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Schöne Scheiße – Diagnose Brustkrebs

02 Dez

MottoIhr Lieben,

lange war es ruhig hier auf dem Blog, obwohl ich anderes angekündigt und auch anderes vorhatte. Aber manchmal macht einem das Leben einen Strich durch die Rechnung. Ihr seht schon an der Überschrift, worauf es hinausläuft: Nur weil man sich gesund fühlt, heißt das nicht, dass man auch gesund ist. Das durfte ich nun am eigenen Leib erfahren, denn der Knubbel, den ich in der linken Brust fühlen konnte, stellte sich leider als nicht so gutartig heraus, wie ich es erwartet hätte.

„Frau Hasse, das ist Brustkebs“, sagt die Ärztin zu mir und wirkt noch betroffener als ich mich fühle. Erst begreife ich gar nichts, dann sickert es langsam in mein Bewusstsein. Krebs? Ich? Das kriegen doch immer nur die anderen … (Kein sehr netter Gedanke, ich weiß.)

Die Begriffe „Chemotherapie“, „Bestrahlung“, „Operation“ fallen. Ich bin immer noch mit diesem großen Wort „Brustkrebs“ beschäftigt. Wie kann das sein? Verdammt, ich bin doch erst 28! Passiert das gerade wirklich? Kann mich bitte jemand wecken?

Knapp vier Wochen sind seit diesem Tag vergangen und mir geht es gut. Der Tumor hat bisher nicht gestreut, ist „faul und gemütlich“, wie meine Ärztin sagt. „Das hat er von mir“, entgegne ich.

Am Donnerstag werde ich operiert, seit einiger Zeit nehme ich Medikamente und hoffe, dass mir eine Chemotherapie erspart bleibt. Die Chancen stehen recht gut.

Es ist schon seltsam: Von jetzt auf gleich bin ich plötzlich Krebspatientin, krank, obwohl ich mich gar nicht so fühle.

Mittlerweile habe ich mich an den Gedanken gewöhnt und mir ist kar, dass ich sehr viel Glück habe. In meiner Altersgruppe überwiegt die aggressive Krebsform.

Den Tumor habe ich auf den Namen „Anton“ getauft, aus keinem bestimmten Grund; der Name kam einfach zu mir wie bei einer meiner Figuren. Anton und ich leben friedlich miteinander, ich fühle mich von ihm nicht bedroht. Mein Freund meint, er habe sich nur in der Tür geirrt. Und momentan scheint es wirklich so, als wolle er mir nichts Böses. Noch zwei Tage, dann muss er seine Koffer packen.

Wie gesagt – ich habe sehr viel Glück: Glück bei der Diagnose, Glück hier im Universitätsklinikum behandelt werden zu können, Glück mit einer tollen Familie und wunderbaren Freunden gesegnet zu sein. Und das Glück, freiberuflich tätig zu sein und mir meine Zeit frei einteilen zu können.

Ich sehe diese Krankheit als Chance, als Herausforderung, als Möglichkeit, mein Leben zum Positiven zu verändern, die kleinen Dinge mehr zu genießen und all die alltäglichen Sorgen nicht mehr ganz so schwer zu nehmen.

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich diesen Artikel veröffentliche. Eine Krankheit ist nichts, mit dem man gerne an die Öffentlichkeit geht. Ich möchte und brauche kein Mitleid und meine Sorge ist, dass die Krankheit zu sehr in den Vordergrund gerückt wird. Dann heißt es nicht mehr: „Ach Nina Hasse, ja, die ist doch Autorin und Lektorin“, sondern „Ach ja, die Nina. Die Arme hat ja Krebs“. Diese Vorstellung finde ich schrecklich. Ich möchte nicht über eine Krankheit definiert werden. Aber dieses Risiko gehe ich nun ein, denn die Krankheit gehört nun zu mir und meinem Leben, ist nun ein Teil von mir und wird meinen Alltag und sicherlich auch mein Schreiben in der ein oder anderen Art und Weise prägen.

Keine Sorge, dieser Blog wird nun kein Krebstagebuch, es ist und bleibt mein Autorenblog. Doch ich möchte mich nicht verstellen müssen und so tun, als wäre diese Welt immer wahnsinnig toll, bunt und in Ordnung. Das ist sie nicht. Ich möchte mich vom Krebs nicht in eine Ecke drängen lassen, in die ich nicht gehöre. Ich will (mir selbst) zeigen, dass ich immer noch der Chef in meinem Körper bin. Eine Krankheit, egal welcher Art, ob psychisch oder physisch, ist nichts, wofür man sich schämen sollte. Sowas passiert. Ich denke, Lebenskunst besteht vor allem darin, sich nicht unterkriegen zu lassen und das Leben genießen zu können – auch wenn es dir manchmal kräftig ins Gesicht schlägt.

Nun kann ich in bester Barney-Stinson-Manier sagen: „Challenge accepted!“

Macht euch keine Sorgen, im Januar geht es hier dann weiter, mit hoffentlich ganz vielen News zu Ersticktes Matt und der geplanten Veröffentlichung. Ich durfte schon einen ersten Blick auf den Coverentwurf werden  – es ist jetzt schon sooo umwerfend und ich brenne darauf, es euch im nächsten Jahr zu zeigen!

Die allerbesten Wünsche für euch und eine entspannte Weihnachtszeit! Macht es euch schön!

Eure Nina

Kleines Update, 4.12.14:
OP gut überstanden, Anton ist ausgezogen. Ich danke euch für all die guten Wünsche, die mich auf so vielen Kanälen erreicht haben! 🙂
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18 Kommentare

Verfasst von - Dezember 2, 2014 in Begegnungen

 

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18 Antworten zu “Schöne Scheiße – Diagnose Brustkrebs

  1. pgeofrey

    Dezember 2, 2014 at 11:10 am

    Zu erst mal: Viel Erfolg mit der OP und danach gute Besserung!!!
    Und, wenn Chemo sein muss, sie ist nicht so schlecht wie ihr Ruf. Chemo ist nicht Chemo, es gibt sehr viel Präparate und Vorgehensweisen.

    Dass Du darüber sprichst/schreibst, verdient absoluten Respekt! Die Vorstellung, dass man Spaß haben könnte seine Krankheit zu vermarkten, ist ein Vorstellung von Gesunden. Wen es trifft, der hat andere Probleme und Wünsche.

    Ich habe beruflich in einer Reha-Klinik zu tun, die Tumor-Patienten nachbehandelt (Ich betreue dort Schüler in Ausbildung), dabei denke ich oft, dass wir viel zu selten erinnert werden, wie kostbar jeder Tag ist und wie dankbar wir sein sollten.
    Es ist beruhigend zu sehen, wie weit sich Patienten dort entwickeln und wie weit die Medizin in diesem Bereich ist.

    Also: Anton in die Tonne!

     
    • Nina C. Hasse

      Dezember 2, 2014 at 10:43 pm

      Danke dir für diesen langen Kommentar und deine lieben Worte! Chemo würde ich gerne vermeiden, weil ich so schon recht energiearm bin. Aber vielleicht käme ich auch gut mit den Nebenwirkungen zurecht, wer weiß. Ich lasse das mal einfach auf mich zukommen und bestelle beim Universum, dass die Antiöströgene anschlagen wie gewünscht.
      Anton macht sich schon ausziehbereit 😉
      Nochmals vielen liebe Dank für die netten Worte! 🙂

       
  2. Jeanette

    Dezember 2, 2014 at 6:40 pm

    Viel Kraft, alles Gute und vor allem gute Genesung nach der OP!

     
    • Nina C. Hasse

      Dezember 2, 2014 at 7:45 pm

      Danke dir, liebe Jeanette! So lieb von dir! ❤

       
  3. Kay Noa

    Dezember 2, 2014 at 6:42 pm

    Du schaffst das schon. Mir ging es genauso und ich hab das auch mit genau den selben Worten aufgenommen. Challenge accepted. Und ich bin einigermaßen heil durch das ganz große Programm mit der ganz heftigen Chemo gekommen. Auch da ist ganz viel Kopfkino.
    Du bist nicht krank – du bist befallen. Und wenn das Vieh erst draußen ist, wird alles schon wieder.
    Wenn Du magst kannst Du mich jederzeit kontaktieren. Ich habe aus der Zeit einen Abenteuer-Blog, der schon vielen geholfen hat, weil dort viel steht, was ich nachher gern schon vorher gewusst hätte. Vielleicht unterstützt er dich.

    http://cancer-noa.blogspot.de/

    Kopf hoch, nur Fledermäuse lassen sich hängen. 🙂
    Alles Gute und viel Mut und Kraft.
    Kay

     
    • Nina C. Hasse

      Dezember 2, 2014 at 7:47 pm

      Toll, Kay, ich danke dir! Deine Worte sind wirklich aufbauend!
      Na klar schaffen wir das. Deinen Blog schaue ich mir auf jeden Fall an!
      Ich danke dir von Herzen!
      Nina

       
  4. Sabi

    Dezember 2, 2014 at 7:16 pm

    Hallo Nina,

    wow, vielen Dank für deinen mutigen Beitrag hier. Und danke dafür, dass du deine Gedanken mit uns teilst. Dein Beitrag macht Mut. Bei dieser Diagnose rechnet vermutlich jeder mit dem Schlimmsten.
    Deine Worte, dass du mit dem Krebs „friedlich miteinander“ leben kannst, machen Mut. Denn das ist es wohl, worauf es hinausläuft, wenn man eine solche Diagnose bekommt: Akzeptieren und das Beste draus machen. So kann es irgendwie weiter gehen.

    Ich wünsche dir für die OP und deinen weiteren Weg alles, alles Gute und drücke dir die Daumen, dass dir Chemo usw. erspart bleiben.

    liebe Grüße,
    Sabi

     
    • Nina C. Hasse

      Dezember 2, 2014 at 7:49 pm

      Ich danke dir für deine lieben Worte, Sabi! Nach der Diagnose habe ich auch erstmal mit dem Schlimmsten gerechnet, aber dann habe ich mir gesagt, warum soll ich mich verrückt machen? Das hilft mir nicht, das gibt der Krankheit nur mehr Macht über mich. Und das darf einfach nicht sein.
      Herzliche Grüße
      Nina

       
  5. E.Snyder Snyder

    Dezember 3, 2014 at 8:02 pm

    Ich bewundere dich so sehr für deine Weitsicht, liebe Nina. Du bist so klug und stark. Ich bin sicher, dass es genau so kommen wird, wie du es dir wünschst und ich freue mich für dich, dass du es so positiv betrachtest. Das ist denke ich, das Wichtigste und gleichzeitig das Allerschwerste. Ganz viel Licht und Liebe in deinem Leben für diese schwere Zeit! ❤

     
    • Nina C. Hasse

      Dezember 3, 2014 at 10:19 pm

      Vielen Dank für deine lieben Worte! Manchmal ist positiv bleiben tatsächlich nicht leicht, aber wenn ich mir vor Augen rufe, was andere durchmachen müssen – da bin ich mit meinem bisschen Krebs wirklich gut dran 😉
      Danke dir für den lieben Kommentar, ich freue mich sehr darüber! 💟

       
  6. melisendra

    Dezember 6, 2014 at 5:59 pm

    Liebe Nina,
    auch von mir ein ganz liebes, herzliches Gedrücktsein. Gut, dass du jetzt dem Anton klargemacht hast, dass bei dir leider kein Gästebett frei ist.
    Auch von lieben Kolleginnen und Kollegen höre ich immer viele neue Fälle – und manchmal habe ich den Eindruck, dass eine regelrechte Antonisierung im Gange ist und sich bald nicht mehr die Frage stellt, wen es trifft, sondern wen es nicht trifft. Gerade letztes Weihnachten habe ich zwei Mitarbeiterinnen immer meine Meditationsminuten gewidmet und zu Ichweißnichtwem gebetet, dass er die beiden wieder gesund werden lassen soll.
    Und siehe da, diesen geht es jetzt zum Glück jetzt wieder gut :-).
    Also ich glaube, das hilft. Heute abend sage ich dem Namenlosen, dass er sehr, sehr gut auf dich aufpassen soll.
    Liebe Grüße
    Katharina

     
    • Nina C. Hasse

      Dezember 10, 2014 at 7:29 pm

      Liebe Katharina,
      tausend Dank für deine lieben Worte! Die „Antonisierung“ ist wirklich erschreckend – ich bin wahnsinnig überrascht, wie viele davon betroffen sind. Das hätte ich nicht gedacht. In den letzten Tagen kamen so viele Frauen (und einige Männer) aus meinem Umfeld auf mich zu, die selbst betroffen waren oder nahestehende Angehörige haben, die Krebs hatten/haben. Das Schöne ist: Die leben alle noch und sind putzmunter 😉
      Danke auch für deine „Anweisung“ an den Namenlosen – ich kann Unterstützung von allen Seiten gebrauchen! 😀
      Liebe Grüße
      Nina

       
  7. Anna-Lena

    Dezember 12, 2014 at 2:49 pm

    Ich freue mich, dass du die OP gut überstanden hast und schicke dir einen großen Sack voller Genesungswünsche.

    Mit lieben Grüßen
    Anna-Lena

     
  8. absinthefreund

    Januar 14, 2015 at 4:28 pm

    Du hast die Operation ja schon seit einer Weile hinter dir, trotzdem will ich dir noch alles Gute für deine Gesundheit wünschen. Was für eine Nachricht. Und welche Erleichterung, dass alles ein gutes Ende genommen hat. Ich hoffe, du bist weiterhin so positiv und bodenständig eingestellt, wie dieser Blogbeitrag vom Dezember vermuten lässt, und vor allem hoffe ich, dass Anton für immer Lebewohl gesagt hat. 🙂

    Alles Gute für dich im neuen Jahr!

     
    • Nina C. Hasse

      Januar 17, 2015 at 3:18 pm

      Ich danke dir für die lieben Worte! Ich versuche in all meinem Denken und Tun positiv zu bleiben und noch positiver zu werden, da die Psyche bei dieser Erkrankung auch eine große Rolle spielt. Habe nicht vor, Anton wieder einziehen zu lassen!

      Für dich auch die besten Wünsche für 2015!

       
  9. Melissa David

    Januar 16, 2015 at 8:32 am

    Hallo Nina,
    ich fand deinen Bericht sehr persönlich und danke dir, dass du dieses private Thema mit uns, der Öffentlichkeit geteilt hast. Mich hat das Thema seit ich es gestern gelesen habe, emotional sehr verfolgt, weil es im Entferntesten auch mich getrifft.
    Ich wünsche dir weiterhin den Mut, solche Themen anzusprechen und ganz viel Kraft, um mit deiner Situation klarzukommen.

    Liebe Grüße,
    Melissa

     
    • Nina C. Hasse

      Januar 17, 2015 at 3:20 pm

      Hallo liebe Melissa,
      danke dir für deine lieben Worte. Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich es öffentlich machen soll. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen bestärken mich darin, dass es die richtige Entscheidung war.
      Auch dir wünsche ich nur das Beste für 2015!
      Herzliche Grüße
      deine Nina

       

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