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Create & Inspire: Bruno E. Thyke

30 Sep
Create & Inspire: Bruno E. Thyke

In meiner Blogreihe Create & Inspire stelle ich Autoren, Künstlern und Kreativen Fragen zu ihrer Arbeit und ihren Ansichten über ein kreatives Leben. Heute freue ich mich auf:

Bruno E. Thyke, Autor & Blogger

 

Kurzvita

Ich bin Bruno, Autor von Fantasy und anderer Literatur, die zu 95% in der S-Bahn zustande gekommen ist. Auf www.augenschelm.de schreibe ich über alles was mich als
nebenberuflichen Autor bewegt.

Bruno E. ThykeBeschreibe dich in drei Worten.
Quergeist, Quäldenker und Bequemmacher.

Woran arbeitest du gerade?
Im Bezug auf mein kreatives Schaffen an der Überarbeitung einer Novelle und meines Manuskripts. Ich arbeite mit einer amerikanischen Autorin und Creative Writing Lehrerin ganz allgemein an dem Thema und nutze dazu mein Manuskript. Es ist meine erste Überarbeitung und ich bin dankbar, jemand mit Erfahrung an meiner Seite zu haben.

Parallel recherchiere ich für ein Projekt, das eine ganz andere Richtung einschlagen wird und in dem es darum geht, wie Autoren jenseits von Schreibtechniken ihren Alltag bewältigen können.

Was verstehst du unter einem kreativen Leben? Und was bedeutet es für dich?
In erster Linie: Sich nicht verzetteln. Ich habe ständig den Kopf voll, eine Familie mit kleinem Kind, einen Vollzeitjob. Kreativ zu sein heißt, die Ideen zu behalten, aber sie auch im rechten Moment abrufen und umsetzen können. Ich kann nicht auf Eingebungen warten, denn dann schreibe ich kein einziges Wort. Kreativität ist ein Weg, Dingen auf die Spur zu kommen, um meinen Traum vom Buch zu verwirklichen.

Entgegen der landläufigen Meinung ist Kreativität nicht nur für Künstler und Kunstschaffende relevant; ich bin in meinem Arbeitsleben Bänker und das bringt man nicht direkt mit Kreativität in Zusammenhang. Doch je weiter man in einem Job voran kommt, desto weniger wichtig ist es, Dinge auswendig im Kopf zu wissen. Viel wichtiger wird es, Antworten auf Fragen zu finden, von denen man gar nicht wusste, dass man sie braucht. Da ist Kreativität sehr hilfreich.

Ein kreatives Leben ist also in gewisser Weise wie ein achtsames Leben ein Lebensgefühl oder eine bestimmte Art, an Dinge heran zu gehen.

Hast du dich schon einmal (oder mehrmals) im Zustand des Flow* befunden? Falls ja: Wie war das für dich? Und wie, glaubst du, hast du ihn erreicht?
Ja, habe ich. Schon oft sogar. Voraussetzung ist, dass ich mich nicht ablenken lasse und weiß, was vor mir liegt. Ich schreibe in der S Bahn, wo ständigen Kommen und Gehen herrscht. Ich höre dabei meist (moderne) klassische Musik und Filmscores und ich weiß, dass ich genau 2x 25 Minuten pro Fahrt habe um zu Schreiben. Ich denke dann wenig nach und schreibe einfach, weil ich jede Sekunde nutzen will. Auch beim Plotten oder Überarbeiten kann ich voll in meiner Arbeit versinken – allerdings nur, wenn ich weiß, wie ich was machen kann. Beim ersten Überarbeiten habe ich drei Tage lang nur auf das Blatt gestarrt, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Da hilft es, sich mit Menschen auszutauschen, die bereits Erfahrung haben – was auch eine Art der kreativen Lösungsfindung ist.

Für mich waren einige Schreibkurse und Schreibratgeber hilfreich , die mir bestimmte Techniken aufgezeigt haben. Außerdem alles, was ich zum Thema Selbstorganisation gelernt habe

Wenn ich nicht kreativ tätig bin …
Schlafe ich wahrscheinlich. Ideen kommen überall, beim Sport, beim Aufräumen, beim Zähneputzen. Ich bin es im Job oder beim Spielen mit meiner Tochter. Kreativ sein heißt, mit Ideen zu spielen und manchmal einfach Quatsch machen. Es ist einfach eine Art zu denken.

Was treibt dich um? Was möchtest du mit deiner kreativen Tätigkeit ausdrücken?
Das kommt darauf an. Mich treiben oft gesellschaftliche Themen um, aber auch menschliche Schicksale. Ich wünsche mir, dass ich durch die fantastische Verzerrung Themen behandeln kann, bei denen die Menschen glauben, sie würden nie was damit zu tun haben. Wie es ist zu Fliehen zum Beispiel.

Manchmal will ich aber auch einfach nur unterhalten, weil mir die Idee gefällt. Unterhaltung ist wichtig und hat einen viel zu schlechten Ruf.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der von sich sagt: »Ich wäre auch gerne kreativ, aber ich habe leider nicht genug Fantasie«?
Erstmal fragen, woher die Person diese Meinung hat. Sind das ihre Worte? Sind das alte Glaubenssätze aus der Kindheit? Jeder kann kreativ sein. Als Kinder konnten wir alle spielen, wahrscheinlich weil wir gar nicht darüber nachgedacht haben. Einige Limits setzen wir uns selbst, weil wir dran glauben. Nicht umsonst sagt man „Ich habe mit dem Gedanken gespielt.“ Genau das ist es. Einen Gedanken nehmen und ihn hin und herdrehen.

Wir nominalisieren gerne Dinge und stellen sprachlich wie einen Gegenstand in die Ecke. Die Kreativität, die Kultur, die Fantasie. Diese Dinge kann man nicht nehmen und in eine Tasche packen. Man muss sie mit Leben füllen, mit dem was man tut und wie man es tut. Fantasie ist doch nur das Ergebnis von kreativem Denken und je weiter man sich dabei von dem realen entfernt, desto fantastischer erscheint es einem. Früher waren Drachen keinesfalls fantastisch. Die Menschen haben ja wirklich geglaubt, dass es sie gab. Erzähl mal einem Isländer, dass er viel Fantasie hat, weil er an Feen, Kobolde und Gnome glaubt. Für die Isländer ist das eine Art zu denken – sie bauen sogar Umgehungsstraßen für sie.

Ganz praktisch kann ich sagen: Geh an die frische Luft, lass das Handy Zuhause und denk an deinen Lieblingsfilm und Frage dich, wie es ausgegangen wäre, wenn, als Beispiel, der Held am Ende versagt. Die Ideen kommen von selbst, wenn wir sie nicht dauernd ablenken. Und Kreativität ist vielfältig. Ich kenne wahnsinnig kreative Handwerker, die tolle Ideen haben, wenn der Schrank sich nicht nach dem 08/15 Verfahren installieren lässt. Man kann beim Putzen kreativ sein, wenn das Spüli leer ist oder beim Reifenflicken, wenn man den Fahrradschlauch nicht von der Felge bekommt.

Entscheidungsfragen – verlasse dich auf dein Bauchgefühl!

  • Zukunft oder Vergangenheit? – Zukunft. Wie ein berühmter Physiker mal sagte: Denn in ihr gedenke ich zu leben.
  • Erkenntnis oder Mysterium? Mysterium.
  • Stille oder Trubel? – Früher Trubel, heute eher die Stille. Am besten ist aber etwas Abwechslung.
  • Morgen oder Abend? – Uh.. Ich bin eine natürliche Eule. Die Nacht hat was Magisches. Doch weil ich Schreiben wollte, habe ich irgendwann den Wecker auf 4:30 gestellt. Heute genieße ich den ersten Kaffee, die Stille am Morgen. Ich liebe es, wenn ich morgens zum Meditieren komme, was aber viel zu selten klappt, weil doch früh die elterlichen Pflichten rufen.
  • Utopie oder Dystopie? – Dystopie. Ich mag es düster.
  • Zeit oder Geld? – Zeit und genug Geld, um gut zurecht zu kommen.
  • Chaos oder Ordnung? – Eher Chaos. Aber ich ordne viel, um Herr über mein inneres Chaos zu werden. Es ist für mich schlicht und ergreifend nötig, um zu funktionieren. Es war ein harter Weg, bis ich da stand wo ich heute bin.
  • Routine oder Abenteuer? – Abenteuer
  • Luxus oder Minimalismus? – Das ist das Gleiche. Mit sich im Reinen zu sein durch wenig, ist Luxus. Ich bin allerdings auch Gourmet und mag schöne Dinge und Spielereien, weswegen ich kein guter Minimalist bin.
  • Fiktion oder Realität? – Fiktion, durch Realitäten inspiriert.

Hier findet ihr Bruno:

Webseite: www.augenschelm.de
Twitter: @augenschelm

Vielen Dank für deine Teilnahme und deine Zeit, lieber Bruno! 🙂

~~~
*Flow: Phase, in der man völlig in seiner (kreativen) Tätigkeit versinkt und seine Umgebung nicht/kaum mehr wahrnimmt.

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Ein Kommentar

Verfasst von - September 30, 2017 in Create & Inspire

 

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Eine Antwort zu “Create & Inspire: Bruno E. Thyke

  1. SamiraJessica

    Oktober 2, 2017 at 1:46 pm

    Ein sehr toller Artikel, echt super!
    Das mit den Umgehungsstraßen für Kobolde find ich cool, total witzig!

     

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