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Deutscher Autor – deutsches Setting?

22 Feb

Warum aus Remy Lafayette nicht plötzlich Hans Kuhn wird…

Von einigen Lesern wurde mir in letzter Zeit nahe gelegt, meine Geschichten aufgrund meines sehr deutsch klingenden Namens doch lieber in Deutschland spielen zu lassen. Hier nun meine Begründung, warum ich das entschieden ablehne:

Ich nehme die Anregung von denjenigen, die meine Texte gelesen haben, sehr ernst und prüfe jeden Vorschlag auf seine Berechtigung. Oftmals hat ein Text dadurch an Tiefe, Esprit oder Spannung gewonnen – was mir ein großes Anliegen ist. Ich bin niemand, der auf irgendeine Art von Kritik harsch reagiert – im Gegenteil, ich freue mich darüber, weil es Interesse an meinen Texten signalisiert und zumeist eine Hilfestellung ist.

Wo ich mir aber definitiv nichts vorschreiben lasse, ist die Wahl der Namen meiner Figuren sowie des Settings. Warum soll ich dazu genötigt werden, mir ein englisch oder amerikanisch klingendes Pseudonym zuzulegen, nur weil meine Geschichte nicht in Deutschland spielt? Die Geschichte wäre die gleiche, die Person, die sie geschrieben hat, wäre die gleiche. Nur damit der Eindruck entsteht, dass ich nicht deutscher Staatsangehörigkeit bin? Der Name eines Autoren sollte meiner Meinung nach nichts mit dem Inhalt der Geschichte zu tun haben. Natürlich habe ich andere Erwartungen, wenn ich eine Rosamunde Pilcher (übrigens ebenfalls ein deutscher Name, aber die Stories spielen zumeist in Südengland) oder einen Stephen King zur Hand nehme. Aber das sagt normalerweise nur etwas über die Qualität des Textes aus, nicht über den Ort der Handlung.

Ein Setting sollte auch nicht austauschbar und beliebig sein – und ich habe auch nicht das Gefühl, dass das in meinen Geschichten der Fall ist. Ich gebe mir große Mühe, die Figuren mit ihrem Umfeld agieren zu lassen und sich dort hineinzufügen. Eine Story wie Ersticktes Matt oder auch Der Traum vom Fliegen kann – so behaupte ich jetzt einmal ganz kühn – nicht einfach eins zu eins von New York in ein deutsches Umfeld übertragen werden, weil die Gegebenheiten dort anders sind.

Nun schreibe ich hauptsächlich Steampunk und da kann ich mir die Geschichte natürlich so zurechtbiegen wie es für meine Story taugt. Wenn aber diese Gegebenheit in einem amerikanischen oder englischen Setting schon gegeben sind, warum soll ich die deutschen Umstände dann so umschreiben, bis sie zu meinen Figuren / meinem Plot / meiner Storyline passen?

Ich habe lange überlegt, ob ich mir ein Pseudonym zulegen möchte und habe mich (erst einmal) dagegen entschieden. Denn ich hatte das Gefühl, mich damit unglaubwürdig zu machen. Denn was schreibe ich in den Biographietext? Elizabeth Crown wurde in Paderborn geboren? Entschuldigung, aber das klingt in meinen Ohren einfach lächerlich. Also müsste auch eine Fake-Biographie her. Ich verstecke also meine gesamte Persönlichkeit hinter einer Person, die gar nicht existiert, um einen Leser von meinem Setting zu überzeugen, der es mir vielleicht aufgrund meines wirklichen Namens nicht abgekauft hätte? Nein, das bin ich nicht. Und das kaufe ich mir auch selbst nicht ab.

Was wäre also die Alternative? Was der Ausweg aus diesem Dilemma? Mein Schreiben an meinen Namen anpassen. Andere (deutsche) Geschichten erzählen, andere (deutsche) Figuren entwickeln. Dann kann ich es gleich bleiben lassen, denn diese Geschichten faszinieren mich (meistens) nicht. Und dann faszinieren sie niemanden.

Ich habe das Glück von mir sagen zu können, dass ich für mein Alter schon viel von der Welt gesehen habe. Ich behaupte nicht, mich darin auszukennen, aber ich habe ein Gefühl für zahlreiche Orte entwickelt und mich nach langer Überlegung für ein bestimmtes Setting entschieden. Nicht, weil es effekthaschend oder besonders spektakulär war, sondern weil es zu dieser Geschichte passt.

Ich will damit nicht sagen, dass ich auf nicht-deutsche Handlungsorte festgelegt bin. Derzeit schreibe ich an einer Steampunk-Kurzgeschichte, die in meiner Wahlheimat Münster spielt. Aber dann gehe ich da mit anderen Vorraussetzungen dran.

Ich werde also weiterhin mit meinem deutschen Namen sowohl deutsche als auch euröpäische und außer-europäische Geschichten erzählen. Und aus Remy Lafayette und Detective Madeline Vezér werden nicht plötzlich Hans Kuhn und Frau Hauptkommissarin Erna Müller. Weil es nicht passt. Und weil ich mich in meiner Schreibarbeit nicht einschränken lassen möchte.

Wer sich für dieses Thema interessiert: Im Zauberspiegel ist ein sehr guter, weil allgemein gehaltener Artikel dazu erschienen.
Mara Laue: I love America. Wenn deutsche Autoren US-Romane schreiben

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15 Kommentare

Verfasst von - Februar 22, 2014 in Autorenleben

 

Schlagwörter: ,

15 Antworten zu “Deutscher Autor – deutsches Setting?

  1. Schneewittchen

    Februar 23, 2014 at 10:05 am

    Hi Nina,

    ich finde nicht, dass du deinen Namen ändern solltest, nur damit es anderen Leuten besser in den Kram passt. Du hast einen sehr schönen Namen! 🙂
    Außerdem hat z. B. ein Herr Andreas Eschbach (deutscher Autor) auch nicht seinen Namen geändert, obwohl all seine Storys hauptsächlich in Amerika und Umgebung spielen. Wieso solltest du dann deinen ändern?

    Bleib so wie du bist – authentisch 🙂

    vlg die Alex ^^

     
    • Nina C. Hasse

      Februar 23, 2014 at 2:22 pm

      Hallo Alex,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich denke auch, dass es am authentischsten ist, wenn ich unter meinem Namen schreibe. Es käme mir sonst wie eine Rolle vor, die ich spielen müsste. Und den meisten Lesern gefallen sowohl die Namen als auch die Umgebung. Wenn das nicht der Fall ist – so what 😉 Man kann nicht jedem gefallen 😀

      Viele liebe Grüße
      Nina

       
  2. Texthase Online

    Februar 23, 2014 at 11:22 am

    Hallo Nina,

    ich habe zwar ein Pseudonym, Paula Grimm, für meine Literatur angenommen. Aber das war eine rein intuitive Angelegenheit, z. B. um meine Mutter, die zu dem Zeitpunkt, als ich mein Pseudonym gewählt habe, bereits verstorben war, zu ehren. Und wenn eine Autorin dann das Setting wechselt, soll sie dann immer ein neues Pseudonym wählen, damit Leser zumindest eine gewisse Ahnung von den Schauplätzen haben können? Das ist wirklich nicht sinnvoll!

    Liebe Grüße

    Christiane (Texthase Online)

     
    • Nina C. Hasse

      Februar 23, 2014 at 2:28 pm

      Hallo Christiane,

      danke für deinen Kommentar! 🙂 Dein Pseudonym gefällt mir sehr gut, weil es neben deiner persönlichen Geschichte auch an die Gebrüder Grimm verweist, die ja große Geschichtenerzähler waren.

      Ich würde auch immer ein Pseudonym wählen, wenn ich das Genre wechsle, z. B. von Steampunk zu Liebesroman. Ich kann auch Leute verstehen, die nicht unter ihrem Klarnamen veröffentlichen möchten. Das sind ja alles ligitime Gründe.

      Ich kann nur Leute ncht verstehen, die behaupten, durch den Namen des Autors würden Rückschlüsse auf den Handlungsort gezogen. Ich kannte bisher niemanden, der das gemacht hat. Außerdem steht der Ort ja meist hinten auf dem Klappentext drauf. Wenn man es dann nicht abkauft, muss man es ja nicht lesen 😉

      Liebe Grüße & einen schönen Sonntagnachmittag!
      Nina

       
  3. Martina Riemer

    Februar 23, 2014 at 12:43 pm

    Hallo liebe Nina,
    ich sehe schon, dieses Thema hat dich etwas in Wallung gebracht, wie man so schön sagt und ich verstehe ich vollkommen, solche Meinungen und solche Ratschläge nerven einfach nur. Sei es nun, sich selbst zu verleugnen und hinter ein Pseudonym zu verstecken oder das Setting dann in Deutschland (oder in meinem Fall in Österreich) anzusiedeln. Totaler Schwachsinn, wenn du mich fragst. Die Figuren IM BUCH, die GESCHICHTE muss überzeugen, und zwar dort wo sie einfach spielen MUSS, egal, ob du jetzt einen englischen Namen hast oder nicht, oder dort schon mal gelebt hast. Was ist mit der altbekannten Fantasie, das ich mir Dinge vorstellen kann, ohne dort gelebt zu haben…
    Und was ist mit Fantasygeschichten, die ein komplett anderes Setting haben, eines, dass es gar nicht gibt.. dürfen soetwas dann nur Autoren mit englischklingenden Namen schreiben? Grml
    Bin daher total deiner Meinung. Ich selber komme aus Wien und meine Geschichte spielt in Glasgow – so what. Wenn es deshalb jemand nicht kaufen sollte, weil mein richtiger Name drauf steht, dann soll es so sein, kann ich eh nicht beeinflussen, aber ich werde mich sicher nicht wegen Mehrverkauf verbiegen!
    Was ich sagen wollte – wir stehen hinter dir! 😀
    LG Tina

     
    • Nina C. Hasse

      Februar 23, 2014 at 2:37 pm

      Hallo Tina,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ja, ich habe mich ein wenig aufgeregt 😉 Ich weiß ja, dass das alles nur gut gemeinte Ratschläge sind und niemand mir damit an den Karren fahren will. Aber damit wird mir unterstellt (zumindest empfinde ich das so), dass das Setting meiner Geschichten beliebig wäre und meine gesamten Überlegungen diesbezüglich negiert.

      Und warum soll ich authentischer über ein historisch-phantastisches Berlin schreiben können – wo ich auch noch nicht war, als über ein New York, das ich bereits besuchen durfte.

      Wir hatten nun auch den speziellen Fall bei einer anderen Autorin, die ihre Story in einer Fantasiewelt angesiedelt hat und ebenfalls unter ihrem (deutschen) Klarnamen veröffentlicht. Auch ihr wurde nahegelegt, doch bitte die Namen ihrer Figuren zu überdenken, weil sie sonst zu „übertrieben“ klängen. Es waren jedoch Namen, wie sie in der Welt geläufig sind, nur eben nicht deutsch.

      Wie du schon schreibst: Der Leser darf selbst entscheiden, welche Bücher er liest. Aber ich darf als Autor auch entscheiden, welche Bücher ich schreibe 😉

      Mir ist schnurz, wie der Autorenname lautet, solange die Geschichte gut ist, ganz gleich, wo sie spielt.

      Liebe Grüße & einen sonnigen Sonntag!
      Nina

       
      • Martina Bookaholic

        Februar 24, 2014 at 11:22 am

        Genau! Das ist die richtige Einstellung – zeigs ihnen. Mach ich auch so! *g*
        Dankeschön, schöne Woche LG

         
      • Nina C. Hasse

        Februar 24, 2014 at 6:29 pm

        Danke dir, liebe Martina! Am besten man macht wirklich nur das, was man selbst für richtig hält – im Leben wie im Schreiben 😉

        Dir auch eine tolle Woche!
        Liebe Grüße!

         
  4. Sandra Flo

    Februar 24, 2014 at 6:12 am

    Ich finde nicht, dass das ein Dilemma ist. Es war bestimmt ein liebgemeinter Rat – wenn man auf Lokalliteratur steht. Ich komme aus der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein – ich wette, ein Großteil kann jetzt nicht einmal sagen, wie sie heißt.
    Wer will denn ein Buch lesen, das da spielt? Mit Sabine Müller und Peter Schmidt in den Hauptrollen?
    Also: weiter so, Nina!

     
    • Nina C. Hasse

      Februar 24, 2014 at 6:33 pm

      Hallo Sandra,

      danke für deinen Kommentar! Ich glaube auch, dass diese Räte gut gemeint sind und ich nehme es auch niemandem übel. Aber wirklich ernst nehmen kann ich es dann auch nicht. Wobei ein Buch, dass in Kiel spielt, jetzt ja nicht schlecht sein muss. Es passt nur einfach nicht zu mir.
      Liebe Grüße!
      Nina

       
      • Sandra Florean

        Februar 25, 2014 at 8:34 am

        Eben, zu mir nämlich auch nicht 😉

         
  5. Susann Julieva

    Februar 25, 2014 at 6:41 pm

    Hallo Nina! Das Setting ist so enorm wichtig – und wirklich, was hat das mit dem Namen des Autors zu tun? Ich habe auch schon auf Englisch veröffentlicht, und bisher hat sich noch niemand gemeldet, der sich an meinem Namen gestört hat. Obwohl der vielleicht auch nicht superdeutsch klingt, aber auch nicht gerade amerikanisch… *g*
    So viele bekannte deutsche Autoren lassen ihre Bücher in anderen Ländern spielen… Ich würde mal gerne wissen, ob die auch schon eine Namensänderung nahegelegt bekommen haben… 😉

     
    • Nina C. Hasse

      Februar 25, 2014 at 7:14 pm

      Hallo Susann,

      danke für deinen Kommentar! So ganz kann ich diese Engstirnigkeit auch nicht verstehen. Wenn jeder nur über das schreiben dürfte, was er zu 100% kennt oder – noch schlimmer – was der Leser ihm zu kennen abkauft…
      Naja, jeder so wie er möchte. Ich zwinge niemanden, meine Sachen zu lesen 😉

      Liebe Grüße
      Nina

       
  6. Sandra

    April 12, 2014 at 6:53 pm

    Das erinnert mich an die vielen Fantasybücher, deren Autoren auch alle so ausgefallene Pseudonyme verwenden, damit es auch ja zu ihren Büchern passt.
    Ich finde man sollte weder den Namen noch das Setting oder sonst was anpassen. Selbst Autoren aus anderen Ländern schreiben nicht unbedingt alle aus ihrer Heimat, nur damit es alles schön passt. Das ist Schubladendenken und das finde ich nicht gut.
    Ich bin froh, dass das noch keiner meiner Leser von mir verlangt hat. XD
    Ich habe ja auch Geschichten die in Brasilien, England und auch in Deutschland spielen, aber ich mag mich da auch nicht auf ein Land einschränken lassen, nur weil ich da wohne.

     

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