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Halbzeit beim National Novel Writing Month

15 Nov
Halbzeit beim National Novel Writing Month

Hallo ihr Lieben,

zwei Wochen hält der NaNo-Wahnsinn nun schon an und ich halte tatsächlich ganz gut mit, was mich sehr freut. Die Schattenkatzen bereiten mir  viel Vergnügen und ich habe in den letzten zwei wochen tatsächlich jeden tag geschrieben. Die Hälfte ist um und ich habe festgestellt, dass ich mit 50.000 wörter bei der Geschichte vermutlich nicht hinkommen werde. Wobei, wer weiß, denn so wie es aussieht, werde ich die ersten zehntausend Wörter in der Überarbeitung später sowieso löschen …

Screenshot_2015-11-15-20-30-36Das tägliche Schreiben bringt auf jeden Fall viel Routine in die eigene Arbeitsweise. Zumeist setze ich mich am frühen Abend gegen 17 Uhr an den Schreibtisch und schreibe für zwei bis drei Stunden, dann habe ich mein Lektoratspensum bereits erledigt. Ich kann nicht gut an eigenen Sachen arbeiten, wenn ich weiß, dass jemand auf die Fertigstellung seines Manuskripts wartet. Das hat bisher wunderbar geklappt und so werde ich es wohl auch in den kommenden zwei Wochen halten. Ich hoffe wirklich, dass das Manuskript jeden tag um ein paar Wörter wächst, die geschichte und ihre Charaktere habe ich bis dato schon sehr lieb gewonnen.

Und weil Halbzeit ist, zeige ich euch heute mal einen kleinen Schnipsel aus dem Roman – unlektoriert und unkorrigiert natürlich. Straßenkater Othello versucht, ein Tau zu überqueren, um auf ein Schiff zu kommen. Er hat allerdings fürchterliche Angst vor Wasser – und vor Ratten.

Bäuchlings robbte er über das Tau, zog sich mit den Vorderpfoten Zentimeter um Zentimeter vor, während er mit den Hinterpfoten schob und durch geschicktes Manövrieren mit dem Schwanz das Gleichgewicht hielt. Er durfte nur nicht nach unten schauen, nur nicht … nach unten … Das Seil senkte sich unter seinem Gewicht, er riss die Augen auf. Das schwarze Wasser gurgelte unter ihm, schien zu brodeln, Wellen zu schlagen, sich aufzutürmen.

Die Erinnerungen überfluteten ihn, überschwemmten seinen Geist, lähmten seinen Körper. Wasser drang in seine Nase, seine Schnauze, seine Ohren. Das Gewicht des nassen Fells zog ihn nach unten, er strampelte, trat Wasser, hechelte. Und die Ratten, die Ratten! Mit ihren Klauen krallten sie sich an seinem Körper fest, drückten ihn unter Wasser, versuchten sich selbst zu retten und ihn zu ertränken.

Er rang nach Luft, krallte sich fester in die Seilfasern. Bloß nicht loslassen, bloß nicht bewegen! Wenn er fiel, wurde sein schlimmster Albtraum Realität. Erneut.

Bei Bastet, er saß fest.

»Brauchst du Hilfe?«, hörte er plötzlich ein dünnes Stimmchen vom Dock. Er wagte nicht, über die Schulter zu schauen, wollte antworten, doch aus seinem Maul drang nur ein Krächzen.

»Es sieht nämlich ganz so aus, als könntest du welche gebrauchen!«

Ach was, Schlauberger!

»Kann ich dir irgendwie helfen?«

»Nein«, quetschte Othello zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

»Bist du sicher? Du wirkst nämlich ein wenig … unglücklich. Also, deine Situation. Deine jetzige. Nicht, dass ich allgemein glaube, dass du unglücklich bist – sowas würde ich mir nie anmaßen zu sagen. Ich stelle bloß eine leichte Anspannung in deinen Muskeln fest. Nur in diesem Augenblick, nicht generell. Oder bist du einer von den unentspannten Typen?«

Trotz seiner prekären Lage musste er einfach sehen, wer da einen solchen Dummfug von sich gab. Er drehte den Kopf leicht nach links und bereute seine Entscheidung sofort. Das Seil schwankte wieder gefährlich. Nein, keine Experimente mehr. Er würde einfach hier sitzen bleiben und auf den Tod warten. Er hatte ja noch fünf weitere Leben.

»Ernsthaft, du bist viel zu verkrampft. Du musst dich locker machen, dich auf das Seil einlassen. Denk wie das Seil, sei das Seil.«

An was für einen grenzdebilen Einfaltspinsel war er da bloß geraten?

»Ich will aber nicht das Seil sein«, fauchte er.

»Ja, das sehe ich. So wie du dich verhältst, willst du eher ein Brett sein, was?«

Othello schnaubte.

»Na komm, ich zeig dir, wie man es macht.«

Tippelnde Schritte schabten über das Holz, dann ein Kratzen am Tau.

»Falls es dir entgangen sein sollte: Ich sitze hier fest. Du kannst wohl kaum einfach über mich drüber steigen.«

»Nö. Muss ich auch nicht«, sagte die Stimme, plötzlich ganz nah, direkt unter ihm.

Ihm blieb beinahe das Herz stehen. Eine winzige Schnauze schob sich in Othellos Sichtfeld. Sie war spitz, grau behaart und zuckte ihm Rhythmus der Atmung des winzigen Wesens. Schwarze Knopfaugen musterten ihn neugierig, kleine braun-rosafarbene Ohrmuscheln drehten sich in seine Richtung. Das war … eine Ratte. Eine Ratte!

Othello quietschte, ließ vor Schreck das Seil los, verlor das Gleichgewicht. Er stürzte, rammte die Krallen in die Fasern und klammerte sich fest.

»Du siehst aus, als hätte man dich zum Trocknen rausgehängt. Wie ein alter Schlüpper.«

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2 Kommentare

Verfasst von - November 15, 2015 in NaNoWriMo

 

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2 Antworten zu “Halbzeit beim National Novel Writing Month

  1. Benjamin Spang (@Doppelmond)

    November 16, 2015 at 7:39 pm

    Oh mein Gott wie gut. Ich liebe diese Ratte jetzt schon! ❤

     
    • Nina C. Hasse

      November 17, 2015 at 7:26 pm

      Danke dir, Benjamin! 😀 Freut mich sehr, dass es dir gefällt!

       

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