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Projekt: Minimalismus

21 Aug
Projekt: Minimalismus

Abseits von meinen Schreibarbeiten heißt mein großes Projekt für den Rest des Jahres: Ausmisten. Ich beschäftige mich nun schon seit mehreren Jahren mit dem Thema Achtsamkeit. Achtsamkeit und Minimalismus sind eng miteinander verbunden, so dass dies nur der nächste, logische  Schritt ist.

Ich hatte schon häufiger das Bedürfnis, den ganzen Krempel loszuwerden, der sich über die Jahre so ansammelt – interessanterweise meist in Krisensituationen, z. B. nach meiner Krebsdiagnose oder dem plötzlichen Tod meines Vaters. Lange hatte ich nicht die Energie, mich dazu aufzuraffen, doch das Thema hat mich nicht losgelassen, ist mir in Büchern, Artikel und motivierenden Bildern immer und immer wieder begegnet. Ich brauchte diese Zeit, um mir über einige Dinge klarzuwerden, zu verstehen, dass ich zwar viele Dinge habe, aber eigentlich nicht brauche. Nun gehe ich es endlich an.

Dank meiner siebenmonatigen Weltreise 2010/11 weiß ich, wie es ist, mit wenig auszukommen. Alles, was ich damals mitnahm, passte in einen 90L-Rucksack. Mittlerweile kommt mir das viel vor. Und auch die regelmäßigen vier- bis sechswöchigen Touren im VW-Bus meines Freundes haben mich gelehrt, dass ich nicht allzu viel brauche. Von Jahr zu Jahr wurde mein Gepäck immer leichter (und ich hoffe, dass ich es künftig noch weiter reduzieren kann. Es gibt fast nichts, was mich so sehr nervt, wie Schlepperei von Dingen und Klamotten), nur in der Wohnung stapelt sich noch das Zeug. Wenn ich an einen Umzug denke (nicht, dass in nächster Zeit einer anstehen würde, aber dennoch), graut mir vor der ganzen Packerei, dem Geschleppe der ganzen Kartons und Möbel. Ich will das nicht.

Nachdem ich einige motivierende Artikel gelesen hatte, habe ich einfach angefangen, und zwar mit dem Bereich der Wohnung, in dem es mir am leichtesten fällt, Dinge auszusortieren: mein Kleiderschrank. Ich habe schon seit Monaten keine neuen Klamotten mehr gekauft (außer neues Sportzeug, aber das war bitternötig). Jedenfalls hatte ich hatte morgens nach dem Aufstehen schon keine Lust mehr, meinen Schrank zu öffnen und minutenlang in das Chaos zu starren, ohne etwas zu finden. Letztendlich ziehe ich eh immer wieder die gleichen Kleidungsstücke an, bestimmt 80% meiner Klamotten waren ungenutzt.

So wundervoll ich eine Capsule Wardrobe (also einen minimalistischen Kleiderschrank) auch finde – so ganz bereit dafür fühle ich mich noch nicht. Aber das macht nichts, vielleicht irgendwann, vielleicht auch nie. Für diese erste Aufgabe hatte ich mir zwei Ziele gesetzt:

  1. Ich möchte nur noch Kleidungsstücke in meinem Schrank haben, die ich wirklich gerne anziehe.
  2. Ich möchte meine Garderobe zunächst auf maximal zehn Exemplare pro Kleidungsstück beschränken.

Gesagt, getan. Erstmal alles raus aus dem Schrank – der Schlafzimmerboden war zeitweise nicht mehr sichtbar. Ernsthaft, wer braucht so viel Zeug? Dann habe ich jedes Stück einzeln zur Hand genommen, betrachtet und überlegt: Ziehe ich es gerne an? Macht es mich glücklich? Hatte ich es im letzten Jahr überhaupt einmal an? Nur bei wenigen Kleidungsstücken fiel mir die Beantwortung dieser Frage schwer.

Letztendlich habe ich es geschafft, bei den meisten Kleidungsstücken unterhalb der zehn Teile zu bleiben – auch wenn es vielleicht ein wenig gemogelt ist, da ich zwischen „normalen“ Pullovern und dicken Strickpullis nochmal unterschieden habe. Dafür ist meine Wintergarderobe komplett aus meinem Kleiderschrank verbannt worden und befindet sich nun sicher verpackt in einem Kleidersack im Bettkasten. Noch ist ja schließlich Sommer – zumindest angeblich.

Nur bei den T-Shirts bin ich „gescheitert“, davon besitze ich nun immer noch fünfzehn Stück. Aber das ist okay, ich mag mich auch nicht zu irgendetwas zwingen. Vielleicht reduziere ich die Anzahl nochmal, vielleicht auch nicht – mal sehen.

Gestern habe ich mir dann meine Bücher vorgenommen und bin letztendlich auf knapp fünfzig aussortierte Exemplare gekommen. Ich habe nun wieder ein wenig Platz im (kleinen) Bücherregal. Mittlerweile kaufe ich mir aber eh nur noch „besondere“ Bücher als Papierexemplar, wie z. B. einige Comics oder Graphic Novels, Bildbände oder Exemplare mit besonderer Haptik, meistens eher Sachbücher, mit denen ich arbeite. Die meisten Romane lese ich auf dem Kindle, das ist praktischer. Ende August erscheint der neue Zamonien-Roman von Walter Moers, den werde ich mir dann wieder in gedruckter Form gönnen.

Wobei ich mich wirklich schwertue, sind meine (Hand-)Taschen. Auch hier habe ich das Ziel, sie auf zehn zu reduzieren, habe aber die Befürchtung, dass ich damit nicht hinkommen werde. Fragt mich nicht, wieso – ich habe keine Ahnung.

Als nächstes steht mein Schreibtisch an, den ich aber sowieso schon in regelmäßigen Abständen entrümpelt habe, von daher dürfte das einigermaßen zügig gehen. Dann das Bad – da kann ich im Grunde all das, was sich im Badezimmerschrank befindet einfach wegschmeißen. Wenn überhaut benutzte ich nur zu besonderen Anlässen noch einen Eyeliner und -shadow, eine Wimperntusche und eine Feuchtigkeitscreme. Das war’s auch schon. Worauf ich so gar keine Lust habe, ist die Küche. Ich bin überhaupt kein Küchenmensch, koche total ungern, somit ist das eigentlich eher das Reich meines Freundes. Dann noch der Schrank im Flur und die Vitrine im Wohnzimmer – und das war’s.

Ich wünsche mir eine Wohnung, die mit wenigen Handgriffen aufgeräumt ist, bei der ich nicht ständig alles hin und her schieben muss, wenn ich staubwischen, saugen oder putzen will.

Und auch digital nimmt der Minimalismus mittlerweile Gestalt an: Ich habe meine Pinterest-Boards aufgeräumt und mit einheitlichen Titelbildern versehen und hier auf dem Blog sämtliche Banner entfernt, die mir einfach zu chaotisch aussahen. Demnächst nehme ich mir mein Mailprogramm vor und bestelle alle Newsletter und Werbemails ab, die ich nicht (mehr) lese.

Von wirklichem Minimalismus bin ich immer noch weit entfernt. Mein Ziel ist es auch nicht unbedingt, irgendwann mit nur noch maximal einhundert Gegenständen oder so auszukommen. Aber ich habe das Gefühl, es ist an der Zeit, einige Dinge loszulassen, Ballast abzuwerfen, eine klare Linie in mein räumliches Umfeld zu bringen, mich möglichst nur noch mit Dingen zu umgeben, die mir etwas bedeuten oder die ein gutes Gefühl in mir auslösen. Und abgesehen davon macht es auch einfach Spaß, einen Schrank zu öffnen, in dem wirklich Ordnung und Übersichtlichkeit herrscht 😉

Habt ihr euch schon einmal mit dem Thema Minimalismus auseinandergesetzt? Entrümpelt ihr regelmäßig? Oder haltet ihr davon gar nichts?

~~~
Beitragsbild:
Kari Shea

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8 Kommentare

Verfasst von - August 21, 2017 in Achtsamkeit & Minimalismus

 

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8 Antworten zu “Projekt: Minimalismus

  1. minimalismus

    August 21, 2017 at 6:20 pm

    Ich muss für mich feststellen, dass ich das meiste geschafft habe, morgen bringe ich noch eine Ladung zur Spende und dann werde ich weiterhin jeden Tag ein teil spenden.Wobei ich langsam an meine Grenzen stoße.Aber das ist sehr gut so. Es ist ja eh ein fortlaufender Prozess. Dir weiterhin viel Erfolg 🙂

     
    • Nina C. Hasse

      August 21, 2017 at 9:35 pm

      Vielen Dank! Das klingt auch nach einer schönen Idee, jeden Tag ein Teil zu spenden. Ich versuche auch, nicht zu viel auf einmal zu machen, um mich nicht zu überfordern und dann irgendwann keine Lust mehr zu haben. Es eilt ja nicht, sondern ist eher als langfristiges Projekt gedacht. Dir auch weiterhin gutes Gelingen! 😊

       
  2. Sandra Matteotti

    August 22, 2017 at 12:53 pm

    ich habe wohl schlicht viel weniger, nämlich keine 10 Handtaschen insgesamt, auch sonst Kleider oder Schuhe… Was ich wirklich viel habe, sind Bücher. Da weiss ich schlicht nicht, was machen – ab und an denke ich auch, einige könnten gehen… aber ich habe das mal gemacht und dann neu gekauft. Auch nicht sinnvoll….

    Aber ich entsorge doch auch immer mal wieder und finde das sehr befreiend.

     
    • Nina C. Hasse

      August 22, 2017 at 2:25 pm

      Ich finde auch nicht, das man unbedingt von allem wenig haben muss. Meine große Leidenschaft sind ebenfalls Bücher, v.a. viele Sachbücher, die ich habe, würde ich nie weggeben, weil ich immer wieder aus Interesse oder Recherchegründen reinschaue. Mir ist v.a. wichtig, achtsam mit meiner Umgebung und meinem Konsumverhalten umzugehen und Ballast loszuwerden.

       
  3. Frau Traumenit

    August 22, 2017 at 6:26 pm

    Uh, ich bin gerade auch an dem Thema dran und fand daher deinen beitrag sehr gut. Deine Methode klingt ein wenig da „magic cleaning“, was ich derzeit halbherzig lese. Ich habe keine Probleme mit Ausmisten, weil ich schon oft umgezogen bin. Wie du richtig bemerkst, denkt man dann zehnmal nach, was man immer wieder ein- und auspacken will. Durch Campingerfahrung denke ich inzwischen auch: „Eine Tasse reicht auch irgendwie“, wobei ich jetzt aber nciht die Tassen, die ich habe, entsorgen werde.

    Minimalismus hat ja auch etwas mit Verzicht, Konsum und Nachhaltigkeit zu tun. Es ist ja irgendwie die Frage „Was brauche ich wirklich?“

     
    • Nina C. Hasse

      August 23, 2017 at 1:28 pm

      Finde es immer wieder schön zu hören, wenn Leute sich mit dem gleichen Thema beschäftigen. Es ist toll, Gleichgesinnte zu finden.

      Von „Magic Cleaning“ habe ich auch schon einiges gehört, hatte es auch schon ein paar Mal in der Hand und habe durchgeblättert, ich konnte mich aber nie zum Kauf durchringen. Ich habe nicht das Gefühl, eine „Anleitung“ zu brauchen, allein der Gedanke „Löst dieser gegenstand positive gefühle in mir aus“, hat mir persönlich ausgereicht.

      Genau darum geht es mir beim Minimalismus u. a. auch: um bewusstes Konsumieren. Ich kaufe „gerne“, aber dann sollen es auch Sachen sein, die ich schön finde oder gebrauchen kann. Und nicht “ kaufen, um des Kaufens willen“.

       
  4. Mrs. Millionbells

    August 27, 2017 at 5:08 pm

    Ich bin auch immer wieder an dem Thema „Ausmisten / Minimalisieren“ dran. Von Kleidung konnte ich mich bisher leicht trennen. Einmal im Jahr gehe ich meinen Kleiderschrank durch und gebe die Klamotten zur Kleiderspende. Was mir nach wie vor große Probleme bereitet, das sind Andenken z.B. aus Urlauben oder Geschenke von Familie und Freunden. Da bringe ich es einfach (noch) nicht übers Herz, diese wegzugeben. Der Mini-Eifelturm, den mir mein Mann in Paris gekauft hat – wenn ich den Turm auf meinem Schreibtisch sehe, muss ich immer wieder an diesen wunderbaren Urlaub denken. Oder den Holzvogel, den mir meine Mama als Glücksbringer für den neuen Job geschenkt hat – ich brauche ihn definitiv nicht, aber er ist halt von meiner Mama. Doch reicht dies schon als Rechtfertigung, es aufzuheben? Da hadere ich auch noch sehr mit mir, weil es über die Jahre ja nicht weniger wird, was sich so ansammelt und habe noch keine Lösung für mich gefunden.
    Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es Dir mit Deinen Handtaschen ergeht!

     
    • Nina C. Hasse

      August 28, 2017 at 2:45 pm

      Es geht ja nicht unbedingt darum, so viel Zeug wie möglich loszuwerden, sondern v.a. darum, sich mit Dingen zu umgeben, die einen glücklich machen. Wenn der kleine Eiffelturm dir jedes Mal, wenn du ihn ansiehst, ein gutes Gefühl gibt, dann ist das ein absolut guter Grund, ihn zu behalten!
      Ja, gerade Urlaubsmitbringsel und Geschenke finde ich auch immer schwierig. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, im Urlaub kaum noch was zu kaufen, nur wenn ich es wirklich, wirklich, wirklich haben will. Und bei den Geschenken werde ich entweder Wünsche äußern oder darum bitten, mir keinen Krimskrams zu schenken, sondern eher gemeinsame Unternehmungen o. ä..
      Um meine Handtaschen habe ich mich bisher erfolgreich gedrückt, weil es genug anderes zu tun gab 🙈 Aber bald muss ich es angehen …

       

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