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Muss ein Autor liefern?

25 Aug
Muss ein Autor liefern?

VON DER VERPFLICHTUNG GEGENÜBER LESERN

Wer kennt das nicht? Sehnsüchtig wird auf den nächsten Band einer Reihe oder auf das nächste Buch aus der Feder des Lieblingsautors gewartet – meistens kann es gar nicht schnell genug gehen. Da kann man schon mal ungehalten werden, wenn der Autor andere Dinge vorzieht oder – Himmel hilf! – für eine Weile gar nicht schreibt. Nicht wahr?

Zwei Dinge haben mich dazu bewogen, mir Gedanken darüber zu machen, ob wir Autoren eine Verpflichtung gegenüber unseren Lesern haben, ob wir angefangene Buchreihen gezwungenermaßen abschließen oder spätestens alle ein bis zwei Jahre ein neues Buch „raushauen“ müssen: einmal der vor ein paar Tagen erschienene und äußerst lesenswerte Artikel Warum Kreativität Zeit braucht und was Leser und Autoren daraus lernen können von Sonea von Delvon im Schreibmeer, zum anderen der neue Roman von Walter Moes: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr.

Wer diesen Blog schon länger liest, weiß, dass ich leidenschaftlicher Moers-Leser bin. Als ich gestern in der Buchhandlung über den neuen Roman stolperte (eigentlich sollte er erst am 28.8. erscheinen), habe ich ihn gleich mitgenommen und wie einen kostbaren Schatz nach Hause getragen. Natürlich habe ich in den letzten Wochen und Monaten Moers‘ Updates auf seiner Facebookseite verfolgt und mich über die neue Veröffentlichung gefreut, die Veröffentlichung des letzten Zamonien-Romans liegt immerhin schon sechs Jahre zurück. Umso trauriger haben mich einige Kommentare von Lesern gestimmt. Anstatt sich über das neue Buch zu freuen, wird der Autor mit Fragen bombardiert, wann denn nun ENDLICH der dritte Teil der Träumenden Bücher erscheint. Ein Blick auf die Zamonien-Homepage hätte ergeben, dass der Abschluss der Trilogie auf unbestimmte Zeit verschoben ist, Amazon gibt als Lieferdatum Oktober 2024 an.

Ich kann verstehen, dass man als Fan enttäuscht ist, wenn ein Buch angekündigt und dann (mehrfach) verschoben wird. Ja, das ist ärgerlich. Ich möchte Das Schloss der träumenden Bücher auch gerne lesen – natürlich. (Wobei ich auch ganz ehrlich sage, dass ich keine Fortsetzung des ersten Romans gebraucht hätte. Für mich war er so einfach perfekt.) Was ich jedoch nicht verstehen kann, ist, dass man seinem angeblichen Lieblingsautor gegenüber fordernd oder gar ausfällig wird und schreibt, er würde seine treuen Leser abzocken (v. a. in Bezug auf Das Labyrinth der träumenden Bücher. Dieser zweite Teil war – nun ja – als Story nicht wirklich gelungen, auch wenn ich ihn allein aufgrund des tollen Schreibstils gerne gelesen habe). Herrje. Moers hat mehrere geniale Bücher geschrieben und dann regt man sich auf, weil eines dabei ist, das eben nicht so gelungen ist, „droht an“ nie wieder eines seiner Bücher zu lesen oder fragt unter jedem Post, wann denn endlich DAS Buch kommt, auf das man schon so lange wartet?

Diese Erwartungshaltung, die sich da abzeichnet, gefällt mir nicht. Ich kenne eben nicht nur die Leser-, sondern auch die Autorenseite. Klar ist es blöd, wenn ein langersehntes Buch nicht oder erst sehr viel später erscheint. Klar ist aber auch: Kreative Arbeit braucht Zeit. Manchmal hält man eine Geschichte für eine gute Idee, plant und schreibt über mehrere Monate (oder gar Jahre), nur um festzustellen, dass es einem irgendwann keine Freude mehr macht, diese Geschichte zu erzählen. Weil die Idee vielleicht doch nicht so toll war. Oder weil man sich selbst in dieser Zeit so stark weiterentwickelt hat, dass es einfach nicht mehr passt. Natürlich ist das schade, für den Autor vielleicht noch mehr als für den Leser, denn er hat viel Zeit mit der Arbeit an dieser Idee verbracht. Zeit, die ihm wahrscheinlich zunächst einmal verschwendet vorkommt. (Natürlich ist sie das nicht, denn bloß weil ein Manuskript nicht veröffentlicht wird, heißt das ja nicht, dass man in dieser Zeit nichts gelernt/sich nicht weiterentwickelt hätte – aber das ist ein anderes Thema.)

Gerade wenn man an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitet, ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich eines in den Vordergrund drängt und andere hintenanstehen müssen. Auch ein Vollzeitautor hat nur ein begrenztes Zeitkontingent zur Verfügung. Kein Autor ist eine Maschine, die Tag und Nacht durcharbeitet, um den Leser zufriedenzustellen.

So geht es ja nicht nur Moers. Zahlreiche Autoren scheinen sich regelmäßig vor ihren Lesern dafür rechtfertigen zu müssen, dass sie gerade eben NICHT am Manuskript sitzen, sondern etwas anderes machen. Ein weiteres berühmtes Beispiel dürfte George R. R. Martin sein, der mit seinem Lied von Eis und Feuer eine riesige Leserschaft und Fangemeinde hat, die ebenfalls nun schon lange auf einen weiteren der Reihe warten müssen. Selbst die britische Tageszeitung The Guardian titelt: „Let’s just say it: George RR Martin needs to get on with The Winds of Winter“, die Unterzeile lautet „The Game of Thrones author is working on four HBO spin-offs. All very well, but don’t loyal readers deserve to see how the original story ends?“ Der Artikel wird im Verlauf zum Glück ein wenig versöhnlicher. Sicherlich ist es den Lesern gegönnt zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht, aber verdienen sie es? Verdienen, wirklich? Womit wird dieser Anspruch gerechtfertigt? Weil sie die anderen Bücher gelesen haben? Wie kann sich aus einer Aktivität, die man selbst wählt und die man genießt, eine solche Anspruchshaltung einer anderen Person gegenüber entwickeln?

Als Neil Gaiman von einem Leser gefragt wurde, ob Martin nicht eine Verantwortung seinen Lesern gegenüber hätte, antwortete er: „George R. R. Martin is not your bitch“ – was ich sehr erfrischend fand. Er macht in seinem Blogbeitrag deutlich, dass es keinen Vertrag zwischen Autor und Leser gebe, dass ein Leser (nur weil er zehn oder zwanzig Euro in ein Buch investiere) keine Ansprüche auf eine Fortsetzung oder auch nur ein weiteres Buch dieses Autors stellen könne, und nennt eine „simple and unanswerable truth: George R. R. Martin is not working for you“.

Zuallererst arbeitet ein Autor für sich selbst. Natürlich sind die Leser wichtig, doch in erster Linie verbringt man sehr, sehr, sehr viel Zeit allein am Schreibtisch. Sich dann (womöglich neben dem Brotjob und in seiner Freizeit) mit etwas zu beschäftigen, was man selbst gar nicht machen möchte – das kann es nicht sein. Das mag nun nicht sehr wirtschaftlich klingen, denn die meisten Autoren möchten – natürlich – für ihre Arbeit entlohnt werden. Aber wie Gaiman schon sagt: Man wird für die geleistete Arbeit entlohnt und nicht für die noch zu leistende.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich meine nicht die Leser, die ab und an mal freundlich nachfragen, wie die Arbeit am nächsten Roman läuft und wann mit Erscheinen gerechnet werden kann. Das sind wirklich schöne Momente, in denen man seine Arbeit wertgeschätzt sieht, weil jemand das vorige Buch mochte und nun gerne ein weiteres lesen möchte. Es sind eher diejenigen Leser, die – wie Sonea in ihrem Artikel fürs Schreibmeer erläutert – belehrende und (mit Verlaub) unverschämte Kommentare schreiben wie: „Wie, du zockst an der Konsole? In der Zeit hättest du besser schreiben können.“ – „Ja, hätte ich. Habe ich aber nicht, weil … tut mir leid, aber das geht dich einfach nichts an. Du bestimmst nicht darüber, wie ich meine Zeit verbringe.“

Denn solche Kommentare verursachen v. a. eins: ein schlechtes Gewissen. In seinem (sehr empfehlenswerten!) Buch „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ bezeichnet Frank Berzbach das schlechte Gewissen als „Aggressionen, die wir gegen uns selbst richten“. Als jemand, der kreativ arbeitet, hat man oft sowieso schon ein schlechtes Gewissen. Wieder zu wenig geschafft, wieder nicht das Wortziel erreicht, das man sich vorgenommen hatte, wieder zu viel Zeit im Internet verplempert … Wenn dann noch Druck von außen aufgebaut wird, auf eine Tätigkeit, die eigentlich Freude bringen soll, dann ist das nicht nur hinderlich, sondern kann dazu führen, dass man vollends die Lust daran verliert, eine Blockade entwickelt – was für beide Seiten, Leser wie Autor, höchst frustrierend wäre.

Natürlich dürfen wir als Leser einer Veröffentlichung entgegenfiebern, aber wir sollten auch akzeptieren, dass manche Dinge einfach viel Zeit brauchen. Das ist kein Prozess, der irgendwie beschleunigt werden kann. Die Arbeit an einem Buch dauert eben so lange, wie sie dauert.

Wie seht ihr das – als Autor und auch als Leser? Auf welches Buch wartet ihr schon lange – oder auf welches habt ihr lange gewartet?

~~~
Beitragsbild:

Brad Neathery

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26 Kommentare

Verfasst von - August 25, 2017 in Autorenleben

 

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26 Antworten zu “Muss ein Autor liefern?

  1. Ryek Darkener

    August 25, 2017 at 7:49 pm

    Sehe ich ganz genau so. Ich finde es prima, wenn die Leser ihre Lieblingsautoren begleiten, aber das Schreiben eines Buches kann von Faktoren abhängen, die nicht beeinflussbar sind. Ich denke, dass jeder richtige Autor so etwas wie einen Zeitplan hat (im Kopf oder sogar aufgeschrieben), denn das Buch ohne Fertigstellungstermin ist das Buch, das nie fertig wird. Anspruch auf pünktliche Lieferung hat der Leser nur bei regelmäßig erscheinenden Publikationen, z.B. Perry Rhodan. Dort ist der Fertigungsprozess aber auch ein ganz anderer, und auch da ist es nicht trivial, jede Woche die Qualität abzuliefern, die der Leser erwartet.
    BTW: Ich schreibe meine dystopische Saga seit 2012 in einem Zwei-Jahres-Zyklus. Aber das ist ein Plan, den ich einzuhalten versuche, kein Zwang.

     
    • Nina C. Hasse

      August 25, 2017 at 9:26 pm

      Stimme dir absolut zu! Ich gehe auch davon aus, dass die meisten Autoren einen Plan haben. Und das Schöne an Plänen ist ja auch, dass man sie jederzeit wieder über den Haufen werfen kann 😉

       
    • nonesense

      August 28, 2017 at 2:40 am

      Gibt es denn auch unrichtige Autoren? Deadlines mögen für Outliner funktionieren, für Discoverywriter – und gerade G.R.R. Martin gehört zu jenen – kann dies schon aus logischen Gründen nicht funktionieren. 😉
      Ja, es stimmt. Die meisten Autoren sind in der Tat Outliner. Das rechtfertigt jedoch nicht, alle Autoren über einen Kamm zu scheren und zu sagen: Der und der schafft es aber auch! Kunst braucht ihre Zeit und ihre individuelle Entwicklung. Sie kann nur wachsen, wenn alle Bedingungen erfüllt sind und genug Zeit und Raum frei ist, um kreativ zu werden. Manche können private Umstände abfangen und trotzdem wie gewohnt schreiben oder brauchen das sogar. Andere können das nicht, sondern müssen erst privates ordnen, bevor sie wieder Ressourcen zum Schreiben frei haben. So einfach ist das. Wir sind in erster Linie Menschen und erst in zweiter Linie Künstler.

       
      • Nina C. Hasse

        August 28, 2017 at 2:36 pm

        Ich bin sowieso der Meinung, dass es „unrichtige“ Autoren nicht gibt. Wer schreibt, ist Autor, Punkt. Und auch sonst schließe ich mich dir an! 🙂

         
  2. Melanie Lahmer

    August 26, 2017 at 10:04 am

    Schön, dass du das Thema aufbringst!
    Ich habe insbesondere bei SPlerinnen schon mehrmals Klagen über unverschämte Forderungen von Leserinnen gelesen. Freude auf das neue Buch ist schön, das wünscht man sich als Autorin ja auch und es tut auch gut. Dass aber Leserinnen einen Anspruch für sich daraus ableiten, finde ich befremdlich. Und es zeugt auch von ziemlicher Distanzlosigkeit den Autorinnen gegenüber. Aber vielleicht ist das auch einfach nur die Kehrseite der Omnipräsenz im Internet?
    Autoren sind keine Schreib-Maschinen, sondern Menschen mit einem ganz normalen Leben neben dem Schreiben. Wir haben Familien, wir werden krank, wir haben Verpflichtungen, soziale Kontakte und selbstverständlich auch Anrecht auf freie Wochenenden und Urlaub. Ich glaube, das sehen manche Leute gar nicht.

     
    • Nina C. Hasse

      August 26, 2017 at 4:03 pm

      Ja, manche Leser – zum Glück nur sehr wenige – werden echt übergriffig. In dem Fall muss man echt klare Grenzen ziehen – und sich den Schuh nicht noch anziehen. Zum Glück habe ich sowas selbst noch nicht erlebt, aber Beispiele findet man ja zuhauf.

       
  3. Frauke

    August 26, 2017 at 10:26 am

    Liebe Nina,
    Vielen Dank für den tollen Artikel! Ich denke auch, dass man als Leser vielleicht mal nett nachfragen darf, aber keineswegs unverschämt werden.
    Ich wartete lange auf neue Erzählungen von Judith Hermann; fragte hin und wieder im Buchladen nach, ob etwas angekündigt sei. Als Lettipark dann endlich da war, kaufte ich es unterwegs direkt am ersten Tag und inhalierte erstmal schnell. In Ruhe will ich das Buch aber auch noch mal lesen. 🙂
    Lass Dich nicht stressen. Ich hoffe, Deine Leser sind freundlicher.
    Liebe Grüße, Frauke

     
    • Nina C. Hasse

      August 26, 2017 at 4:07 pm

      Liebe Frauke,
      danke für deinen Kommentar! Nett fragen darf man sowieso immer. Ist ja auch ein Zeichen von Interesse. Ich warte auch wirklich gerne auf Bücher. Ich mag die Vorfreude, bin aber auch nur kurz enttäuscht, falls es dann verschoben werden sollte.
      Ich hatte bisher zum Glück nur nette Leser! 😄
      Liebe Grüße!

       
  4. BOB

    August 26, 2017 at 11:36 am

    „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ ist aus meiner Sicht ein furchtbares Buch und erschreckend schluderig geschrieben. Ich war tatsächlich ein wenig von Moers enttäuscht, würde ihn aber nicht mit meinem subjektiven Empfinden belästigen wollen.
    Ich wünsche mir oftmals eher, dass Autoren und Musiker Stärke beweisen und keine Fortsetzungen erschaffen bzw. an der passenden Stelle einen Schlussstrich ziehen.

     
    • Nina C. Hasse

      August 26, 2017 at 4:08 pm

      Furchtbar fand ich es nicht, ich wusste aber auch vorher, worauf ich mich einlasse. Da ist die Erwartungshaltung gleich eine ganz andere.
      Der Fehler war (meiner Ansicht nach) die Leser über das nächste Buch entscheiden zu lassen. Als ich das gelesen habe, dachte ich direkt nur „Oh oh – ob das was wird?“

       
  5. Myriam

    August 26, 2017 at 1:04 pm

    Hallo Nina!
    Wie erfrischend, diese Haltung mal so ehrlich und auf den Punkt gebracht zu sehen. Ich stimme dir zu (und erinnere mich übrigens, mich damals auch so über Gaimans Kommentar gefreut zu haben): Kein Autor steht in der Schuld seiner Leserschaft. Ich kann absolut nachvollziehen, dass die Sehnsucht nach Fortsetzung da manchmal mit den Lesern durchgeht, aber manchmal scheint dabei vergessen zu werden, dass hinter jedem Werk ja ein Mensch steht. Ein Mensch mit Gefühlen, mit Höhen, Tiefen, Wünschen und eben auch Unabhängigkeit.
    Ich denke auch immer: Mir ist lieber, ein Autor wartet auf den für ihn richtigen Zeitpunkt und liefert dann ein großartiges Buch, als er gibt dem Druck von Außen nach obwohl er innerlich gar nicht bereit für die Geschichte ist – denn dann ist die Gefahr doch groß, dass das Buch eben nicht ganz so großartig wird wie es hätte werden können.
    Liebe Grüße,
    Myriam

     
    • Nina C. Hasse

      August 26, 2017 at 5:57 pm

      Hallo Myriam,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube einfach, viele Leser wissen nicht, wie viel Arbeit in einem Buch steckt. Gerade hier in Deutschland ist der Genie-Gedanke ja noch ziemlich verankert. Dass es eben nicht so ist, sich als Autor ab und an mal hinzusetzen, die Geschichte runterzuschreiben & dann direkt zu veröffentlichen, ist vielen einfach nicht bewusst.
      Ich bin auch eher dafür, länger zu warten, Vorfreude ist ja schließlich auch was Schönes! 😊
      Liebe Grüße!

       
      • Myriam

        August 26, 2017 at 7:06 pm

        Ja, das stimmt, vielen ist sicherlich nicht richtig bewusst, wie viel Arbeit es ist, ein Buch zu schreiben. Oder dass das überhaupt eine Arbeit ist (und zwar keine die jeden sofort reich macht :))

         
  6. reisenderbuecherwurm

    August 26, 2017 at 3:09 pm

    Fantastischer Artikel ich sehe das ganz genauso. Von Moers habe ich erst ein Buch gelesen (dem hoffentlich noch weitere folgen werden), aber ich bin seit Jahren ein begeisterter George R.R.Martin Fan. Die ganzen Kommentare von wegen er soll mal hinne machen nerven mich immer wieder. Das hängt zum Teil auch damit zusammen, dass ich in der Vergangenheit negative Erfahrungen mit Autor_innen gemacht habe, die zu schnell zu viele Bücher veröffentlicht haben. Da nahm dann die Qualität ab oder ich hatte das Gefühl Drafts und keine fertigen Bücher zu lesen, es extrem viele Fehler gab. Vermute, dass man möglichst schnell etwas veröffentlichen wollte und dafür den Überarbeitungsprozess stark beschleunigt hat. In solchen Fällen wünschte ich mir die Autor_innen hätten sich mehr Zeit genommen. Natürlich hätte ich auch gerne so schnell wie möglich die Fortsetzung, aber ich warte lieber etwas länger uns bekomme ein gute Buch, als dass man zu schnell arbeitet und Potential vergeudet wird.

    LG
    Elisa

     
    • Nina C. Hasse

      August 26, 2017 at 6:00 pm

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Ja, ich warte auch lieber länger auf ein Buch, an dem dann wirklich sorgfältig gearbeitet wurde. Manche Geschichten brauchen auch einfach sehr viel Zeit zum Reifen. Ein Buch, das nur halb fertig erscheint, ist gewiss ein Ärgernis. Das hat Moers z.B. ja auch deutlich zu spüren bekommen …

      Liebe Grüße! 😊

       
  7. Prinz_Rupi

    August 26, 2017 at 11:26 pm

    Stephen KIng hat seine Leser jahrelang zappeln lassen, bis er endlich die innere Einstellung und Kraft hatte, den letzten Band von »Der dunkle Turm« zu schreiben. Vom ersten bis zum achten Band vergingen mehr als 22 Jahre! – Ja und? – Als Leser bin ich dankbar, dass er es geschafft hat, sein wichtigstes Werk zum Abschluss zu bringen und dass ich so lange durchgehalten habe, es noch lesen zu können. Ein Autor, der hingegen meint, ständig und sofort »liefern« zu müssen, ist ein Narzisst, der kaum wirkliche literarische Leistungen hervorbringen wird.

     
    • Nina C. Hasse

      August 28, 2017 at 2:39 pm

      „Ja und?“ – Genau meine Meinung. Auf das Buch eines meiner Lieblingsautors warte ich gerne, egal, wie lange es dauert.
      Es gibt ja auch Vielschreiber, die dann auf Dauer auch viel liefern können. Jeder so, wie er kann und mag, meiner Meinung nach.

       
  8. Elea Brandt

    September 6, 2017 at 8:34 am

    Ich sehe das wie du, Nina, man sollte sich als Autor nicht unter Druck setzen lassen und seinem eigenen Rhythmus folgen. Manche Autoren schreiben ihre Romane in sehr kurzer Zeit, andere brauchen sehr lang dafür, und weder das eine noch das andere ist richtig oder falsch.

    Das Problem ist sicherlich, dass Leser nicht hinter die Kulissen blicken können. Sie beobachten, dass manche Autoren in sehr kurzen, regelmäßigen Abständen Bücher herausbringen, und denken im Umkehrschluss: Warum können andere das nicht auch?

    Fitzek ist ja z.B. jemand mit einem sehr hohen Output und hat sich mal in einem Facebookpost sehr differenziert dazu geäußert, warum man seine Arbeit nicht mit anderen über einen Kamm scheren sollte: https://www.facebook.com/sebastianfitzek.de/posts/1581831121849692

    Gleichzeitig übersehen viele Leser, dass es Autoren gibt, die schon mit einer sehr großen Backlist in einen Verlag einsteigen und nach und nach die schon geschriebenen Bücher veröffentlichen können.

    In der Videospiel-Branche erlebe ich diese Erwartungshaltung übrigens auch sehr extrem, da wird schon mal Zeter oder Mordio geschrien, wenn sich eine Veröffentlichung verschiebt. Mit dem Resultat, dass viele Hersteller unrealistische Vorgaben zu VÖ-Terminen setzen oder extrem verbugte Spiele rausbringen, um dem Konkurrenzdruck standhalten zu können. Ich finde, wir Autoren sollten uns nicht in eine solche Spirale ziehen lassen, egal, wie schnell wir arbeiten.

     
    • Nina C. Hasse

      September 6, 2017 at 2:14 pm

      Ja, den Post von Fitzek habe ich auch gelesen. Da kommt schon ein wenig das Gefühl auf: Wie du es machst …

      Natürlich möchte man als Autor seine Leser zufriedenstellen und am liebsten so schnell wie möglich hintereinander veröffentlichen, einfach auch, weil es so ein gutes Gefühl ist. Aber wenn man keine Backlist hat und nicht Vollzeit schreiben kann, dann dauert es halt lange. Zum Glück ist es noch nicht am Leser, zu entscheiden, wann ein Buch fert
      ig ist 😉

       
  9. Sarah

    September 6, 2017 at 9:25 am

    Vielen Dank für diesen Artikel 😀 Er ist so wichtig, gerade weil ich durchaus die Erwartung im Nacken kenne auf jeden Fall innerhalb von Jahresfrist das nächste Buch zu veröffentlichen. Und diese Abwägung – darf ich einen denkwürdigen Cliffhanger am Ende einbauen, auch wenn ich weiß, dass es vielleicht länger als ein Jahr dauern wird, bis der zweite Teil kommt? Oder sollte ich ein schwächeres Ende schreiben, damit niemand unnötig leidet?
    Kann ich eine Reihe liegen lassen, um erst einen anderen Roman zu schreiben, den ich auch sehr liebe? Und ich bin weit davon entfernt, eine ähnlich große oder fordernde Leserschaft zu haben wie Martin.
    Trotzdem ist dieser Gedanke da, niemanden enttäuschen zu wollen, und natürlich auch den Buchmarkt zu bedienen. Aber die simple Wahrheit ist, dass ich am besten schreibe, wenn ich es für mich selbst und für die Geschichte tue. Das mag egoistisch klingen, aber alles andere führt nur dazu, das man sich zwischen unzähligen Meinungen zerreißt. Oder vergisst, dass es für den Leser im besten Fall um eine Leidenschaft für Bücher geht, für den Autoren aber um sein eigenes Leben. Dazwischen sollte es die so gerne beworbene Balance geben. 😀

     
    • Nina C. Hasse

      September 6, 2017 at 2:16 pm

      Hallo Sarah, danke dir für deinen Kommentar! Ja, auch als Autor möchte man es gerne allen recht machen. Aber das funktioniert sowieso nicht, macht höchstens unglücklich und führt im schlimmsten Fall zu einer Blockade.
      Von daher finde ich deine „simple Wahrheit“ überhauüt nicht egoistisch, sondern genau richtig. Es ist DEIN Manuskript, DEINE Geschichte und letztendlich auch DEINE Zeit – nicht die des Lesers. 🙂

       
  10. T.V. Ahrens (@SchreibDichThot)

    September 6, 2017 at 9:26 am

    Sehr, sehr guter Artikel! So ganz allmählich komme ich auch in diese Situation, weil die Veröffentlichung meines Erstlings (Teil 1 einer Fantasy-Reihe) nun schon fast 1 Jahr zurückliegt. Allerdings hatte der über 500 Seiten und der Folgeband wird nicht gerade schmaler. Wenn man dann noch bedenkt, dass mich seit Anfang August ein Nebenprojekt voll und ganz in seinen Krallen hält, dann kommen jetzt schon allmählich Kommentare auf Facebook und so. Aber von der ganz lieben Sorte, zum Glück!!!!!
    Trotzdem war dieser Beitrag wie Balsam für mich, weil auch an mir natürlich das schlechte Gewissen nagt, neben Teilzeit-Job, Haus und Kleinkind „nicht genug“ an meinem Drachenkind gearbeitet zu haben.
    Aber: Wenn meine Figuren gerade nichts erzählen, dann erzählen sie nichts, da kann ich mich auf den Kopf stellen! Ich bin nämlich kein Plotter, ich bin Kreativling. Ich habe einen ganz ganz groben Plan, wo die Reise hingeht, den Rest mache. nicht. ich. Ich werde nur als erste informiert, wie der Hase läuft, sagen wir mal so. 0o Und ja, das funktioniert bestens. Das funktioniert besser, als ich jemals hätte plotten können.
    Und jetzt muss ich unbedingt mal dem Link zu Neil Gaiman folgen und seinen Artikel lesen *hihi**händereib*
    Weiter so, liebe Nina!

     
    • Nina C. Hasse

      September 6, 2017 at 2:20 pm

      Danke dir für deinen Kommentar! 🙂 Ja, das schlechte Gewissen nagt ja sowieso immer schon an einem, auch und gerade, wenn man ein Nebenprojekt dem Hauptprojekt vorzieht … Deshalb sollten wir vielleicht ein wenig nachsichtiger mit uns und unserer Kunst sein und uns keine Vorwürfe machen, wenn es mal nicht so läuft. Irgendwann klappt es dann wieder.

      Den Artikel von Gaiman kann ich nur empfehlen – der ist tol! 😀

       
  11. Claudia Klaedtke

    September 7, 2017 at 11:43 pm

    Aus Lesersicht: Lieber warte ich auf eine gute Fortsetzung oder lebe damit, dass es keine gibt, als dass ich eine lese, bei der man deutlich merkt, dass der Autor eigentlich nicht in der kreativen Stimmung für dieses Werk war und es auf Druck rausgehauen hat. Ich denke nämlich, das merkt man einem Buch in den meisten Fällen an.
    Allerdings gestehe ich, dass ich ein wenig ungeduldig bin, wenn ein Buch mit einem Cliffhanger endet und es dann einfach nicht weitergeht. Daher mache ich mich bei Reihen erst einmal schlau, ob die Bücher dennoch einen Abschluss haben und für sich stehen können. Wenn ja fange ich an, wenn nein warte ich lieber, bis auch das Ende erschienen ist, denn ich höre ungern mitten in einer Geschichte auf zu lesen.
    Letztendlich kann man es als Autor dann fast nur „falsch“ machen – liefert man nicht, sind die Leser deshalb sauer, zwingt man sich, obwohl man vielleicht gerade mental nicht bei der Geschichte mitschwingt, wird es nicht so gut wie es sein könnte, wenn man sich Zeit gelassen hat, und die entsprechenden Leserkritiken über das „unausgegorene“ Werk sind vorprogrammiert.
    Ich selbst bin da geduldig und denke mir, dass ich keinen Anspruch auf die Lieferung einer Fortsetzung habe. Es ist schade, wenn keine kommt, obwohl ich gerne weiterlesen würde, aber jeder Autor entscheidet selbst woran er schreibt oder nicht schreibt, ich kenne die Umstände nicht und fände es anmaßend, darüber zu urteilen. Außerdem kenne ich es von mir selbst, dass manchmal bei einer bestimmten Geschichte die Luft raus ist und ich erst einmal etwas völlig anderes machen muss, ehe ich daran weiterarbeiten kann. Okay, ich bin auch nur Hobby-Autorin, aber der kreative Prozess ist ja trotzdem nicht grundlegend anders.
    Liebe Grüße
    Claudia

     
    • Nina C. Hasse

      September 9, 2017 at 1:10 am

      Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Claudia! Ich stimme dir absolut zu. Ich warte auch lieber länger auf eine gute Fortsetzung. Cliffhanger finde ich am Ende von Büchern grundsätzlich recht lästig. Meistens ärgern sie mich so sehr (v.a. wenn ich nicht wusste, dass die Geschichte nicht abgeschlossen ist), dass ich keine Lust mehr habe, den Folgeband zu lesen. Aber das ist wohl einfach Geschmackssache.
      Liebe Grüße!

      P.S.: „Nur“ Hobby-Autoren gibt es nicht. Wer schreibt, ist Autor 🙂

       
      • Claudia Klaedtke

        September 17, 2017 at 4:14 pm

        Liebe Nina,

        ich bezeichne es als Hobby, da ich momentan noch kein Geld damit verdiene und es auch noch (!) nicht vorhabe, sondern mein erstes Werk kostenlos veröffentliche, daher die Unterscheidung zu Autoren, die ihre Bücher auf dem Buchmarkt anbieten :-).

        Liebe Grüße

        Claudia

         

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