RSS

Meine Probleme mit Pseudo-Liebesromanen*

26 Apr

freestocks-org-206394In den sozialen Netwerken und auf vielen Bücherblogs entbrannte (mal wieder) die Diskussion um die Problematik von gewissen Darstellungen pseudo-romantischer Liebe, v.a. in den Genres New Adult, Young Adult und Jugendbuch. Im Grunde wird der Markt seit dem gigantischen Erfolg von Twilight mit Büchern überschwemmt, in denen das einzige Ziel der Protagonistin zu sein scheint, den Typen, in den sie – warum auch immer!? – verknallt ist, an sich zu binden. Und dazu scheint jedes Mittel recht zu sein.

Gut, das klingt jetzt, als wäre unsere Protagonistin der aktive Part in dieser Geschichte … Verzeihung, das lag nicht in meiner Absicht. Dieser neue Literaturtrend scheint dahin zu gehen, dass sich die Hauptfigur ihrem Love Interest unterordnet, seine Bedürfnisse über die eigenen stellt und sich überhaupt alles nur noch um ihn dreht. Falls sie sich damit nicht einverstanden erklären sollte, setzt er sich einfach über ihren Willen hinweg und nimmt sich notfalls mit Gewalt, wonach ihm gerade der Sinn steht. (Die Wahl der Personalpronomen ist hier übrigens kein Zufall.)

Klingt nach Nischenliteratur für Leute mit Unterwerfungsfantasien? Leider nicht. Bücher dieser Art schaffen es regelmäßig in die Bestsellerlisten. Man denke nur an das schon erwähnte „Twilight“, an „50 Shades of Grey“, an „Trinity“ oder an die neueste Erscheinung „Paper Princess“. Von einer riesigen Fancommunity gehyped, erfreuen sich diese Art von Literatur immer größerer Beliebtheit – und ich frage mich, warum.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich will niemanden für seinen Literaturgeschmack kritisierien – wem’s gefällt, bitteschön. Aber auch Kritik sollte – und muss! – bei diesem Thema erlaubt sein. Es geht nämlich nicht nur um Unterhaltung, auch nicht ausschließlich um ein vollkommen antiquiertes Frauenbild, das hier bedient wird. Mir geht es v.a. um die ungesunde Art von Beziehung und Liebe, die von den Autorinnen, Verlagen und begeisterten Leserinnen anscheinend als selbstverständlich hingenommen wird.

  • Verharmlosung von häuslicher Gewalt: Sie ist okay, wenn sie vom Richtigen ausgeht.

    „Bestimmt hinterlässt er dort einen blauen Fleck. Ich  hoffe es fast. So etwas denke ich zum ersten Mal. An mir hat ein Mann schon zu viele blauen Flecken hinterlassen.“
    (aus: „Trinity – Verzehrende Leidenschaft“ von Audrey Carlan, S. 57).

    Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Protagonistin hat schon eine Beziehung hinter sich, in der sie Gewalt erfahren musste, fand das alles ganz schrecklich und arbeitet mittlerweile in der Hilforganisation, an die sie sich damals auch gewandt hat. Und nun? Der nächste Mann, die nächste Gewaltausübung, aber bei dem ist es okay (sie sehnt sie sogar herbei), weil er ja so attraktiv ist? Nice. Hätte interessant werden können, wenn die Autorin dieses Verhalten psychologisch aufgearbeitet hätte. Hat sie aber nicht.

  • Verharmlosung von sexuellem Missbrauch: Stell dich nicht so an!

    »Bei sexueller Belästigung geht es ja nicht zwangsläufig um Sex. Es geht um Macht. das würde ich den beiden gerne sagen, merke aber, dass meine Sorge unnötig war. Sie müssen mir nicht wehtun, weil sie ohnehin schon Macht über mich haben. Das hier sollte mich einfach einschüchtern.« (aus: „Paper Princes“ von Erin Watt, S. 97).

    Solche Passagen finden sich auch in dem ein oder anderen Thriller – mit einem gravierenden Unterschied: Meistens hat ein Opfer sexueller Belästigung solche Gedanken dem oder den Täter(n) gegenüber. Hier jedoch werden die Täter nicht als solche dargestellt, denn schließlich ist einer von ihnen der Love Interest unserer Protagonistin. Auch wenn er (und sein Bruder) die Protagonistin mit expliziten Worte und Gesten bedrängen (natürlich nur aus Spaß!), auch wenn sie selbst sagt: »Ich kann kaum atmen. Ich habe tatsächlich Angst …« (aus: s.o.), wird dieses Verhalten nicht moralisch eingeordnet, sondern ist ein paar Seiten später schon wieder vergessen, schließlich verliebt sie sich ja in ihn. Alles kein Problem, nicht wahr?Auch sehr beliebt: Sie hat gerade keine Lust auf Sex? Sowas gibt’s? Ach was, eine einzige Berührung ihres „Traumprinzen“ und das Hirn unserer Protagonistin verwandelt sich in Brei, die Beine in Wackelpudding und schon kann’s losgehen. In „Trinity – Verzehrende Leidenschaft“ wird die Protagonistin auf der Straße überfallen und bedrängt und von ihrem Love Interest gerettet, der sogleich im Auto seine „Belohnung“ einfordert …

    Die Darstellung von Frauen als jederzeit willige Lustobjekte (und wenn sie „Nein“ sagen, meinen sie doch eigentlich „Ja“ …) ist äußerst grenzwertig. Wie wäre es denn mit Protagonistinnen, bei denen nicht sofort alles aussetzt, nur weil ihr Love Interest gerade sein T-Shirt auszieht? Umso bemerkenswerter, dass die meisten Autoren und Leser dieser Genres weiblich sind.

  • Verharmlosung von Stalking und Besitzansprüchen: Soooo romantisch!

    Schon bei „Twilight“ drang Vampir Edward uneingeladen in Bellas Schlafzimmer ein, um sie beim Schlafen zu beobachten. Dieses Motiv zieht sich durch alle genannten Bücher. Der männliche Love Interest überwacht, verfolgt, kontrolliert, liest private Nachrichten und setzt sich über sämtliche Grenzen hinweg, weil er die Protagonistin ja soooo sehr liebt. Wenn das nicht romantisch ist, weiß ich auch nicht.Dass wahre Liebe Freiheiten braucht, jeder Partner das Recht auf Freiräume, eine eigene Persönlichkeitsentwicklung und auch auf kleine Geheimnisse hat, suchen wir hier vergeblich. Es passt nicht ins Konzept dieser Pseudo-Liebesromane, in denen einer der Partner sich bedingungslos unterordnet, ja, tlw. sogar in den Besitz des anderen übergeht:

    • »Du gehörst mir, Anastasia. […] Und ich beschütze das, was mir gehört.« (aus: „50 Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ von E.L. James).
    • »Du gehörst mir, verstanden!« (aus: „Trinity – Verzehrende Leidenschaft“ von Audrey Carlan, S. 358).
    • Völlig absurdes Männer- und Frauenbild: Von Mäuschen und Machos

      Es ist nicht nur die schon genannte Darstellung der Frauen in diesen Büchern, die ich als problematisch einstufe, sondern auch die der Männer. Sie werden als – Verzeihung – schwanzgesteuerte – Sexgötter dargestellt, (natürlich alle Millionär/Milliardär, zumindest aber wohlhabend), die sich alles herausnehmen und erlauben können, ihre Machoqualitäten auf jeder Seite herausstellen und generell ein ausgemachtes Arschlochverhalten an den Tag legen. Ich kann den Reiz, den ein „Bad Boy“ ausüben mag, durchaus nachvollziehen. Bad Boy bedeutet aber nicht Arschloch. Jemand der sich über gewisse Regeln hinwegsetzt, vielleicht das ein oder andere Gesetz übertritt,  und auch sonst eher eine raue Schale hat, kann seine Freundin doch trotzdem gut (normal!) behandeln? Das in diesen Romanen dargestellte Männerbild zeigt letzten Endes keine tollen Typen, sondern schlichtweg Angsthasen und Feiglinge, die ihre Freundin zu ihrem Eigentum deklarieren und auf Schritt und Tritt überwachen müssen. Kein selbstbewusster Mann hat ein solches Verhalten nötig. (Eine treffende Analyse von Christian Greys Charakter aus „50 Shades of Grey“ findet sich hier.)

      Ich möchte von lebensechten Figuren mit Ecken und Kanten, mit Leidenschaften, Fehlern, Problemen und Interessen lesen – und nicht von Stereotypen. Weder von Machos noch von irgendwelchen duckmäuserischen Mädels, die alles mit sich machen lassen, weil sie ja ach-so-verliebt sind und ihr Traumprinz so wahnsinnig süß und sexy ist.

    • Als Kulturschaffende haben wir Autoren und Verlage auch eine Verantwortung. Natürlich gibt es die künstlerische Freiheit und ich mag niemandem vorschreiben, was er zu schreiben, zu verlegen oder zu lesen hat. Die genannten Bücher haben eine große Fangemeinde, die zahlreichen positiven Rezensionen zu all diesen Werken sprechen für sich.

      Ich will diese Bücher weder verdammen noch gar auf den Index setzen o.ä. Ich wünsche mir lediglich, dass wir uns als Autoren, als Lektoren und als Leser Gedanken machen und sie nicht einfach als „seichte Unterhaltung“ abtun. Das sind sie nämlich nicht. Außerdem wünsche ich mir einen sensibleren Umgang mit diesen Themen. Natürlich soll, darf und muss über Missbrauch in Beziehungen geschrieben werden. Aber doch bitte nicht unter dem Deckmäntelchen der großen romantischen Liebe.

      ~~~
      *Achtung: Dieser Artikel kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

      Foto by Freestocks.org
      https://unsplash.com/photos/-1aE4Kpy-Qc

      Advertisements
       
61 Kommentare

Verfasst von - April 26, 2017 in Bücher

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

61 Antworten zu “Meine Probleme mit Pseudo-Liebesromanen*

  1. Eileen Blander

    April 26, 2017 at 4:07 pm

    Solche Beiträge überschwemmen derzeit ja gefühlt das Internet. Ich habe schließlich auch darüber geschrieben. Nur eine Sache frage ich mich: Die kritischen Stimmen dieser Literatur gegenüber sind ganz laut. Aber ich habe noch nie jemanden gelesen, der sich wirklich dafür ausspricht. Mich würde interessieren, wie die Leute argumentieren, die diese Bücher mögen.

     
    • Nina C. Hasse

      April 26, 2017 at 4:17 pm

      Das stimmt. Viele sind dagegen. Aber alle Bücher haben eine sehr hohe Durchschnittsbewertung in den Kundenrezensionen z.B. bei Amazon. Diese Bücher werden also durchaus gelesen und gemocht.

      Ich durfte heute morgen eine (leider mittlerweile gelöschte) Diskussion auf Facebook verfolgen, in der der Großteil der Teilnehmer diese Bücher verteidigte. Einige schrieben, dass es halt Fiktion sei und man das von der Realität trennen müsste. Andere deklarierten es als gute Unterhaltung, bei der man nicht groß nachdenken müsse. Auch beliebt: Man solle sich moralisch nicht so aufspielen, so schlimm sei es ja gar nicht.

      Aus einer älteren Diskussion in einer Büchergruppe – damals ging es um 50 Shades of Grey – habe ich mitgenommen, dass viele Leserinnen Christians Verhalten ebenfalls als romantisch einstuften und keinen Missbrauch aus dem Buch herausgelesen hatten.

       
      • Eileen Blander

        April 26, 2017 at 4:21 pm

        Tja nun. Er ist ja auch romantisch, er beschützt seine Liebste vor der grausamen Welt, in der man denken und Entscheidungen treffen muss. Ist doch alles anstrengend. Zum Glück gibt es ja Arschlö- ähm, romantische Männer, die den Frauen das abnehmen.

         
      • Nina C. Hasse

        April 26, 2017 at 4:23 pm

        Du hast recht! So hab ich das bisher noch nicht gesehen! Das erklärt einiges 😉

         
  2. eleabrandt

    April 26, 2017 at 10:38 pm

    Ein sehr angenehmer Beitrag, danke, dass du so sachlich und unpolemisch an das Thema herangehst.
    Ich glaube, viele LeserINNEN reflektieren die Inhalte gar nicht bis zu dem Punkt, an dem deine Argumentation – und die der anderen kritischen Bloggerstimmen – ansetzt. Sie bleiben an der Oberfläche, nehmen nur die Gedanken und Gefühle der Protagonistin wahr und schließen daraus: „Hey, der Frau geht es gut, sie liebt den Kerl – also alles in Ordnung.“
    Den LeserINNEN würde ich also gar nicht den großen Vorwurf machen, obwohl mich schon auch interessieren würde, wie die Fans von 50 shades und co. diese Kritik aufnehmen. Ich sehe das Problem eher bei den Autoren, die Themen wie Missbrauch, häusliche Gewalt oder sexueller Nötigung einfach zu wenig Bedeutung beimessen. Und bei den Verlagen, die offensichtlich zu wenig tun, um bedenkliche Botschaften an die Leser zu verhindern.

     
    • Nina C. Hasse

      April 27, 2017 at 12:24 pm

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Polemik und Unsachlichkeit bringen uns hier ja nicht weiter. Ich habe auch gar nichts dagegen, wenn man solche Bücher liest und gut findet. Mich stört lediglich die Unreflektiertheit, mit der Autoren, Verlage und Leser die Thematik angehen. Viele Leser sehen es anders als ich und das ist ja auch völlig okay.
      Ich sehe auch eher uns Autoren und die Verlage in der Pflicht. Da wird mMn. aktuell viel zu sehr auf Verkaufszahlen geschielt und jegliche Verantwortung außer Acht gelassen.

       
      • eleabrandt

        April 27, 2017 at 12:29 pm

        Absolut, da stimme ich dir voll und ganz zu. Wenn ein Roman aus dem Nichts heraus enorme Verkaufszahlen generiert – so wie 50 shades – lockt das natürlich Nachahmer, die sich dann in einem ähnlichen Genre versuchen und dieselben Fehler machen. Ich schätze, als LektorIN oder Verlag tut man sich da auch schwer, zu argumentieren, denn was ein Bestseller darf, kann ja nicht falsch sein. Zumindest in den Augen der meisten.

         
      • Nina C. Hasse

        April 29, 2017 at 11:05 am

        Mich würde in der Tat interessieren, ob es im Verlag kritische Stimmen zu diesen Büchern gab und ob diese einfach abgetan wurden.

         
  3. Nina C. Hasse

    April 27, 2017 at 12:51 pm

    Mich würde auch mal interessieren, warum sich das so gut verkauft. an der „seichten Unterhaltung“ kann es nicht nur liegen, denn die bieten andere Genres auch. Liegt’s größtenteils am Marketing?

     
  4. froeschlis

    April 27, 2017 at 7:11 pm

    schön geschrieben..
    habe gerade auch alle Kommentare durchgelesen und stimme beiden zu.. oder euch dreien…
    habe ebebfalls zwei der Reihen gelesen…
    die geschichte von bella und edward musste ich einfach lesen, da ich schlichtweg ein Vampirfan bin.. sie ließ sich locker leicht weglesen und war ne einfache story mit der üblichen Thematik.. einer ne graue maus und einer das gegenteil…
    bei ana und christian letztendlich die gleiche Thematik… bei den beiden muss ich sagen habe ixh ich tatsächlich einen Teil der Geschichte ausgeblendet… sprich, ich bin nicht soweit eingestiegen und habe nicht analysiert..
    ich lese aber auch um unter zu tauchen… für mich sind Bücher Phantasie, träume, ja halt geschichten..
    deswegen lese ich auch eher etwas mit vampiren, hexen, elfen, etc..
    ich schlage mich auf der arbeit mit dem steuerrecht rum, da möchte ich abends nicht nachdenken… also überlege ich nach einem buch gar nicht ob das frauen/männerbild stimmt oder nicht.. ob da wer nach blauen flecken giert oder meint ständig die beine breit machen zu müssen…
    wobei ich sagen muss, irgendwann reicht es dann auch mal… und es müssen auch nicht immer gleich zehn bänder werden…
    glaub ich hab mal wieder völlig kreuz und quer geschrieben.. 😬

     
    • Nina C. Hasse

      April 29, 2017 at 11:12 am

      Danke dir für deinen Kommentar! 🙂 Ich finde es völlig legitim, zu lesen, um „abzutauchen“ und sich von einem stressigen Arbeitstag zu erholen. Ein wenig beneide ich jeden darum, der das kann, da entspannendes Lesen mir kaum mehr gelingt – Berufskrankheit 😉
      Interessant finde ich die Tatsache, dass es viele LeserInnen so lesen wie du, dass das Gelesene nicht analysiert wird. Mir war bis dato gar nicht bewusst, dass das möglich ist. Die unterschiedlichen Lesegewohnheiten finde ich sehr spannend! Danke für diesen Einblick!

       
      • froeschlis

        April 29, 2017 at 6:13 pm

        naja, es ist für mich recht einfach nicht zu analysieren.. ich lese zur Erholung, was spannendes zu „erleben“ oder einfach ne Liebesgeschichte oder auch mal nen thriller oder horror…
        für mich ist es freizeit..
        du schreibst ja aber selber oder hast ja auch beruflich damit zu tun, ergo mehr hintergrundwissen… ggf hast du ja auch gelernt gewisses in büchern zu hinterfragen bzw zu analysieren…
        mir darfst keine Rechnung geben, prüfe immer erst ob alles drauf ist 😂

        aber ich finde es total interessant wie unterschiedlich wir wohl alle die verschiedensten Bücher lesen..
        und ixh möchte keine blauen flecke, obwohl ich grey gelesen habe 😂

        für mich ist das buch gut, wenn während des lesens dort wohne.. so abschalte, dass ixh alles andere vergesse und auch nicht mehr aufhören kann..
        wobei letzteres für mich ein problem ist, wenn ich zu schnell lese, lebe ich zu lange mit den Büchern.. herr der ringe wandere ich heute noch und twilight hat auch gedauert…
        king und kontz haben mich auch paar Nächte gekostet..
        ich mag eher keine bücher wo ich nach drei seiten schon weiß wie es ausgeht.. war bei grey auch so… die bücher haben mich daher eher enttäuscht… war doch klar wo es endet… bei bella war es auch ab zu sehen.. und sowas ist blöd…
        aber da schaffen es immer weniger autoren, mich zu überraschen und das ende nicht wie gedacht zu schreiben.. schade..

         
      • Nina C. Hasse

        Mai 2, 2017 at 12:32 pm

        Nur weil man etwas beim Lesen nicht hinterfragt, heißt es ja nicht, dass man es automatisch gutfinden muss. Geschmäcker sind ja zum Glück unterschiedlich. Ich glaube auch nicht, dass ein Großteil der Leserinnen sich nach der Lektüre plötzlich blaue Flecken wünscht. Mein Problem ist lediglich, dass sich Werbung und Aufmachung explizit an junge Leser richten, die in ihrem Weltbild vielleicht noch nicht so gefestigt sind, das dort Gelesene zu hinterfragen – natürlich ohne ihnen die Fähigkeit des eigenen Denkens absprechen zu wollen. Ich habe nur schon zu oft gehört, dass „Edward“, „Christian“ und wie sie alle heißen, als „Traummann“ beschrieben werden. Und das gibt mir dann schon zu denken.
        Zum Überraschungseffekt in Büchern: Da hast du recht, viele Bücher werden nach Schema F geschrieben, was wirklich schade ist. Von daher ist der Trend „Self-Publishing“ sehr begrüßenswert. Da ist auch viel Mist drunter, aber eben auch Bücher, die noch überraschen können.

         
  5. Michael Behr

    April 27, 2017 at 8:28 pm

    Vielen Dank für diesen Artikel – den bisher besten, den ich zum Thema gelesen habe. Da ich persönlich mangels Interesse (oder Masochismus?) keinen der genannten Romane gelesen habe, bin ich vor allem dankbar für die Beispiele, die du gebracht hast.
    Ich habe manchmal den Eindruck, dass jemand die Büchse der Pandora geöffnet hat und jetzt keiner mehr so genau weiß, wie er sie wieder zu bekommen soll. Dabei wird dann von manchen Kritikern alles über einen Kamm geschert und in einen Topf gesteckt. Umso wichtiger ist es, wenn man ein wenig differenziert betrachtet. Gerne auch mit Spuren von Ironie.
    Und warum es sich so gut verkauft … hat es was damit zu tun, dass „verruchte“ Themen durch diese Bücher salonfähig geworden sind? Dass man sich nicht mehr damit verstecken muss? Und wenn ich eins gelesen habe, dann lese ich auch das nächste?
    Denn eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass all diese Leserinnen wirklich scharf auf blaue Flecken in ihrem Realleben wären. Dann hätten sie beizeiten bereits andere, im Wortsinne „einschlägige“ Literatur für sich entdeckt.

     
    • Nina C. Hasse

      April 29, 2017 at 11:25 am

      Danke für deinen Kommentar, lieber Michael! „Büchse der Pandora“ scheint hier eine treffende Bezeichnung zu sein. Ich frage mich manchmal, ob den Verlagen überhaupt bewusst ist, was sie da veröffentlichen oder ob da schlicht auf die Verkaufszahlen geschielt und die Übersetzungsrechte dann einfach eingekauft werden. Von den Originalverlagen ganz zu schweigen – da kann ich mir eine Veröffentlichung dann gar nicht mehr erklären.
      Wobei die vielen positiven Rezensionen ja für sich sprechen. Die Problematik wird von den meisten offensichtlich gar nicht erkannt – oder ausgeblendet.
      Gerade 50 Shades of Gray wurde ja zu Beginn dafür gefeiert, ein Genre aus der Schmuddelecke geholt zu haben. Plötzlich war es cool, so ein „verruchtes“ Werk in der Öffentlichkeit zu lesen. Die kritischen Stimmen – gerade auch aus der BDSM-Szene – kamen erst kurze Zeit später. „Witzig“ finde ich auch, dass in der Hochzeit dieses Hypes, z.B. Kabelbinder plötzlich verkaufstechnische Hochkonjunktur hatten. Von daher scheinen sich schon viele das für ihre Realität zu wünschen, was sie da lesen – oder zumindest ausprobieren zu wollen. Dennoch glaube ich, dass die wenigsten Frauen sich eine Beziehung wünschen, die auf der Übermacht des Partners fußt.

       
      • Michael Behr

        April 29, 2017 at 1:49 pm

        Das mit den Verlagen ist in der Tat so eine Frage. Ich denke, dass es da schon einige Kandidaten gibt, die wirklich nur auf die Verkaufszahlen schielen.

        Wenn man sich mit den Marketingleuten und auch den Vertretern der Verlage unterhielte, würden die wahrscheinlich darauf verweisen, dass das Thema einfach immer noch heiß ist und in der Luft liegt. Wer weiß, ob es da nicht auch den einen oder anderen Buchhändler gibt, der explizit nachfragt, wann er denn mit dem neuen SoG-Klon rechnen kann, um den Umsatz anzukurbeln.

        Die Geschichte mit den Kabelbindern finde ich hingegen gar nicht so schlimm. Lass die Leute sich doch ausprobieren. Die Realität ist dann ja doch meistens etwas anders. Man ganz davon abgesehen, dass ich die Verknüpfung von „echtem“ BDSM mit Auswüchsen, wie sie uns hier bei diesen Romanen begegnen, auch als problematisch ansehe. Da wird auch viel mit Klischees gespielt und vielleicht die BDSM-Szene auch instrumentalisiert.

        Eigentlich kaum zu glauben, dass ausgerechnet die ehemaligen Schmuddelkinder der Erotik auf einmal als positives Beispiel gelten im Sinne von: Schau mal, wie liebevoll das bei denen gemacht wird und wie gut das für alle Beteiligten ist.

         
      • Nina C. Hasse

        April 29, 2017 at 2:10 pm

        Achso, das mit den Kabelbindern finde ich überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil. Ich finde es absolut begrüßenswert, wenn Leute sich ausprobieren. Es war lediglich als ein Beispiel dafür gedacht, dass auch fiktionale Texte eben durchaus Einfluss auf unsere Realität haben, was ja von vielen Verteidigern dieser Romane negiert wird.
        Zum Buchhandel: Bei unserem Thalia gibt es mittlerweile ein ganzes Regal „Erotik“, die Bücher werden prominent ausgestellt und beworben. Und es gibt das sicherlich auch nette erotische Geschichten drunter, die Missbrauch etc. nicht positiv darstellen. Gesellschaftsfähig ist es mittlerweile also allemal.

         
  6. t.sebesta

    April 28, 2017 at 4:30 pm

    Hat dies auf Treffpunkt Phantastik rebloggt und kommentierte:
    Dieser Blogeintrag ist berechtigt und wird von mir ganau aus dem Grund hier rebloggt – auch wenn von Phantastik da nur wenig Spuren vorhanden sind … aber es wird ja auch zB.: „Twilight“ angesprochen …

     
  7. ckuenne

    April 29, 2017 at 1:38 am

    Ja, nicht nur du hast mit diesen Bildern Problemen und nicht nur die angesprochenen Genres haben ein Problem – wie wir ja schon ein bisschen drüber gequatscht hatten. 🙂

    Ich bin mal so frei und verlinke drei Meinungen aus dem englischsprachigen Raum, die ähnliche Probleme (nicht immer ganz so sachlich) ansprechen.

    Leon Thomas (Renegade Cut) zu La La Land: https://www.youtube.com/watch?v=Dc94N-vQhSw

    The Dom zu Fifty Shades of Grey von E. L. James: https://www.youtube.com/watch?v=OGfW3saxM6E

    LilyCReads zu Eleanor & Park von Rainbow Rowell: https://www.youtube.com/watch?v=qoMwH-GGIiM

     
    • Nina C. Hasse

      April 29, 2017 at 11:27 am

      Danke dir, Christian! Die Links schaue ich mir an. Gerade die Perspektive aus dem englischsprachigen Raum finde ich spannend, da die meisten Veröffentlichungen daher stammen und lediglich ins Deutsche übersetzt werden.

       
  8. Ryek Darkener

    April 29, 2017 at 8:38 am

    Sehr gute und sachliche Aufbereitung des Themas. Und ohne das Geschriebene bewerten zu wollen stellt sich hier durchaus die Frage nach der Beziehung der Fiktion zur gewünschten Realität. Die Alternative Betrachtung wäre, dass gegenwärtig ein Kulturwandel stattfindet, in dem das Ausleben von Gewaltfantasien in der Literatur – was eher in den Thriller-Bereich gehört – zur romantischen Liebesbeziehung umgedeutet wird. 1984 und Political Correctness lassen grüßen.

     
    • Nina C. Hasse

      April 29, 2017 at 11:32 am

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Die Frage, die du hier aufwirfst, finde ich auch sehr spannend. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich die meisten Leserinnen, die diese Bücher loben, WIRKLICH eine solche Beziehung wünschen. Vielleicht mag das in der Fantasie kurz mal ganz nett sein, aber spätestens wenn der Partner anfängt, das Handy zu kontrollieren oder anderweitig Freiheiten beschneidet, sollten die meisten doch merken, dass das – mit Verlaub – scheiße ist. Zumindest ist das meine Hoffnung …

       
  9. Bianca Fuchs

    Mai 1, 2017 at 6:28 am

    Liebe Nina,
    ich habe mit Interesse deinen Post gelesen. Du suchst Erklärungsansätze, warum diese Buchreihen so erfolgreich sind? Zwar höre ich zum ersten Mal „Trinity“ und „Paper Princess“, aus deinen Ausführungen schließe ich aber, dass sie sich stark an „50 Shades of Grey“ anlehnen und somit vielleicht auf den fahrenden Zug des Erfolgs aufspringen wollen.
    Außerdem sprechen wir hier insgesamt von einem weiblichen Phänomen, denn es sind fast ausschließlich Leserinnen, die zum Erfolg beigetragen haben. Welche Sehnsüchte von Frauen finden sich also in den Romanen wieder? Es sind in jedem Fall Sehnsüchte, die mit Liebe zu tun haben.
    Der Erfolg von „50 Shades of Grey“ ist mir auch ein Rätsel. Vielleicht ist es aber der Wunsch, aus gesellschaftlichen Konventionen auszubrechen, etwas zu lesen, was eben nicht der Norm entspricht? Immerhin wurde der Roman ja genau so angepriesen. Vielleicht ist es auch ein Stück weit der Wunsch von Frauen, eben nicht immer stark sein zu müssen? Emanzipation ist anstrengend.
    Ich musste allerdings etwas Schmunzeln, dass du „Twilight“ in einem Atemzug mit den oben genannten Romanen nennst. Bedenkt man, dass die Reihe von einer Mormonin geschrieben wurde und der Roman eben proklamiert auf Sex vor der Ehe zu verzichten, halte ich diese Gleichsetzung mit den anderen Romanen für nicht ganz richtig. Ich glaube auch, dass hier die Thematik eine andere ist. Hier geht es um die ersten/ die eine große Liebe. Die erlebt man nun mal meistens in der Jugend. Und seien wir mal ehrlich: Jugendliche denken seltener in Graustufen, sondern in Schwarz und Weiß, vor allem, wenn es um Gefühle geht. Und genau das passiert hier – ohne zu beurteilen, ob dies gut ist. Ich glaube nur, dass sich damit viele Jugendliche identifizieren können und dass viele ältere Leserinnen sich gerne an diese Zeit erinnern, in der man nicht nachgedacht hat, sondern einfach seinen Gefühle gefolgt ist. Und ich glaube, dass sich Viele nach genau so etwas sehnen: einer bedingungslosen Liebe. Immerhin leben wir in Zeiten, in denen 50% der Ehen geschieden werden. Da klingt „bis in alle Ewigkeit“ nach verdammt viel Stabilität.
    Soweit mein unwissenschaftlicher Erklärungsversuch. Aber es muss sich doch schon so mancher Soziologe oder Psychologe mit diesem Phänomen auseinandergesetzt haben. Ich fänd spannend, eine wissenschaftliche Erklärung zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Bianca

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 2, 2017 at 12:41 pm

      Huhu Bianca,
      vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂 Über die Gründe, warum Leserinnen diese Art von Literatur toll finden, kann ich mir kein Urteil erlauben, interessant finde ich es jedoch allemal, dass dieses Schema auf so große (positive) Resonanz stößt.

      Bei „Twilight“ sehe ich es anders. Es geht ja auch in den anderen Büchern nicht vordergründig um Sex – auch wenn er natürlich vorkommt. Das ist es ja auch gerade. Wie oft ich mir anhören musste, dass es in SoG eben nicht um Sex geht, sondern um eine romantische Geschichte, die die große Liebe thematistiert. Das Beziehungsgefüge ist in „Twilight“ aber ebenso wie in den anderen Büchern: starker, kontrollierender (auch: beschützender) Mann. In „Paper Princess“ ist die Protagonistin im gleichen Alter wie Bella aus „Twilight“. Von daher ist die Zielgruppe schon ähnlich – wenn auch auf phantastische Elemente verzichtet wird. Und die Liebe, die dort dargestellt wird, ist ja gerade eben nicht bedingungslos, sondern an zahlreiche, einzuhaltende Regeln geknüpft. Immerhin hat Edward noch erkannt, dass er nicht gut für Bella ist 😉

      Eine wissenschaftliche Erklärung bzw. Studie zu der Thematik fände ich auch hochspannend!

      Liebe Grüße! 🙂

       
  10. TheUjulala

    Mai 2, 2017 at 8:10 am

    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Ich finde ja auch, es wird vor allem dann kritisch, wenn solche Romane als Jugendbücher eingeordnet werden und der Eindruck vermittelt wird, Jugendliche (ab 12, 13, 14) könnten solche Bücher lesen! Und das macht mir Angst, wenn ich daran denke, dass meine Tochter von einer Freundin so ein Buch geschenkt bekommt (ist ja nur ein Jugendbuch und eh harmlos). Da gehen bei mir alle Alarmglocken an!

    Werden sie als explizite erotische Fiktion o.ä. deklariert, kann man sich schon darauf einstellen. Wenn ich einen Thriller in die Hand nehme, dann weiß ich, worauf ich mich einlasse.
    Es mag ja die Fangemeinde geben, die gerne diese Geschichten lesen, dann sollte dies aber deutlich als eigenes Genre so gekennzeichnet werden. Das wird bei SM-Büchern auch schon mittlerer Weile gemacht. Das ist deren Geschmack und ich will den ja keinem verbieten.

    Und wie zumindest schon sehr oft gefordertz wird, sollte zumindest eine Trigger-Warnung, oder eine Kennzeichnung schon auf dem Cover oder im Klappentext sichtbar sein, dass es sich um einen eigentlich nicht jugendfreien Text handelt.
    LG nana Shac TheUjulala

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 2, 2017 at 12:47 pm

      Hallo Nana,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ja, genau das ist es auch, was mich stört. Die Einordnung als „Young Adult“ und/oder „New Adult“ weckt den Eindruck, dass sich diese Geschichte an junge Leser wendet. Ich bin wirklich nicht prüde und halte nichts davon, Heranwachsende vor dem Thema „Sex“ schützen zu wollen. Missbrauch aber als etwas Positives oder gar die große Liebe darzustellen, finde jedoch auch ich problematisch. Als Untergenre der erotischen Literatur hätte ich mit diesen Unterwerfungsfantasien auch keine/weniger Probleme.

      Ich weiß immer nicht, ob Trigger-Warnungen sinnvoll sind, dazu kann ich mir kein Urteil erlauben. Mich hätte es als Teenager wahrscheinlich noch neugieriger auf das Buch gemacht. Das geschieht aber auch bereits durch die Diskussion, die – zum Glück – immer wieder aufflammt. Wobei es mir auch gar nicht darum geht, dass junge Menschen diese Bücher nicht lesen sollen. Ich finde nur wichtig, dass man über das Gelesene spricht, ruhig auch mal heftiger diskutiert, um es einordnen zu können.

      Liebe Grüße!

       
      • Michael Behr

        Mai 2, 2017 at 1:36 pm

        Das mit der Neugierde kann ich als Vater einer Teenagerin im relevanten Alter nur bestätigen. Meine Frau hört gerne Hörbücher aus dem Fantasy-Bereich mit erotischem Einschlag. Frag‘ mich jetzt bitte keiner nach konkreten Autorinnen (ja, es sind meistens Frauen) oder Titeln. Gefühlt einmal das LYX-Sortiment rauf und wieder runter.

        Und unsere Tochter steht dann immer daneben und will die unbedingt auch hören. Meine Frau achtet allerdings gewissenhaft darauf, dass die expliziten Szenen nur dann laufen, wenn Mademoiselle weit genug entfernt ist.

        Aber angenommen sie ginge jetzt in die Buchhandlung und es würde auf dem Roman draufstehen „kann Spuren von Sexualität enthalten“, dann wüsste ich, wofür die Kaufentscheidung fiele. Und ob da dann eine Differenzierung zwischen Vampiren, Millionären oder (mit Verlaub) Arschlöchern als männlichem Protagonist getroffen würde, da bin ich mir, leider, nicht so sicher.

         
      • Nina C. Hasse

        Mai 2, 2017 at 2:39 pm

        „Kann Spuren von Sexualität enthalten“ – sehr gut! 😀 In der heutigen Zeit ist es kaum möglich, Kinder von diesen Einflüssen fernzuhalten. Klar setzt man sie nicht gezielt irgendwelchen sexualisierten Szenen aus, weder in Büchern noch in Filmen. Deshalb finde ich ja so wichtig, dass man drüber redet und problematische Stellen auch als solche benennt.

         
  11. Janine

    Mai 2, 2017 at 1:10 pm

    Hallo, ich habe mir deinen Artikel mit großem Interesse durchgelesen und weiß nun auch, warum ich Thriller, Horror, Fantasy und vor allem japanische Literatur bevorzuge. Für mich ist so ein Scheiß wie Twilight und Shades of Grey eh nur Papierverschwendung. Ich schreibe ja selber, auch Liebesbeziehungen, aber bei mir (so denke ich doch), verlieren die Frauen nicht den Kopf und es geht bei mir auch nicht um Sex, so wie es ja die neue Mode ist. Übrigens auch sehr interessant mal aufzuarbeiten, warum es in Fantasyliteratur nur noch ums vögeln geht.
    Man sollte doch denken, dass wir im Jahr 2017 über die Klischees unserer Eltern/ Großeltern hinweg sind. Deswegen mag ich auch so sehr japanische Sachen. Die Frauen dort sind unabhängig (außer vielleicht in den einschlägigen Sachen), brauchen keinen Mann zum Glücklichsein und haben meistens sogar mehr Arsch in der Hose als ihre männlichen Kollegen. Da muss man nur mal die FF Reihe spielen, in jeder gibt es min. 1 starke Frau.Oder One Piece, da wimmelt es von unabhängigen Frauen. Nami z.B. hat von der ganzen Truppe die dicksten Eier, auch wenn sie körperlich nicht so stark ist.
    Ich finde es ein Armutszeugnis, dass wir im Westen wieder in diese alten Rollenbilder fallen. Das klingt ja teilweise wien schlechter Porno, den man sich nur unter der Bettdecke anschauen würde. Liebe hat doch nichts mit Unterwerfung zu tun. Aber auf der anderen Seite regen sich gerade Frauen, die diesen Schrott lesen über die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft auf, dass es immer noch Frauen gibt, die körperlich misshandelt werden usw. Und dann so einen Scheiß lesen.

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 2, 2017 at 1:25 pm

      Hallo Janine,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich muss sagen, ich kenne mich in der japanischen Literaturlandschaft so gar nicht aus, finde es aber interessant, dass du schreibst, dass die Frauen dort anders dargestellt werden als hier. Ich kenne es nur von damals aus meiner Sailor-Moon-Zeit. Die fünf brauchten auch keinen starken Mann, der sie ständig rettete – und verliebt haben sie sich trotzdem. Ich habe keine Ahnung wie ich das dargestellte Frauenbild heute beurteilen würde, damals waren sie auf jeden Fall meine Heldinnen.

      Letzten Ende darf und soll ja jeder selbst entscheiden, was er liest und was er toll findet. Ich mag niemandem den Spaß an seiner Lektüre vermiesen. Aber Hinweise auf problematische Stellen sollten erlaubt sein.

      Was du zur Fantasyliteratur schreibst, ist mir auch schon aufgefallen. Habe das Gefühl, Fantasy besteht zu 80% nur noch aus „Romantasy“ und dann geht es größtenteils nur „zur Sache“… Ich lese gerne gute erotische Szenen, aber wenn sich die Story – falls man das noch so nennen kann – nur noch darum dreht, wirds mir zu öde.

       
    • Michael Behr

      Mai 2, 2017 at 1:45 pm

      Hallo Janine,

      in Bezug auf japanische Literatur kann ich auch nicht mitreden, aber ich sehe Teile der Mangakultur durchaus auch kritisch. Wenn meine Tochter mir erzählt, sie würde auch gerne mal (z.B. zum Karneval) im typischen „Japanisches Schulmädchen“-Look herumlaufen, dann muss ich doch ein wenig schlucken.

      Denn gerade dieses Klischeebild steht ja nun nicht ganz unberechtigt im Verruf, pornografische oder auch handfeste ausbeuterische Funktionen in der japanischen Gesellschaft zu bedienen, wie man durch ein wenig googlen leicht herausfinden kann. Ich finde es geradezu ekelerregend, wenn ich die Stichwörter „Japan“ und „Schülerin“ eingebe und fast als erstes über sogenannte Lolitaprostitution stolpere …

      Wie gesagt, das ist auch nur ein Ausschnitt, auf den ich aber dennoch hinweisen wollte. Auch in Japan ist nicht alles Gold, was glänzt.

      Viele Grüße
      Michael

       
  12. Janine

    Mai 2, 2017 at 6:02 pm

    Hallo Michael,
    deswegen habe ich ja gesagt, in den einschlägigen Bereichen ist es oft so, dass Frauen zu Lustobjekten gemacht werden, sogar noch schlimmer als im Westen. Ich meinte aber eher die allgemeine Szene dort. Also Sachen wie eben Sailor Moon, One Piece, Final Fantasy und so. Ich lese z.B sehr gerne Kaori Yuki. Sie hat eine echt kranke Fantasie, aber irgendwie ist es frisch und anders. In Ludwig Revolution werden da die klassischen Grimmschen Märchen völlig verdreht und das war sogar noch vor dem Hollywoodhype. Der klassische Schulmädchenlook aus Japan ist ähnlich dem in England, also Bluse, Faltenrock und Kniestrümpfe. Du hättest vielleicht mal deine Tochter fragen sollen, anstatt zu googeln. 🙂 Setz dich doch mal mit deiner Tochter zusammen und lass dir erklären, was sie vorhat und interessiert. Natürlich hat auch die japanische Kultur ihre Schattenseiten, das ist überall so. Aber wenn man sich dafür interessiert und auch die richtigen Sachen angeht, ist das genauso normal, wie bei uns. Zumal die Japaner auch oft postapokalyptische Szenarien behandeln.

     
    • Michael Behr

      Mai 2, 2017 at 8:41 pm

      Hallo Janine,

      keine Sorge, ich habe mich schon mit meiner Tochter auseinandergesetzt und bin auch selber nicht ganz unbeleckt, was Mangas usw. angeht. Das gehörte in den 80ern quasi zur Nerd-Ausbildung mit dazu 😉 . Es lag mir auch fern, hier eine Verallgemeinerung herbeizuführen und ein breites Spektrum gibt es überall. Was die „perversen Japaner“ mit ihrem Tentakel-Porn sind/waren, waren bei uns halt die U-Comix oder auch die Schwermetall. Alles eine Frage der Einstellung zur Sache.

      An meinem Ekel bei der Googlesuche ändert das jedoch alles nichts 😉 . Ich hatte diesen Hinweis auch nur explizit gebracht, damit mein Argument nachvollziehbar ist und nicht aus dem luftleeren Raum kommt.

      Aus Mangas oder Comics (ja, ich weiß, ist ein Schimpfwort) bin ich aber größtenteils raus. „Echte“ japanische Literatur wäre aber schon mal interessant. Hast du da Empfehlungen?

       
  13. Isa Schmitt-Egner

    Mai 3, 2017 at 1:35 am

    Ich habe jetzt nicht alle Kommentare hier gelesen, es ist schon spät, aber es wurde gefragt, warum Bücher wie SOG so erfolgreich sind.
    Aus meiner Sicht ist das nur logisch, denn sie sprechen ein Muster an, das in sehr vielen Menschen angelegt ist. Und zwar ist es das Elternmuster. Die Sehnsucht nach Elternliebe trägt jeder in sich.
    Aus Sicht des Kindes sind Eltern oft ambivalente Figuren (Du bist ein liebes Kind/ du warst böse. Ich liebe dich, ich liebe dich nicht). Diese Mischung aus lieben und von sich stoßen ist der Seele bekannt.
    Eltern sind allmächtig, größer und sie entscheiden, ob sie das Kind auf den Arm nehmen wollen oder es bleiben lassen. Sie stehen über dem Kind, scheinen von unten betrachtet unerreichbar, bis sie das Kind hochheben und umarmen.
    Der (scheinbar unerreichbare) Millionär (mächtig), der die Frau liebt oder auch nicht oder doch? (ambivalent) ist hier die Übersetzung in die Erwachsenenwelt. Das höchste Ziel des Kindes/der Frau ist es dann, die Elternliebe/ die Liebe des Millionärs zu erringen.
    Vampire (schön, reich, übermächtig, unsterblich, alles könnend – wie die Eltern aus Kindersicht) erfüllen dieselben Kriterien. Auch Könige und Prinzen sind geeignet, die sehnsüchtig-kindliche Unerreichbarkeit zu bedienen, die zu überwinden so erstrebenswert erscheint.
    Auch Stars auf einer Bühne sind unerreichbar. Neben ihnen zu stehen, scheint uns ebenfalls auf andere Ebenen zu heben, von dem Effekt leben ganze Industrien. Gesehen werden, beachtet werden, Aufmerksamkeit (der Eltern = Garantie zu überleben) bekommen.
    Ein Instinkt, der nicht abgelegt wird. Eine Prägung, die fast jeder hat, die einfach funktioniert.
    Bücher, die das bedienen, haben verdammt gute Karten.
    Bei SOG wurde all das auf die Spitze getrieben. Die Ambivalenz durch das lieben und gleichzeitig schlagen noch verschärft, der Milliardär als endlos reiche, mächtige Figur, die einen wirklich beschützen kann.
    Das ist meine Sicht der Dinge, warum das klappt. Und wer jetzt wild um sich schlagend dagegen reden und das alles abtun möchte: Bitte sehr. Ich gehe ins Bett und denke trotzdem, dass ich recht habe damit.

    Gute Nacht allerseits.

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 3, 2017 at 3:49 pm

      Hallo Isabell,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar und diesen interessanten Ansatz. Von der Seite habe ich das noch nicht betrachtet … Wichtig ist denke ich wirklich, dass der Millionär als unerreichbar gilt. Es wird so eine Welt geschaffen, in der etwas höchst Unwahrscheinliches passiert, nämlich dass sich ein gutaussehender, reicher Mann in eine völlig durchschnittliche, vielleicht ein wenig unscheinbare Frau verliebt. Inwieweit das mit der Beziehung zu den Eltern zusammenhängt, kann ich nicht beurteilen, dazu habe ich mich mit der Eltern-Kind-Psychologie zu wenig auseinandergesetzt. Wäre aber mal interessant, eine psychologische Studie dazu zu lesen.
      Liebe Grüße
      Nina

       
  14. Kia Kahawa

    Mai 3, 2017 at 5:16 am

    Toll, wie du an das Thema herangehst! Ich finde, solche Literatur hat durchaus seine Daseinsberechtigung und kann meinetwegen auch genau so geschrieben werden. Doch der Deckmantel der großen Liebe darf, wie du sagst, da nicht drüberliegen. Als Verfasserin von Büchern über vorwiegend psychische Krankheiten des Protagonisten oder der Protagonistin könnte ich mir gut vorstellen, dass man ein neues Genre für kranke Protagonisten schafft, in dem eben auch diese selbstzerstörerischen Protagonistinnen sich unterdrücken lassen und es geil finden können. Ach nee, das ist ja schon geschehen. Es als Unterkategorie von Liebesromanen abzutun ist mir irgendwie zu platt, aber falsch auch nicht.
    Du siehst, liebe Nina: Die Frage mit dem „was wäre, wenn wir dein Gedanken umsetzen würden“ ist ziemlich schwierig. Wichtig fänd ich eine Art Hinweis… Eine strenge Altersbeschränkung… alles nicht das Wahre. Was würdest du konkret und realistisch tun, wenn du umgehend etwas ändern könntest?

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 3, 2017 at 3:44 pm

      Danke dir für deinen Kommentar, liebe Kia! Ich will eigentlich gar nichts großartig ändern, sondern lediglich auf die Problematik in diesen Büchern aufmerksam machen. Ich finde auch absolut, dass sie eine Daseinsberechtigung haben. Altersbeschränkungen halte ich auch nicht unbedingt für sinnvoll, bei Triggerwarnungen kenne ich mich zu wenig aus, um mir da eine Meinung zu bilden.
      Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann dass sich das Marketing der Verlage verändert. Es sind eben nicht die romantischen Liebesgeschichten für Jugendliche/junge Erwachsene, als die sie dargestellt werden.
      Und toll finde ich Autoren, die in dem Genre schreiben und diese Muster eben gerade nicht aufnehmen, nicht weil sie auf Verkaufszahlen schielen, sondern weil sie etwas ändern wollen. So wie z.B. unsere Babsi das jetzt macht. Das finde ich richtig klasse! 🙂

       
  15. Sabine H.

    Mai 3, 2017 at 5:43 am

    Ich lese derartiges nicht, zum Teil langweilt es mich. Kann aber auch am Alter liegen, schließlich habe ich schon einiges erlebt.
    Literatur ist immer Abbild gesellschaftlicher Verhältnisse und ich sehe da zwei Gründe, warum solche „Verwerfungen“ Platz haben:
    1. Frauen sind auch in unserer Gesellschaft bei weitem nicht so gleichberechtigt, wie es z.B. Gesetze vorsehen. Kinder haben zu wollen kostet fast immer Abstriche an Karriere oder Geld, an Freizeit ohnehin. Aus anderen Kulturen werden zusätzlich andere Verhaltensweisen in unsere Gesellschaft hereingetragen. Und Machotum wird teilweise (in der Werbephase) als angenehm empfunden, was nach der Hochzeit kommt – ausgeblendet.
    2. Frauen, die es „geschafft“ haben, müssen sich gegen eine Männerwelt durchsetzen, hart sein. Ich kann nur vermuten, dass dann auch mal das Gegenprogramm gelesen wird, dass man einfach mal von einer Prota lesen will, die schwach sein darf. Als Gegenstück zum männlichen Manager, der nach dem gestressten Arbeitstag zur Domina geht..
    Alles nur laienhafte Erklärungen, das ist mir klar.
    Aber wie viele junge Frauen würden sich eher dem Millionär unterordnen als mit Mindestlohn und Kindern durchs Leben zu gehen? Welche „Träume“ kann die Gesellschaft jungen Frauen bieten?
    Prinzessin war gestern. Was kommt morgen?

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 3, 2017 at 3:35 pm

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Privat lese ich diese Bücher auch nicht, ich wollte nur versuchen, diesen Hype zu verstehen. Dass es am Alter liegt, glaube ich nicht. Ich kenne 50-jährige Frauen, die SoG als „Offenbahrung“ bezeichnet haben. Nun ja … Es hat wohl eher mit den persönlichen Vorlieben zu tun.

      Die Fragen, die du aufwirfst, finde ich sehr interessant, v.a. weil du auf die Geldthematik eingehst. In den Büchern scheint das Geld hingegen eher zweitrangig zu sein – zumindest ist das mein Eindruck, die Gefühle stehen im Vordergrund. Ich habe mich gestern noch mit einen interessanten Ansatz beschäftigt, der die Faszination des Millionärs zu erklären versucht. Und zwar ging es darum, dass in den Büchern eine Welt geschaffen wird, in sich ein reicher, wahnsinnig gutaussehender Mann in ein normales, relativ unscheinbares Mädchen verliebt – und zwar so sehr, dass er alles tut, um sie an sich zu binden. Das Mädchen hingegen muss letztlich nichts dafür tun, nichts, um die Beziehung zu erhalten, nichts um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Entbindung von Verantwortungen und Verpflichtungen kann sicherlich durchaus reizvoll sein. Fand ich einen interessanten Ansatz, die Faszination für diese Bücher zu erklären.

       
  16. Andrea Kochniss

    Mai 3, 2017 at 6:51 am

    Gott sei Dank, endlich mal jemand, der den Nagel auf den Kopf trifft und genau das erklärt, warum ich mit diesen Büchern nichts anfangen kann. Vielen Dank für diesen Beitrag, er spricht mir aus der Seele.

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 3, 2017 at 3:19 pm

      Herzlichen Dank für deinen Kommentar, liebe Andrea. Ich freue mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat!

       
  17. Jo Wolf

    Mai 3, 2017 at 10:09 am

    Guten Tag!

    Ich habe Deinen Beitrag mit Interesse gelesen und schalte mich einfach auch mal mit in das Kommentieren ein. 🙂

    Was an diesem Romantypus so fasziniert: Sie sprechen Emotionen an, sie bieten Verdorbenheit und dunkle Gelüste in einem Rahmen, der gesellschaftlich nicht ausgrenzt (Ich nenne das „Klemmie-Roman“^^). Da es jetzt in Ordnung ist, solche Bücher zu lesen, kann man die eigenen „Bedürfnisse“ daran bedienen. Warum es niemanden zu stören scheint, wie unglaublich schlecht diese oft geschrieben sind, weiß ich auch nicht.
    Das Rollenbild scheint, so veraltet es auch sein mag, gerade Frauen generationenübergreifend anzusprechen. Die Sehnsucht nach der großen Liebe macht es möglich. Scheinbar verbunden mit dem Reiz des (sexuellen) Nervenkitzels und der Endgültigkeit. Woher das kommt, bin ich mir nicht sicher, habe aber die Ahnung, bei jüngeren Menschen der letzten Generationen wurde dieses Verlangen auch schon sehr in Zeichentrickserien und dazu gehörigen Printmedien gefördert.
    Nach Shades of Grey wurden BDSM-Online-Plattformen von Neulingen geflutet. Diese brachten großteils die entsprechenden romantisierten und naiven Vorstellungen und „Wünsche“ mit. Die zuvor gewachsene Community reagierte ziemlich genervt darauf, „SoG“ ist bis heute eher ein Synonym für Schund unter den BDSMlern. Zum anderen wurde viel Aufklärungsarbeit unter den Neu-Sadomasochisten geleistet (soweit möglich). Das es eben Sicherheitsaspekte gibt, das SM eben nicht was grundsätzlich rosarot glitzernd romantisches ist (aber sein kann),… und so weiter.
    Erstaunlich finde ich persönlich vor allem die Bereitschaft gerade vieler der jungen Menschen, besonders weit zu gehen. Sich selbst völlig aufzugeben und jemand anders vollkommen zu unterwerfen. Woher dieser Trend kommt, kann ich nicht sagen. er geht aber sicherlich einher mit einem grundsätzlichen rauer werdenden Tonfall in der Gesellschaft (vor allem online). Auch sexuell. Wenn man sich ansieht, was inzwischen an harter Pornografie frei für jeden zugänglich ist, mit nur einem Klick, entsteht schon die Frage, was die Filme mit jüngeren Menschen machen. Was man dort massenhaft zu sehen bekommt, ist in vielen Fällen mehr von Unterwerfung und Sadismus geprägt als BDSM-Filme und -praktiken selber. (Frau muss durchweg kniend Männer oral befriedigen, wird ins Gesicht geschlagen, angespuckt, verhöhnt, angepisst, ausgelacht, zum weinen gebracht, zum kotzen gebracht… und bedankt sich dafür, bittet um mehr) im Vergleich dazu ist die angesprochene romantische Literatur ein Kinkerlitzchen (scheinbar).
    Ich selber schreibe auch Kurzgeschichten innerhalb dieses Themenbereichs. Auffällig ist hier die relativ große Anzahl an Aufrufen im Verhältnis zu „Gefällt mir“-Klicks. Die Gründe kann ich natürlich nur orakeln. Mag sein, dass es Lesern schlicht nicht gefällt, oder das man sich nicht outen will. Allerdings wurde bei diesen meiner Texte, mehr als bei anderen, nach den entsprechenden Tags (Sex, Gewalt, FSK18) gesucht. Das hat also immer noch etwas „heimliches“ und gilt als unanständig. Im Rahmen eines seichten Unterhaltungsromans dagegen wird es trotz Anrüchigkeit gesellschaftlich eher toleriert.
    An dieser Stelle komme ich mal wieder zurück auf Dein eigentliches Ausgangsthema (meine Entschuldigung für den Exkurs *fg*). Scheinbar gibt es ein Verlangen nach einer Kombination dieser Themen „große Liebe“, „Unendlosigkeit“, „Gefahr“, „Verdorbenheit“, „Macht und Unterwerfung“, „Sexuelles Ausschweifen“. Da hängen viele Emotionen dran, die sich über solche Literatur bedienen lassen. Die schriftstellerische/erzählerische Qualität steht dabei hinten an, bzw. ist eine andere. Dementsprechend wagen sich vielleicht auch andere Autoren an diese Romane, etablierte oder welche mit größeren schriftstellerischen Anspruch meiden sie eher (der Themen wegen? des eigenen Rufs wegen?). In jedem Fall schaffen es die Erschaffer dieser Werke, ihre Leser auf einer starken Gefühlsebene zu erreichen. Mein Eindruck ist, dass sich unter diesen Lesern auch viele Menschen befinden, die zuvor nicht unbedingt oder wenig gelesen haben. Auch das ist etwas wert.

    Liebe Grüße,
    Jo 🙂

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 3, 2017 at 3:15 pm

      Liebe Jo,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar und diesen überaus interessanten Exkurs. Gerade die Tatsache, dass nach SoG die BDSM-Foren mit Fans der Bücher geflutet wurden, spricht ja dafür, dass Romane durchaus eine große Wirkung auf unser Leben haben (können). Damit wäre das Argument „Ist doch bloß Fiktion“ und der Vorwurf, man könne Fiktion und Realität nicht auseinanderhalten schon widerlegt.

      Ich bin mir nicht sicher, ob der Reiz dieser Bücher in den Themen „Macht und Verdorbenheit“ oder „Unterwerfung“ besteht. Das kann ich mir bei einschlägiger Literatur oder auch bei SoG noch ganz gut vorstellen. Bei den anderen genannten eher nicht, den auch die Klappentexte lesen sich eher harmlos, wie „normale“ Liebesgeschichten. Warum finden Leserinnen, die sich einem Partner selbst niemals derart unterwerfen würden, diese Bücher dennoch so toll? Das finde ich wirklich interessant.

      Und du sprichst einen weiteren wichtigen Punkt an: Oft sind es neue Leser, die zuvor sich zuvor nur selten einem Buch gewidmet haben und sich von diesem Hype mitnehmen lassen.

      Ich finde es wahnsinnig schwierig, eine richtig gute, erotische Szene zu schreiben, ohne dass sie albern oder plump wirkt. Das fällt vielen Schriftstellern nicht leicht. Es gibt sehr gute Autoren in dem Bereich – und dann gibt es halt weniger gute. Wenn ich mir die Sexszenen aus „Trinity“ anschaue – die laden wegen absurder Vergleiche oder anatomisch unmöglicher Stellungen eher zum Lachen ein, als dass eine erotische Stimmung aufkommt. Aber auch schlechte Erotik darf es geben. Ich würde mir nur einen kritischeren Umgang mit dem Beziehungsbild in diesen Young und New Adult-Büchern wünschen.

      Herzliche Grüße
      Nina

       
  18. Lux Winter

    Mai 3, 2017 at 11:56 am

    Es gibt viele Gründe dich klasse zu finden, Nina – und das hier ist ein ganz, ganz Großer!

    Ich denke, dass das Kernproblem dieser Themen nicht mal die berühmt-berüchtigte 50-Shades-of-Grey-Hausfrau Mitte 40 ist, möge man diesen Menschen doch unterstellen, dass sich ihr Beziehungsverständnis zum Großteil schon ausgeformt hat. Viel schwieriger finde ich, wenn Teenager/ junge Frauen diese Bücher lesen und das von dir herausgestellte Verhalten als Teil ihres Beziehungsverständnisses integrieren. Es ist ja so oder so schon schwierig, sich bewusst zu machen ob man in einer Abuse Relationship steckt – wenn solche Bilder internalisiert werden, übersieht man vielleicht auch die dunkelroten Warnungen.

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 3, 2017 at 3:02 pm

      Danke für die nettenWort, liebe Lux! ❤ Genauso sehe ich das auch. Die Leute sollen lesen und mögen, was sie wollen. Und wenn diese Bücher als "Erotische Literatur" vermarktet werden würden, fände ich sie immer noch nicht toll, hätte aber auch kein Problem damit. Das Deklarieren als Young Adult, die sich an eine Lesegruppe ab 12(!) richten, finde ich problematisch. Nicht, dass ich Kindern/Jugendlichen das eigene Denken absprechen möchte, aber die Fähigkeiten zur Reflexion sind in diesem Alter einfach noch nicht so ausgebildet.

       
  19. Henrik Sturmbluth

    Mai 3, 2017 at 12:29 pm

    Was ist denn ein „Love Interest“? Gibt es dafür kein deutsches Wort?

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 3, 2017 at 2:58 pm

      Ein „Love Interest“ ist die Bezeichnung für eine Figur an der der Protagonist ein romantisches Interesse hat. Eine deutsche Übersetzung dafür ist mir nicht bekannt.

       
  20. Gloria Manderfeld

    Mai 5, 2017 at 10:39 am

    Wann immer ich mit weiblichen Fans von „SoG“ spreche und versuche, sie auf die Ebene ausserhalb von ‚Ana liebt Christian und es ist kompliziert‘ hinzuweisen, scheint mir ein Grundgefühl vorherrschend: Die wenigsten interessieren sich dafür, es geht vor allem darum, eine knisternde Story zu lesen.
    Erst, wenn ich Christian durch einen fünfzigjährigen, bierbäuchigen Mann im Feinrippunterhemd ersetze, der nicht so viel Geld wie Mr. Grey hat, wird ihnen langsam klar, worauf ich hin aus will – nämlich, dass einem der ganze Stalking- und Missbrauchskomplex erst dann verzögert aufzufallen scheint, wenn der Mann dem Idealbild des Heiratskandidaten Nummer Eins entspricht, das aufwachsende Frauen in den letzten dreißig Jahren durch Filme und sonstige Medien geprägt hat (nämlich: gutaussehend, sehr an der Frau interessiert, obwohl sie ein Nobody ist, reich, gesellschaftlich arriviert).
    Im Grunde kann man auch die SoG-Diskussion nie ohne einen Verweis auf „Twilight“ führen, da SoG als Fan Fiction zu „Twilight“ entstanden ist, also aus genau den Stalking-Grundmustern resultiert, um die es bei alledem geht. Wenn junge Frauen mit einem solchen Rollenbild an die Beziehungssuche herangehen, kann das zum großen Teil nur schief gehen, fürchte ich …
    Alternatives Wort für „love interest“ – Schwarm? 😉 Das war in der 90er Jahre Bravo ganz groß 😉

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 5, 2017 at 11:53 am

      Ich unterschreibe hier jedes Wort! „Gutaussehend und reich“ scheinen die Attribute zu sein, mit denen man sich alles erlauben kann.
      Sehr wichtig finde ich auch den Hinweis, dass sie ein „Nobody“ ist – lädt möglicherweise zum Träumen ein!?
      „Schwarm“ trifft es meiner Meinung nach nicht ganz, denn eine Schwärmerei ist oft genauso schnell vorbei wie sie begonnen hat. Das ist in diesen Büchern aber ja (leider 😉 ) eher nicht der Fall.

       
  21. Hope Cavendish

    Mai 5, 2017 at 11:28 am

    Ein Artikel, der mir aus der Seele spricht! Konnte ich beim „Glitzer-Vampir“ Edward noch die Faszination nachvollziehen, weil dort ein Protagonist seine dunkelsten Triebe aus Liebe bekämpft – stehe ich hingegen der Beliebtheit von „Bad Boys“, die die Protagonistin misshandeln, doch ziemlich ratlos gegenüber. Was soll an einem Kerl attraktiv sein, der eine Frau demütigt, schlägt oder gar vergewaltigt?
    Oft wird hierbei als Argument der Vergleich mit der SM-Szene herangezogen. Allerdings hinkt der meiner Ansicht nach, weil sich dort die Beteiligten – zumindest üblicherweise – auf das Spiel mit Dominanz und Unterwerfung in beiderseitigem Einvernehmen eingelassen haben. Sich also auf Augenhöhe begegnen – was anscheinend in den thematisierten Romanen eher selten der Fall ist.
    In meinen Augen sind dies nicht unbedenkliche Tendenzen, weil sie wenn nicht zur Glorifizierung, so doch zumindest auf jeden Fall zur Verharmlosung von Gewalt beitragen. Und der Grad der Beliebtheit solcher Romane lässt befürchten, dass sie nicht völlig ohne Einfluss auf Stimmungen und Meinungen sind. Insofern stimme ich Dir völlig zu, dass man sich auch als Autor nicht der Verantwortung entziehen kann, die ein solcher – möglicher – Einfluss mit sich bringt.

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 5, 2017 at 11:58 am

      Einen Vergleich dieser Bücher mit der SM-Szene können auch nur Leute bringen, die SoG für eine realistische Darstellung von SM halten …
      Die Verharmlosung von Missbrauch und Gewalt sehe ich hier auch ganz deutlich.
      Ich finde es okay, solche Bücher zu schreiben, auch zu veröffentlichen. Was ist nicht okay finde, ist die breite Vermarktung als Young und New Adult, denn da findet eine Prägung statt, die Auswirkungen auf das zukünftige Leben haben kann.

       
      • Hope Cavendish

        Mai 5, 2017 at 12:21 pm

        Dem stimme ich vollumfänglich zu.

         
  22. susawagner

    Mai 6, 2017 at 8:07 pm

    Schon lange hat mir kein Blog-Post mehr dermaßen aus der Seele gesprochen!! Ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine Sub/Dom-Beziehung mit einem hohen Level an gegenseitigem Vertrauen, Verantwortungsgefühl und vor allem EINVERSTÄNDNIS und definierten Grenzen für manche Leute ihren Reiz hat – oder eben darüber zu lesen. Aber was momentan so auf dem Markt landet, klingt für mich teilweise mehr nach Missbrauch und Stockholm-Syndrom, das mit Liebe verwechselt wird …:(

    Ein weiterer „Trend“, den ich zurzeit im englischsprachigen Bereich immer wieder sehe – traurigerweise – sind weibliche Protagonistinnen, die aufgrund der Umstände, häufig gegen ihren Willen, von einer männlichen Person (den ich nicht „Protagonist“ und schon gar nicht „Held“ nennen möchte) festgehalten bzw. „claimed“/“beansprucht“ werden. Da sträuben sich mir beim Lesen der Klappentexte nicht nur die Haare!!

     
    • Nina C. Hasse

      Mai 11, 2017 at 3:22 pm

      Hallo liebe Susa,
      vielen Dank für deinen Kommentar und entschuldige, dass die Freischaltung so lange gedauert hat – irgendwie ist er mir durch die Lappen gegangen 😦

      Sehe es genau wie du, BDSM findet auf Augenhöhe statt (sollte es zumindest, alles andere ist Missbrauch). Ich verstehe auch nicht, wie man Missbrauch und eine „Beanspruchung“ durch einen Partner (egal welchen Geschlechts!) als romantisch ansehen kann. Der Trend gefällt mir überhaupt nicht.

       

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: