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Schreiben und Musik

26 Aug

Ich gebe es zu – ich höre nur selten Musik. Es kommt kaum vor, dass ich das Radio anschalte – nicht beim Putzen und schon gar nicht beim Schreiben. Aber gerne beim Autofahren. Autofahren ohne Musik wäre für mich ungefähr so wie Schreiben mit Musik – unvorstellbar.

Und doch leugne ich die inspirierende Wirkung von Musik auf meine Geschichten nicht. Es gibt wohl kaum ein Medium, das Gefühle so eindeutig transportiert wie ein gut komponiertes Musikstück. Manche Stücke stimmen mich spontan fröhlich, obwohl ich kurz zuvor noch schlecht gelaunt war. Und manche Stücke treiben mir spontan die Tränen in die Augen, obwohl ich eine Minute zuvor nicht einen einzigen traurigen Gedanken hatte. Und dann gibt es da noch die ganz besonderen Lieder, die direkt Bilder vor den Augen entstehen lassen, weil sie so monumental sind, dass mein Schreiberhirn gar nicht anders kann, als sich eine imposante Kampfsequenz, eine romantische Liebesszene oder einen dramatischen Tod vorzustellen.

Das funktioniert bei mir nur vor dem Schreiben, dabei leider gar nicht. Ich weiß, dass viele von euch zu Musik schreiben können, aber ich bekomme regelmäßig Wortfindungsstörungen, weil ich mich so stark auf die Bilder in meinem Kopf konzentriere, dass für die eigentliche Schreibarbeit kein Platz mehr bleibt.

Wie nutze ich Musik trotzdem zur Inspiration?

Ich erstelle für jede Geschichte, jeden Roman Playlisten, wobei ich jedes Lied nur ein einziges Mal verwende, sonst komme ich mit den Szenen/Geschichten durcheinander. Wenn ich dann eine Szene plane, höre ich mir das dazugehörige Stück an und die Bilder spielen vor meinem inneren Auge ab. So kann ich in meinen Gedanken die Szenen bereits ausarbeiten, in dem sich Bilder automatisiert bilden – auch unterwegs und ohne dass ich mit Stift und Papier dasitzen muss, um sie niederzuschreiben. Das Schöne ist, dass Musik nicht vergessen lässt. Die gleichen Bilder kommen immer und immer wieder – auf Abruf bereit sozusagen.

Wenn ich mich für die nächste Szene in eine besondere Stimmung versetzen muss, höre ich gerne Songs, die mir helfen, in die jeweilige Stimmung hineinzufinden. Eigentlich fällt es mir nicht schwer, eine traurige Szene zu schreiben, auch wenn ich gut gelaunt bin. Aber für die Einfühlung in die Szene finde ich es passend, mir einige melancholische Stücke anzuhören. Der Schreibfluss wird dadurch auf jeden Fall angeregt.

Welche Musik ist zur Inspiration geeeignet?

Jede Musik ist zur Inspiration geeignet.  Das hängt natürlich besonders vom persönlichen Geschmack, aber auch vom Genre der Geschichte ab. Ich selbst empfinde den Großteil der Popmusik als relativ uninspirierend – wobei es auch da natürlich Ausnahmen gibt. Ich mag es – wie schon erwähnt – monumental. Da stehen natürlich Filmsoundtracks an oberster Stelle. Die Gefahr ist hierbei jedoch, dass sich die Bilder des Films vor die Bilder der eigenen Geschichte drängen – je nachdem wie stark man die Musik mit dem Film verbindet. Bei den Soundtracks zu Pirates of the Caribbean von Hans Zimmer ging es mir so. Die Musik ist grandios, aber ich kam mit meinen Gedanken einfach nicht weg von Piraten, riesigen Goldschätzen und wellenbrechenden Schiffen. Meistens benutze ich daher Musik von Filmen, die ich nicht so gut kenne, vielleicht nur ein einziges Mal oder gar nicht gesehen habe.

Neben den Soundtracks mag ich sehr gerne Künstler, die sich bekannter Songs annehmen und diese zu etwas völlig Neuem umgestalten, da darf dann auch gerne wieder Popmusik dabei sein. Sehr gute Beispiel für diese Musiker sind Lindsey Stirling (eine der besten Violinistinnen, die ich jemals gehört habe), Peter Hollens (seine A capella-Versionen sind großartig) und The Piano Guys (oft mit viel Witz, aber noch großerem Talent für Piano und Cello). Sie alle haben ihre eigenen Kanäle auf youtube und mittlerweile ein oder mehrere Alben herausgebracht. Anhören (und anschauen!) lohnt sich, denn ihr werdet sicher den ein oder anderen Song finden, den ihr auf diese Weise noch nie gehört habt und der euch zu einer neuen Szene (oder gar einer neuen Geschichte) inspiriert.

Viel Spaß beim Stöbern!

Hört ihr Musik beim Schreiben? Davor oder danach? Welche Musik bevorzugt ihr? Womit könnt ihr gar nichts anfangen?

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2 Kommentare

Verfasst von - August 26, 2013 in Inspiration, Schreiben

 

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2 Antworten zu “Schreiben und Musik

  1. pgeofrey

    August 26, 2013 at 4:45 pm

    Ne! Keine Musik beim Schreiben. Für mich wäre das, wie Fernseh gucken beim Malen (wenn ich Malen könnte) 🙂 Für autobiographische Texte finde ich Musik manchmal gut, weil sie so einen Zeitreise-Charakter hat. Ich mag jede Musik, die ich als „echt“ empfinde, außer Volksmusik. Dann lieber unbetäubt vier Zähne ziehen lassen. 🙂

     
    • Nina C. Hasse

      August 26, 2013 at 6:53 pm

      Ja, dieses Volksmusik-Phänomen kann ich auch nicht so ganz nachvollziehen, da krieg ich auch Gänsehaut.
      Der Zeitreise-Charakter ist natürlich auch ein wichtiger Punkt! Wenn ich einen Roman schreibe, der in der Hippie-Bewegung Ende der 60er spielt, ist diese Musik natürlich erste Wahl, weil sich das Lebensgefühl jener Zeit dort widerspiegelt 🙂

       

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