmesse?

Ja. Es war Buchmesse. Ich war sogar da, fünf volle Tage lang. Aber die Zeit ist so schnell vergangen. Ich kann gar nicht glauben, dass ich jetzt schon wieder am heimischen Schreibtisch sitze und meinen Messebericht tippe.

Zum ersten Mal war ich in diesem Jahr länger als einen Tag auf der Messe und ich werde es nie wieder anders machen. Zwar habe ich auch in den vielen Stunden, die ich mich dieses Mal auf dem Gelände aufgehalten habe, viel zu wenig gesehen, dafür hatte ich grandiose Gespräche mit den tollsten Kollegen. Es war schön mit euch – mein persönliches Messehighlight!

Self-Publishing auf der #fbm15

Sehr gut gefallen hat mir in diesem Jahr auch die Self-Publishing Area. Die Lage in der hinteren Ecke von Halle 3.0 ist optimal, Platz für ein kleines Café und WiFi gab es auch – perfekt! Die Vorträge fand ich immer sehr interessant, auch wenn man vieles von dem Ausgeführten schon weiß, wenn man sich seit Jahren mit diesen Themen beschäftigt. Trotzdem ist es nützlich, das alles noch einmal gebündelt zu hören. Nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall wieder dort sein.

Es ist schön, dass das Self-Publishing mittlerweile aus der Hobbyautoren-Ecke herausfindet und auch in seiner Professionalität wahrgenommen wird. Gerade jetzt passiert sehr viel in der Branche: Vereine werden gegründet, Autoren schließen sich zu Communities zusammen, tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig. Langsam entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das dem „Haifischbecken Self-Publishing“ entgegensteht. Ich finde es grandios, was da gerade im Entstehen ist und bin sehr froh, ein Teil davon sein zu dürfen.

Ihr merkt schon, ich habe aus den fünf Tagen gar nicht so viel zu erzählen, aber dafür umso mehr mitgenommen: Das Wissen um ein stabiles Netzwerk, auf das man sich verlassen kann, tolle Leute, die meine Leidenschaft teilen und diese ebenso ernsthaft betreiben.

Eigentlich hatte ich vor, am Samstag zum 30. BuCon nach Dreieich zu fahren, leider hat das nicht geklappt. Von meiner Unterkunft aus hätte ich insgesamt vier Stunden in Bus & Bahn gesessen und hätte abends Schwierigkeiten gehabt, zurück nach Hause zu kommen. Und da ich am Freitag bereits einen 16-Stunden-Tag hinter mir hatte, wollte ich es lieber ruhig angehen lassen. Nächstes Jahr bin ich aber hoffentlich dabei – dann auch mit eigenem Roman.

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Ich habe mich in diesem Jahr ordentlich zusammengerissen, was das Mitnehmen von Leseproben, Katalogen, Lesezeichen u.ä. angeht. Ein kleines Tütchen habe ich allerdings zusammengesammelt, allerdings nicht für mich, sondern für euch. Ich möchte gerne ein kleines Messepaket verlosen an jemanden, der gerne zur Buchmesse gefahren wäre, aber leider nicht konnte.

Darin befinden sich u.a. Postkarten (u.a. von Harry Potter), diverse Leseproben (v.a. Fantasy, Krimi, historische Romane), Lesezeichen sowie die ein oder andere Überraschung. Wer das kleine Päckchen haben mag, der kann mir gerne eine eMail schicken: ninahasse@gmx.de. Bitte sagt mir doch, was ihr auf der Buchmesse besonders gerne gesehen hättet und schickt mir eure Adresse mit! Bei mehreren Mails entscheidet das Losverfahren. Einsendeschluss ist am kommenden SONNTAG, 25.10.2015 um 23:59 Uhr, Auslosung am Montag, 26.10.2015.

Und auch für die Autoren unter euch habe ich etwas mitgebracht: Ich verschenke drei Exemplare von „Der Selfpublisher“, dem neuen Magazin für selbstveröffentlichende Autoren, das pünktlich zur Buchmesse zum ersten Mal in einer Startauflage von 10.000 Exemplaren erschienen ist. Hier gilt: First come, first serve. Die ersten drei Autoren, die mir ihre Adresse per Mail zukommen lassen, erhalten ein Exemplar der Zeitschrift. Es lohnt sich!

Messeeindrücke

Und nun das, worauf ihr alle gewartet habt – FOTOS! Ungeschönt und ohne Filter. Jede Falte, jeden Augenring, jeden müden Blick haben wir uns hart erarbeitet.

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Am

 
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Verfasst von - Oktober 19, 2015 in Begegnungen

 

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Wir sind hier in Frankfurt.

Wir sind hier...Noch 57 Tage bis zur Frankfurter Buchmesse *yeah*. Ich liege mit meinen Vorbereitungen gut in der Zeit. Denn dieses Jahr werde ich zum ersten Mal als Fachbesucher teilnehmen und volle fünf Tage Messewahnsinn erleben dürfen.

Unterkunft ist organisiert, Bustickets gebucht, Akkreditierung habe ich erhalten, neue Visitenkarten bestellt. Und nun? Muss nur noch der Roman fertig werden 😉

Wer von euch ist ebenfalls auf der #FBM15? Ich freue mich, euch dort zu treffen!

Liebe Grüße
eure Nina

 
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Verfasst von - August 17, 2015 in Begegnungen

 

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