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Sketchnotes für Autoren

15 Aug
Sketchnotes für Autoren

Ich hatte vor ein paar Tagen ein Bild auf Twitter gepostet, auf dem ich mit Sketchnotes plotte. Auf den Beitrag folgten mehrere Reaktionen mit Nachfragen, wie sowas überhaupt geht, so dass ich versprochen habe, einen Artikel zu dem Thema zu schreiben. So, here we go:

Was sind eigentlich Sketchnotes?

Die Bezeichnung ›Sketchnotes‹ stammt von Mike Rohe und setzt sich aus den Wörtern Sketch (zu Deutsch: Skizze) und Note (Notiz) zusammen. Skizzierte bzw. visuelle Notizen also. (Mehr dazu in meiner Rezension zu Mike Rohdes ›Sketchnote Handbuch‹.) Diese können für jeden erdenklichen Zweck genutzt werden: Einkaufszettel, Vortragsnotizen, Brainstorming, Recherchezusammenfassung und eben auch fürs Plotten – ganz unabhängig davon, welche Plotmethode ihr nutzt. Ihr könnt die Drei-Akt-Struktur, das Sieben- oder Acht-Punkte-System oder auch die Heldenreise grafisch darstellen und habt den Vorteil, dass ihr euren Plot auf einen Blick einsehen könnt und euch nicht durch seitenlange Notizen wühlen müsst.

Von der Prämisse bis hin zur Entwicklung der Figuren innerhalb der Handlung, sämtliche Subplots und Themen, wichtige Orte oder Gegenstände – eurer Fantasie und eurer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Ihr müsst dafür auch nicht zeichnen können! Niemand verlangt von euch ein Kunstwerk, das der Öffentlichkeit präsentiert werden soll – ganz im Gegenteil. Hauptsache, ihr erkennt das Symbol, das ihr gewählt habt, und wofür es steht.

Material

Welches Papier und welche Stifte ihr bevorzugt, hängt natürlich ebenfalls ganz persönlich von euch ab. Ich nutze einen A4-Zeichenblock aus dem Künstlerbedarf mit dickem Papier. Bei kleineren Formaten habe ich Schwierigkeiten, möglichst alles auf eine Seite zu bekommen. Bei den Stiften schwöre ich auf die PITT Artist Pens von Faber-Castell B. Meistens nutze ich drei Farben: einen schwarzen Stift in F zum Schreiben und Konturenzeichnen, einen pink-roten in B für Hervorhebungen und einen grauen, ebenfalls in Stärke B, für Schattierungen.

Wer Wert darauf legt, seine Sketchnotes nicht nur analog, sondern auch digital zu sichern, kann auf mehrere Wege zurückgreifen: Natürlich kann man sie ganz simpel abfotografieren, so wie ich es für diesen Artikel gemacht habe. Es gibt auch Scanner-Apps, z.B. CamScanner (mit dieser ist auch das PDF weiter unten erstellt), die ganz ordentliche Qualität liefern. Vor einiger Zeit hat Leuchtturm1917 mit der ›Whiteline Link‹-Reihe ein Notizbuch extra zur Digitalisierung handschriftlicher Notizen herausgebracht. Ich selber habe damit noch keine Erfahrung gemacht, habe aber bislang ausschließlich Gutes darüber gehört. Probiere einfach aus, welches Material dir am meisten zusagt. Doch nicht nur beim Material auch in der Ausführung hat jeder seinen eigenen Vorlieben und seinen eigenen Stil.

Kombination aus Text und Bild

Recherche • Modern New York_1

Bild 2 – Modern New York

Ich gebe es zu: Meine Sketchnotes sind SEHR textlastig, ich nutze nur wenige grafische Elemente, meistens eher Rahmen und Pfeile. Das mag zum einen eine Autorenkrankheit sein, nicht wirklich auf Text verzichten zu wollen, zum anderen ist es aber so, dass diese Art und Weise für mich am besten funktioniert. Das ist ja gerade das Schöne an Sketchnotes: Regeln, an die man sich halten muss, gibt es nicht. Manche fertigen großartige Sketchnotes-Kunstwerke an, die fast ausschließlich aus Zeichnungen bestehen, andere setzen eher auf wenige grafische Hervorhebungen. Beides und jede erdenkliche Mischform daraus ist völlig okay. Gut ist das, was für dich funktioniert. Niemand anders muss es toll finden, niemand anders muss es überhaupt je zu sehen bekommen.

Meine Rechercheergebnisse – zumindest die für die Story relevanten – stelle ich mit Sketchnotes dar. Ich habe mich an einer überwiegend Darstellungsweise probiert (–> siehe Bild 2 ›Modern New York‹), muss aber sagen, dass ich anhand dieser Skizzen nicht das Wissen reproduzieren kann, dass ich kurz nach der Aufzeichnung im Kopf hatte. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, mehr Text zu integrieren (–> siehe Bild 3 ›Wendigo‹) und Informationen so knapp und gebündelt wie möglich dort zu notieren.

Recherche • Wendigo_1

Bild 3 – Wendigo

Plotten mit Sketchnotes

Durch die grafische Darstellungen könnt ihr Verbindungen, Folgerungen, Konsequenzen der Handlungen von Figuren, Spannungsbogen, Entwicklungen und Figurenkonstellationen sehr viel schneller aufzeichnen und immer wieder abrufen als wenn ihr das alles in einem Fließtext notiert. Das ist v. a. dann hilfreich, wenn ihr längere Zeit nicht am Text schreiben könntet und euch schnell wieder einarbeiten wollt. Ich mache meistens eine Seite als Überblick über die wichtigsten Themen, Figuren und (Sub-)Plots des Romans (–> siehe Bild 4/PDF). Weiterhin folgt eine Seite mit den Konstellationen, Verbindungen und Zielen der einzelnen Figuren und diverse Seiten mit Recherche. In meine Sketchnotes packe ich nur Dinge, die (während der Planungsphase) feststehen. Ideen sammle ich andernorts, entweder im Notizbuch zum aktuellen Projekt oder auch mithilde von Mindmaps oder Bainstorming. Ich möchte, dass meine Sketchnotes eine Art roter Faden oder Wegweiser durch die Geschichte sind, auf den ich immer wieder zurückkommen kann, wenn ich mich beim Schreiben verirrt habe. Eine Ideensammlung mithilfe von Sketchnotes ist aber natürlich ebenfalls möglich.

Ich würde euch wahnsinnig gerne meine Sketchnotes zum 2. Teil der Floodlands-Reihe zeigen, allerdings sind diese ein einziger Spoiler, weil ich den Plot dort wirklich aufs Minimum runterbreche und Mörder, Motiv und Symbolik eindeutig benenne. Dementsprechend habe ich eine Rohplot-Sketchnote angefertigt (–> siehe Bild 4), die ihr hier als PDF herunterladen könnt. Vielleicht ist sie dem ein oder anderen hilfreich. Als Beispiel-Plotsystem habe ich das Acht-Punkte-System aus Cathy Yardleys Buch ›Rock your Plot‹ (–> Rezension) genommen, da ich es am häufigsten nutze. Jedes andere ist natürlich ebenso gut möglich.

Plotten mit Sketchnotes_1

Bild 4 – Plotten mit Sketchnotes

Das Schöne an Sketchnotes ist für mich die Verbindung von Informationen mit grafischen Elementen. Ich bin ein sehr visueller Mensch und allein die Überlegungen, die ich anstellen musste, wie ich den Plot auf einem DinA4-Papier mithilfe grafischer Mittel darstelle, hat Verknüpfungen hergestellt, auf die ich nie gekommen wäre, wenn ich nur mit Notizen gearbeitet hätte. Innerhalb von nur zwei Stunden sind zahlreiche Puzzleteile, an denen mir ich zuvor wochenlang die Zähne ausgebissen habe, an ihren Platz gefallen. Floodlands 2 hat nun eine Prämisse, die Symbolik hat wesentlich an Tiefe gewonnen. Ich kann euch nur empfehlen: Probiert das Arbeiten mit Sketchnotes aus! Es lohnt sich.

Wie ist das bei euch? Nutzt ihr Sketchnotes auch für eure Arbeit als Autor? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

Weiterführende Links zu Sketchnotes:

Beitragsbild:
Jan Kahánek

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24 Kommentare

Verfasst von - August 15, 2017 in Plot

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

24 Antworten zu “Sketchnotes für Autoren

  1. Bianca Fuchs

    August 15, 2017 at 7:30 am

    Hat dies auf rebloggt.

     
  2. Kevin Fiedler

    August 15, 2017 at 8:10 am

    Hallo! Das ist ja mal ein toller Artikel! Ich nutze Sketchnotes, um mir Notizen in Büchern, die ich gelesen habe zu machen. Sie für’s Plotten zu verwenden ist eine tolle Idee. Das werde ich mal ausprobieren. Danke! LG, Kevin

     
    • Nina C. Hasse

      August 15, 2017 at 12:40 pm

      Hallo, vielen Dank für die netten Worte! 🙂 Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren!

       
  3. allimo93

    August 15, 2017 at 1:53 pm

    Total interessant diese Methode kannte ich noch gar nicht! Ich bin grauenvoll im zeichnen selbst von den kleinen Dingen, aber es sieht auf alle fälle sehr übersichtlich und cool grafisch aus, ich werde mich damit mal näher beschäftigen:) liebe grüße. Nadine

     
    • Nina C. Hasse

      August 15, 2017 at 1:58 pm

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Es lohnt sich auf jeden Fall, das mal auszuprobieren. Und zeichnen können muss man dafür überhaupt nicht. Aber je mehr man mit Sketchnotes arbeitet, desto besser wird man auch. Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren!

       
      • allimo93

        August 15, 2017 at 2:06 pm

        Nstürlich gerne! Danke dir! Ja naja das was du da gemacht hast sah schon cool aus 😀 aber danke durch du machst mir Mut!

         
      • Nina C. Hasse

        August 15, 2017 at 3:18 pm

        Ach, das kriegst du auch hin. Ist gar nicht schwierig. Nur Mut! 🙂

         
  4. Ryek Darkener

    August 15, 2017 at 3:07 pm

    Interessanter Ansatz. Bei mir würde es daran scheitern, dass ich nach einer Woche mein Geschreibsel nicht mehr lesen kann. 😉 Ab und zu skizziere ich auch entweder technische Ideen oder inhaltliche Zusammenhänge, die dann aber sehr schnell in Mind-Maps oder dem Zubehör der Schreibprogramme landen.

     
    • Nina C. Hasse

      August 15, 2017 at 3:18 pm

      Ich lasse mir Zeit beim Schreiben, überlege genau, was ich aufschreibe. Mit Druckschrift und Großbuchstaben geht das dann ganz gut. Aber dieses System muss auch nicht für jeden funktionieren. Gibt ja genug Autoren, die Rechercheergebnisse oder Plot eben digital im Schreibprogramm haben – was ja durchaus auch Vorteile hat
      .

       
  5. Ryek Darkener

    August 15, 2017 at 3:09 pm

    Hat dies auf Ryek Darkeners Blog rebloggt und kommentierte:
    Sehr interessante Idee für Plotten und Skizzieren.

     
  6. chickinwhite

    August 15, 2017 at 5:44 pm

    Sehr cool! Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, obwohl ein Kollege intensivst damit arbeitet. Aber für Autoren?
    Ich werd’s ausprobieren!
    Danke für den Tipp.
    Wenn es dir recht ist, verlinke ich dazu…
    😉

     
    • Nina C. Hasse

      August 15, 2017 at 7:42 pm

      Klar, sehr gerne! Wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren! 😊

       
  7. chickinwhite

    August 15, 2017 at 5:46 pm

    Hat dies auf chickinwhite rebloggt und kommentierte:
    Sketchnotes für Autoren – eine wirklich coole Idee, von der ich mir gut vorstellen kann, dass sie im Kopf ganz neue Türen öffnet. Super vorgestellt von der lieben Kollegin Nina Hasse.

    Schaut’s euch mal an!
    🙂

     
  8. Lars Wicher

    August 15, 2017 at 9:01 pm

    Hallo Nina,

    Ich höre in deinem Artikel zum ersten Mal von der Methode und werde sie bei einem geplanten kleineren Projekt einmal ausprobieren.

     
    • Nina C. Hasse

      August 15, 2017 at 8:07 pm

      Prima, das freut mich! Wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren! 😊

       
  9. B.E. Thyke

    August 16, 2017 at 9:26 am

    Danke für den schönen Artikel. Ich bin fasziniert von Sketch Notes. Erstmal sehen sie immer total toll aus, man sieht sich die Ergebnisse gerne an. Da hört es bei mir aber auch schon auf. Bei dem vielen rummalen, ausmalen und verknüpfen sitze ich zu lange an einer Idee, während die anderen Dinge schon durch meinen Kopf rasseln. Daher sind meine Sketch-Notes immer nur Kästen und Pfeile, die wild durcheinander gehen.

    Bislang habe ich immer eher chronologisch geplottet, binaber bei meinem neuen Projekt (neues Genre, alles neu) dazu übergegangen, mit „Denkzetteln“ zu arbeiten und die Gedanken erst im Nachhinein zu verknüpfen. Mal gucken wie das klappt.

    Sketch Notes eignen sich dafür toll fürs bloggen. Macht richtig neugierig, was du da gemacht hast, lässt sich gut zeigen und ich fange auch scho an, mich zu fragen, was du da am Ende draus machst 🙂

    Liebe Grüße

     
    • Nina C. Hasse

      August 16, 2017 at 12:24 pm

      Danke für deinen Kommentar, lieber Bruno! 🙂 Bei Sketchnotes geht es ja gerade nicht ums Rummalen und Ausmalen, sondern darum mit wenigen Strichen Zusammenhänge und Informationen zu verknüpfen, was mit ein wenig Übung schneller geht, als wenn man alles „normal“ aufschreibt. Ich nutze sie auch definitiv nicht als Kreativitätstechnik, wenn ich noch dabei bin, Ideen zu sammeln, sondern als „1-Blick-Plot“, auf den ich immer wieder zugreifen kann, wenn ich beim Schreiben den Faden verliere. Ideen, die mir während der Sketchnote-Session kommen, werden ganz normal im Notizbuch notiert. Bei Kreativitätstechniken setze ich eher auf Mindmaps und die AIM-Technik.

      Deine „Denkzettel“-Methode klingt auch interessant. Machst du das mit einzelnen Szenen oder Plotpunkten und sortierst sie so lange um, bis es ein rundes Bild ergibt?

      Viele liebe Grüße!

       
      • B.E. Thyke

        August 16, 2017 at 12:57 pm

        Ah, okay. Das ergibt auch mehr Sinn. So eine Übersicht ist gut, da reicht mir aber bislang noch meine Schreibsoftware. Ich werde die Sketchnotes aber mal weiter im Hinterstübchen behalten.

        Das Zetteln kommt eigentlich aus Wissenschaft von Niklas Luhmann, der so die Grundlage für seine ganzen Arbeiten gelegt hat. Ich sortiere aktuell noch gar nichts, sondern ich sammele Gedanken. Das liegt an der aktuelle Projektphase. Aber jeder Gedanke bekommt einen eigenen Zettel, die ich später dann vernetze und verzweige. Ob sich daraus dann ein richtiger Plot ergibt, bezweifele ich – aber dafür sollte ich jede Menge Ideen, Hintergründe und Storymarker zusammen haben, um die dann die Dranaturgie herum gebastelt werden kann 🙂

        Lieben Gruß

         
      • Nina C. Hasse

        August 16, 2017 at 2:46 pm

        Ah, danke für die Erklärung! Klingt nach einer interessanten technik – da mach ich mich mal schlau 🙂 Danke dir!

         
  10. Marie

    August 20, 2017 at 2:12 pm

    Sehr spannend. So ähnlich, nur nicht so raffiniert, arbeite ich, wenn ich die grundlegende Geschichte schon in einer kurzen Urfassung geschrieben habe und dann zur besseren Orientierung noch einmal die wichtigsten Stationen notiere, um darauf aufbauen zu können und die Lücken im Text zu füllen. Denn ich gehe auch nicht chronologisch vor. Das Ganze erinnert mich sehr an die Visualisierungen von Vera F. Birkenbihl, die mit ihren KaWa©s und KaGa©s (kreative Analografie©, Wort-Assoziationen bzw. Graphik-Assoziationen) das Lernen und Lehren bzw. einfach das Denken erleichtern wollte.

     
    • Nina C. Hasse

      August 21, 2017 at 2:51 pm

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich finde es immer sehr interessant, von unterschiedlichen Arbeitsweisen zu lesen! Birkenbihl ist mir auch ein Begriff, da muss ich mich nochmal einlesen. Danke für den Input! 😊

       
  11. leahdyre

    September 17, 2017 at 10:30 am

    Wow, das ist ja mal eine Idee. Danke dafür! Das werde ich für meinen NaNoWriMo ausprobieren.

     
    • Nina C. Hasse

      September 17, 2017 at 9:31 am

      Sehr gerne! Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren! 🙂

       
  12. Arwyn

    November 16, 2017 at 12:14 pm

    Hat dies auf Von Märchenprinzen und Fröschen rebloggt.

     

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