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Rezension: Von klaustrophobischen Randschafen und Nilpferden im Klo-Häuschen

17 Mrz

Rezension: Stephan Waldscheidt – Schneller Bestseller. Bessere! Romane! Schreiben! 3

2. Ausgabe, 2013

5 von 5 Sternen

Wieder einmal ein grandioser Schreibratgeber aus der Feder von schriftzeit.de-Autor Stephan Waldscheidt!

Wenn ich über eine neue Veröffentlichung von Waldscheidt informiert werde, freue ich mich jedes Mal wie ein Kind, dem ein besonders hübsch dekorierter Eisbecher vor die Nase gestellt wird. Denn ich weiß, was mich erwartet: süße Verführungen zum Schreiben, saure Erkenntnisse einiger meiner Fehler, wohldosierte Tipps, garniert mit köstlichem Humor.

Und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Die Texte unterhalten, machen Mut und helfen in der ein oder anderen ausweglos erscheinenden Szene weiter, ohne dabei zu belehren. „Schneller Bestseller“ gliedert sich in sieben Themenbereiche: Plot & Struktur, Spannung & Gefühle, Charaktere, Schauplatz & Setting, Erzählen, Sprache & Stil, Schreiben & Leben. So ist es möglich, sich den Artikel herauszupicken, den man für sein Projekt gerade braucht.

Als besonders gelungen möchte ich bei diesem Schreibratgeber drei Dinge hervorheben:

1. Die Interaktion mit den Lesern von schriftzeit.de: Wer den Blog oder die anderen Ratgeber von Waldscheidt kennt, weiß, dass es sich bei seinen Büchern um eine Zusammenstellung überarbeiteter und erweiteter Artikel des Blogs handelt. Ich finde es großartig, dass auch Kommentatoren dieser Artikel in dem Buch zu Wort kommen, dass ihre Ideen, Meinungen und Erfahrungen Bestandteil der Überarbeitungen sind. So entsteht beim Lesen nicht das Gefühl, einem werde hier zum x-ten Mal wiedergekäute Kost vorgesetzt. Im Gegenteil: Der Leser kann sich beteiligen. Daraus entsteht eine Mischung, die Waldscheidts Schreibratgeber für mich so reizvoll macht: eine Art Gemeinschaftsprojekt, zu dem jeder Schreibende (und jeder Leser) etwas beitragen kann und das dadurch eine besondere Würze erhält.

2. Die Schneller-Bestseller-Tricks am Ende jedes Artikels: Hier hat Waldscheidt sich etwas Tolles einfallen lassen, das es in seinen Ratgebern vorher noch nicht gab. Kleine Aufgaben nach jedem Kapitel, die den Leser das zuvor Beschriebene auf den eigenen Text anwenden lassen. Nicht jede Übung ist leicht umzusetzen und manchmal wollte ich mir am liebsten die Haare raufen, wenn ich feststellte, dass eine Übung meinen schönen Plan über den Haufen warf. Aber ich kann sagen: Ich habe keine einzige Übung bereut und meine Geschichte ist dichter und besser geworden. Sicherlich kein „schneller Bestseller“, aber daran arbeiten wir noch.

3. Die Überschriften: Denn mal ganz im Ernst: Wer würde einen Artikel mit dem Titel „Wie das klaustrophobische Schaf am Rand das Nilpferd aus dem Klo-Häuschen lockt“ nicht lesen wollen?

„Schneller Bestseller – Bessere! Romane! Schreiben! 3“ ist für jede Phase im Schreibprozess ein Gewinn, ob man nun in der Planung steckt oder in der Überarbeitung. Und am besten genießt man es wie eine große Portion Eis: Langsam und nicht zu viel auf einmal, damit man möglichst lange etwas davon hat.

P.S.: Habe gerade gelesen, dass Waldscheidt der Indie-Autorenpreis in der Kategorie Non-Fiction verliehen wurde. Absolut verdient! Herzlichen Glückwunsch!

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8 Kommentare

Verfasst von - März 17, 2013 in Rezensionen, Schreibratgeber

 

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8 Antworten zu “Rezension: Von klaustrophobischen Randschafen und Nilpferden im Klo-Häuschen

  1. Annika Bühnemann

    April 1, 2013 at 8:02 pm

    Mit dem hab ich auch schon geliebäugelt, aber erstmal muss ich meinen jetzigen Ratgeber zu Ende lesen. Allerdings muss ich dir bei Punkt 2 widersprechen: In „Romane und Kurzgeschichten schreiben“ von Alexander Stelle sind auch am Ende jedes Kapitels Übungsaufgaben und es ist ein Gemeinschaftsprojekt. Kann ich übrigens auch empfehlen!

     
    • Nina Hasse

      April 2, 2013 at 8:06 pm

      Ich kann alle Schreibratgeber von Waldscheidt wärmstens empfehlen – zumal die eBook-Ausgaben so preiswert sind.
      Punkt 2 habe ich wohl etwas missverständlich formuliert, ich meinte das auschließlich auf die vorherigen Schreibratgeber von Waldscheidt bezogen. Es gibt einige Ratgeber, die Aufgaben am Ende jedes Kapitels haben. Das Buch von Steele habe ich auch, ebenfalls empfehlenswert (allerdings auf englisch): „The Writing Book“ von Kate Grenville!

       
  2. Ménard

    April 3, 2013 at 12:39 pm

    Ich empfehle ich sämtliche Bücher von Frey. Ein extremst knurriger, alter Kerl – aber brilliant. Wirklich.

     
    • Nina Hasse

      April 3, 2013 at 1:45 pm

      Von Frey habe ich „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ und „The Key – Die Kraft des Mythos“ im Regal stehen. Ersterer war mein erster Schreibratgeber und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Knurriger, alter Kerl trifft es übrigens ziemlich gut, aber ich habe was übrig für diese Art Mensch und ihre Schreibe 😉

       
      • Ménard

        April 3, 2013 at 2:08 pm

        Ich auch. Die Passagen über sein eigenes Leben waren mehr als erheiternd. Wer schreiben möchte, kann an Frey wunderbar durchexerzieren, wie nervend die Angelegenheit wirklich sein kann. Vor allem, wenn er beschreibt, wie viele Manuskripte unvollendet in seinen Schubladen vergammeln.

         
      • Nina Hasse

        April 3, 2013 at 6:35 pm

        So ging es mir mit „Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King. ISt mehr Autobiographie als Schreibratgeber, aber trotzdem unheimlich inspirierend und spannend zu lesen.

         
      • Ménard

        April 3, 2013 at 9:26 pm

        O.K. ist notiert.

        Wobei ich sagen muss… Stephen Kings Saga vom Dunklen Turm hat mich irgendwann in die Knie gezwungen. Bei Band Drei habe ich die Fenster aufgerissen und meinen Unmut auf die Straße gebrüllt. Seitdem war Stephen für mich… na ja…

        Anyway: Ein Tipp ist ein Tipp… das schau ich mir mal nächste Woche an. Und ich habe auch noch ein Buch, dass ich sehr empfehlen kann: Das Handbuch der Private Eye Writers of America. Sehr kurze Kapitel zu einzelnen Themen von unterschiedlichen Autoren. Sehr, sehr gut.

         
      • Nina Hasse

        April 3, 2013 at 10:01 pm

        Kings Romane sind mir auch eigentlich alle zu langatmig, aber seine Kurzgeschichten lese ich gerne. Und er ist sehr sympathisch und hat eine gewisse Selbstironie, daher finde ich seine Biographie sehr gut und angenehm zu lesen.
        Danke für die Empfehlung, das schaue ich mir doch direkt mal an 🙂

         

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