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Kann man schreiben lernen?

18 Sep

Sowohl als Autorin als auch als Lektorin begleitet mich diese Frage seit Jahren. Und mittlerweile kann ich sie mit einem kräftigen JA! beantworten. Natürlich kann man schreiben lernen – nicht nur als Kind in der Grundschule, das lernt, den Stift über das Papier zu führen, sondern auch als Erwachsener, der seine Fähigkeiten ausbauen will.

Ja, man kann es lernen. Mit viel Übung. Dazu gehört natürlich das Schreiben selbst – so oft wie möglich, am besten jeden Tag. Fast genauso wichtig ist das aufmerksame(!) Lesen. Wie steigen andere Autoren in ihre Geschichten ein? Wie stellen sie ihre Figuren vor? Wie bauen sie Spannung auf?

Schreiben als Handwerk

Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen kann und in dem man durch Fleiß und Übung jedes Mal ein wenig besser wird. Niemand würde behaupten, dass jemand ohne Übung in der Lage sein muss, ein Kleid zu schneidern, ein Zimmer zu tapezieren oder ein Vogelhaus zu bauen. Für all das gibt es Anleitungen (oder Ausbildungen). Warum immer noch steif und fest behauptet wird, schreiben sei ein Talent, das man habe oder eben nicht, erschließt sich mir nicht recht.

Natürlich ist der Aspekt des Talents nicht zu vernachlässigen. Jemand, der zwei linke Hände hat, wird wohl kaum Handwerker werden. Ein Mensch, dem jegliches Textgespür fehlt, wird kein Autor. Aber das bedeutet nicht, dass man es nicht lernen kann. Wenn man mit Spaß und Freude bei der Sache ist, bereit ist, viel Arbeit, Zeit und Herzblut zu investieren, dann ist auch das Schreiben eine Fähigkeit, die erlernbar ist.

Soziale Netzwerke, Schreibkurse & Schreibratgeber

Wie man sich daran begibt, ist natürlich jedem selbst überlassen. Für mich ist der regelmäßige Austausch mit Autorenkollegen in den letzten Jahren enorm wichtig geworden. Zu hören, wie andere plotten, planen und das Schreiben in ihren Alltag integrieren, schafft Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, da man sich nicht allein fühlt. Die sozialen Netzwerke und Schreibgruppen bieten da gute Anlaufstellen. Nicht selten entwickeln sich dort echte Freundschaften, die über das bloße Thema Schreiben hinausgehen.

Wer diesen Blog schon länger liest, weiß, dass ich ein großer Befürworter von Theorievermittlung aka Schreibkursen und Schreibratgebern bin. Nirgendwo sonst erhält man so viele Informationen so kompakt wie mit diesen beiden Hilfmitteln. Warum sollte man sich alles mühsam selbst erarbeiten, wenn das schon andere für einen getan haben?
Sicherlich lässt sich über die eine oder andere Theorie streiten. Das Schreiben nach Anleitung bietet aber gerade für Anfänger viele Möglichkeiten, sich bestimmte Skills schnellstmöglich anzutrainieren.

Es gilt also die Devise: Lesen, lesen, lesen, schreiben, schreiben, schreiben und mit anderen Schreibbegeisterten austauschen. Dann klappt’s auch mit dem Roman – oder?

Wie seht ihr das? Ist das Schreiben ein Handwerk, das man lernen kann? Was tut ihr dafür, eure Fähigkeiten zu verbessern?

Eine kommentierte Liste mit Schreibratgebern findet ihr übrigens hier.

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11 Kommentare

Verfasst von - September 18, 2015 in Schreiben

 

11 Antworten zu “Kann man schreiben lernen?

  1. Alexa Coletta

    September 18, 2015 at 3:48 pm

    Ich sehe das ganz wie du: Schreiben ist Handwerk. Punkt.

    Es gibt bestimmte Regeln, die man befolgen sollte (wie z.B. Spannungsbogen, Protagonist-Antagonist-Beziehung), und die kann man lernen. Sollte man auch, denn intuitiv gelingt wahrscheinlich niemandem eine wirklich gut geschriebene, vielschichtige Geschichte, bei der der Faden aus Szene X an Stelle Y aufgenommen wird. Und das kommt durch Übung – wie bei jedem Handwerk: Übung macht den Meister. Dazu gehört auch der Wille, auf neue Ideen zu kommen – also viel lesen, raus gehen, beobachten usw. Und auch wenn Talent sicherlich mit reinspielt, ob man nun schreibt/schreiben kann oder nicht: Disziplin ist das, was letztlich zum Ziel führt.

    Usain Bolt konnte auch schon als Kind laufen, aber Olympia hat er nicht gewonnen, weil er gemeinsam mit seinem Talent auf der Couch herumgelungert und auf seine Chance gewartet hat, sondern weil er dafür gearbeitet hat – er hat das Handwerk des perfekten Laufs erlernt und mit viel Disziplin perfektioniert. So ist das auch mit dem Schreiben.

     
    • Nina C. Hasse

      September 18, 2015 at 5:50 pm

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, Alexa! Der Vergleich mit einem Sportler ist sehr hilfreich! Nicht umsonst spricht man von dem „Schreibmuskel“, der „trainiert“ werden muss.
      Einen Marathon läuft man ja auch nicht bloß mit Talent.
      Liebe Grüße
      Nina

       
  2. Mira Alexander

    September 18, 2015 at 5:17 pm

    Hallo Nina,

    auch ich glaube, dass man das Schreiben lernen kann. Kein Autor ist als Meister vom Himmel gefallen (vergib mir diese Floskel). Jeder Bestsellerautor lernte sein Gewerbe. Nur empfindet das vielleicht nicht jeder als „Lernen“, weil sie unterm Lernen einen strukturierten Prozess verstehen.

    Wenn also jemand immer wieder Geschichten erzählt, dabei (unbewusst) beobachtet, was besser und was schlechter funktioniert, dieses Wissen das nächste Mal einsetzt und erneut evaluiert, dann hat er im Endeffekt auch „gelernt“, nur nicht mit Workshops, Lehrern oder Ratgebern sondern „by doing“.

    Ich denke, bei den Lernern ist es wie bei den Pantsern und Plottern: Der eine mag das organische Lernen (learning by doing), der andere bevorzugt das strukturierte Lernen (Ratgeber, Workshops etc). Ans Ziel kommen beide. Was ist dabei besser? Das organische Lernen dauert jedenfalls länger (solange man bereit ist, die Erkenntnisse des strukturierten Lernens überhaupt anzuwenden). Am Besten fahren wohl diejenigen, die beide Ansätze mischen.

    Insofern, solides Schreiben kann man lernen, da bin ich mit Dir einer Meinung. Die andere Frage ist jedoch, wie viel der zündende Funke, die unkonventionelle Lösung von (Plot)Problemen dazu beitragen, dass das Buch schließlich unvergesslich wird. Das ist der Unterschied zwischen den Büchern, die man gerne liest, und denen, die sich einem für immer ins Gedächtnis einbrennen.

    Kurz zum strukturierten Lernen: Jeder Mensch ist einzigartig. Genauso einzigartig ist seine Herangehensweise ans Lernen. Wenn eine Methode bei einem nicht funktioniert hat, heißt es noch lange nicht, dass keine andere ziehen wird. Ich habe auch lange gebraucht, bis ich eine Methode fand, mit der ich nicht entweder extrem viel Info vorab produzierte (mehr als 200.000 Wörter waren durchaus möglich, und das bevor ich auch nur eine Szene geschrieben habe) oder gar nichts mehr zusammen brachte, weil ich von der Komplexität des Problem so überwältigt wurde. Da bleibt nur beharrlich bleiben und weiter suchen.

    Bei jedem Lernen ist vor allem wichtig: Beharrlich bleiben und evaluieren. Ständig evaluieren. Was bringt mir diese Methode? Kann ich sie mit der Methode X kombinieren? Welche Vorteile bietet sie gegenüber der Methode Y?

     
    • Nina C. Hasse

      September 18, 2015 at 5:48 pm

      Hallo Mira,
      vielen lieben Dank für deinen interessanten und ausführlichen Kommentar! Ich bin mit dir einer Meinung, es gibt sehr viele unterschiedliche Lehr- und Lernmethoden, die alle funktionieren können und ihre Vor- und Nachteile haben.
      Ich schätze, die meisten kombinieren verschiedene Ansätze und fahren damit recht erfolgreich.
      Der Punkt mit den Pantsern und Plottern ist ein anderer, der nicht minder interessant ist und kontrovers diskutiert wird. Ich habe mich innerhalb der letzten Jahre vom Pantser zum Plotter gemausert, das passt für mich besser. Aber jedem das seine.
      Die Garantie, ein Buch zu schreiben, das dem Leser im Gedächtnis bleibt, ist natürlich nie gegeben. Du kannst das Handwerk des Schreibens perfekt beherrschen und trotzdem nie nennenswerte Verkaufszahlen erreichen. Die Ursachen dafür sind so zahlreich wie verschieden. Es gehört auch immer ein gewisses Gespür für aktuelle Trends und Themen dazu sowie Geschick im Marketing und – ganz banal – sicherlich auch eine ordentliche Portion Glück. Aber das ist ein anderes Thema.
      Beharrlich bleiben ist auf jeden Fall ein wichtiger Grundsatz – beim Schreiben ebenso wie beim späteren Veröffentlichen.
      Liebe Grüße
      Nina

       
  3. Katrin Ils

    September 19, 2015 at 12:39 pm

    Ich schließ mich dem an. Schreiben kann man nicht nur lernen, manche Sachen muss man sogar lernen.
    Der eine kämpft mit Dialogen, die nächste mit dem Einstieg oder Info-Dumps… Schreiben lernt man beim Schreiben und Lesen und vor allem durch Feedback.
    Deswegen ist es so wichtig zu begreifen, dass eine Rohfassung eben genau das und kein fertiger Roman. Und, dass man sich nicht in sein Kämmerchen einschließt, sondern sich mit anderen austauscht und sich Beta-Leser sucht.
    Ich denke, der dt. Raum krankt noch erwas am Geniegedanken: Der Künstler als Genie, das den Roman etc. „empfängt“. In Wien kann man Kreatives Schreiben z.B. erst seit ein paar Jahren studieren.

     
    • Nina C. Hasse

      September 20, 2015 at 5:07 pm

      Richtig, der Geniegedanke ist ein großes Problem. Nicht nur, dass die Leute glauben, man könne das Schreiben von Geschichten bzw. Romanen nicht lernen. Ich empfinde es auch immer als Herabwürdigung der Arbeit, die es in jeder künstlerischen Branche braucht, um Etwas zu erschaffen.
      Wer etwas niederschreibt, malt, fotografiert etc. ARBEITET dann ja nicht, sondern empfängt es und es fließt mühelos auf das Papier. Aber jeder der kreativ tätig ist, wird da wohl vehement widersprechen.

       
      • Katrin Ils

        September 20, 2015 at 5:15 pm

        Ja, das kommt noch dazu. Die ZeichnerInnen, die ich kenne, verstehen „Du hast ja ein Wahnsinnstalent!“ als eher zweifelhaftes Kompliment. Eben, weil die harte Arbeit und abertausenden Übungsstunden ignoriert werden.
        Und es nimmt auch vielen Anfängern den Mut. Ich hör so oft: „Spaß machts schon, aber ich bin so schlecht. Ich hab halt kein Talent.“
        Dabei ist „Talent“ echt nur die halbe Miete.

         
      • Nina C. Hasse

        September 20, 2015 at 5:30 pm

        Kann ich nachvollziehen. Auch wenn es von den meisten Bewunderern ja gar nicht so gemeint ist. Die wenigsten Leute machen sich Gedanken darüber und meinen es als ehrliches Kompliment. Aber dass das auch gegenteilig ankommen kann, verstehen eben nur die, die ebenfalls kreativ tätig sind.

         
  4. Christian Weis

    September 19, 2015 at 4:38 pm

    Schreiben ist zum großen Teil Handwerk, aber eben nicht nur …
    Bis zu einem gewissen Grad kann man es lernen, aber wie bei vielen anderen Tätigkeiten gehört dennoch Talent bzw. ein „Händchen“ dazu. Das Sprachgefühl kann man weiterentwickeln, aber man kann es sich nicht einbleuen wie etwa das Einmaleins. Wie ein Satz klingen muss, um gut zu klingen, dafür braucht man das richtige Gefühl. Das ist vielleicht ähnlich wie in der Musik: Gitarrespielen kann man lernen, aber um es wirklich gut klingen zu lassen, gehört mehr als reines Üben dazu.

     
    • Nina C. Hasse

      September 20, 2015 at 5:12 pm

      Da bin ich völlig einer Meinung mit die, Christian. Ein gewisses Talent ist Voraussetzung. Um bei deinem Gitarrenbeispiel zu bleiben: Ich habe z.B. überhaupt kein Talent für Musikinstrumente. Ich habe es nie hingekriegt, Noten zu lernen und auch nicht die Muße, es zu üben. Sicherlich würde ich gerne Gitarre spielen können, aber da ich in dem Bereich völlig talentfrei bin, würde ich auch mit täglichen Übungsstunden mit allergrößter Wahrscheinlichkeit kein zweiter Carlos Santana.
      Talent ist also wichtig, genauso wie Begeisterung für die Sache.

       
  5. Claudia Cabinetto

    September 21, 2015 at 2:15 pm

    Für mich ist Talent eigentlich immer nur die Umschreibung für den Willen andere Menschen mit der eigenen Begeisterung für eine Sache anzustecken und dazu gehört irgendwie auch ein eiserner Kampfgeist um besser zu werden. Damit wir uns alle auf einer Wellenlänge treffen, benötigen wir bestimmte Regeln und Ablaufpläne, damit sich andere Personen in unserer Form von Realität zurechtfinden können. Ich bin mir sicher, dass auch jemand der unmusikalisch ist, singen kann. Nur müssen Regeln der Allgemeinheit befolgt werden, damit aus einem Klumpen an Noten eine herzzerreißende Ballade wird, oder zumindest eine Melodie und diese Regeln sind zwangsläufig so lange zu trainieren, bis wir deren Anwendung gar nicht mehr wahrnehmen, das klappt entweder schon beim ersten Mal, oder erst nach 100 Versuchen.

    Seit Ewigkeiten versuche ich herauszufinden, wie ich eine Welt für andere Menschen greifbar mache, die für diese nicht sichtbar ist, ohne dass sich jemand langweilt, oder die Orientierung verliert. Währenddessen kritzel ich immer wieder wilde Ideen auf Zettel, überarbeite Texte und stelle fest, dass man aus den kleinen Inseln durchaus einen Kontinent zaubern und der Klumpen an Noten eine Melodie ergeben könnte.
    Irgendwie läuft alles gleichzeitig ab, man liest, unterhält sich, schreibt und fragt auch diejenigen, die eigentlich nicht lesen, oder nur ein besonderes Buch sehr gern gelesen haben, wie sich Einfälle oder Umschreibungen anfühlen. Man will strukturiert arbeiten, damit der Leser sich zurechtfindet und irgendwie auch nicht, weil man momentan eine Idee als sehr viel interessanter empfindet, als ein Schema zu befolgen.

    Wenn dann wieder das große Tief vor der Tür steht und sagt:
    „Was treibst du da eigentlich? Das schaffst du eh nicht, du bist weder strukturiert, noch genial, noch talentiert, noch kreativ. Zudem bist du nicht einmal ein besonders guter Rhetoriker und da willst du etwas schönes zustande bringen?“,
    dann kann wenigstens ich antworten:
    „Mag sein, aber ich habe alles versucht, um andere mit meiner Freude für eine Sache anzustecken und das mache ich so lange, bis mir die Begeisterung ausgeht. Schließlich hasse ich es, auch nach mehr als 15 Jahren, immer noch Noten lesen zu müssen, um ein Lied vom Blatt nachzuspielen, freue mich aber über jede Melodie, die ich so meinem Instrument entlocke.“

     

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