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Die Kunst des Plottens – Ein Tag in Köln

22 Sep

Als ich vor zwei Monaten das Seminar „Die Kunst des Plottens“ bei der Schule des Schreibens gebucht habe, war ich voller Vorfreude, konnte kaum erwarten, nach Köln zu fahren und mich einen ganzen Tag lang mit dem Plot zu Ersticktes Matt zu befassen.

Wir sollten einen bereits geschriebenen Plot mitbringen, an dem wir arbeiten wollten und ich fühlte mich lange Zeit gut vorbereitet. Je näher der heutige Tag jedoch rückte, desto größer wurden meine Zweifel. Irgendwie ist die Idee vielleicht doch nicht so toll!? Der Plot ist nicht gut ausgearbeitet! Und erst die Figuren – die sind doch total unglaubwürdig! Das kann ich niemandem präsentieren!

Mit zwiespältigen Gefühlen setze ich mich morgens um halb acht in den Zug (Ist der Köln-Krefeld-Express eigentlich immer so voll oder nur wenn Samstag ist?) und nutze die Fahrt, um mich nochmal richtig schön verrückt zu machen… Ist schließlich das erste Mal, dass ich meine Idee, meinen Plot und meine Figuren, die mich seit so langer Zeit begleiten, vor einer fremden und größeren Gruppe vorstellen muss. Oh Gott…

Zwei Stunden später habe ich mich wieder beruhigt und mache mich auf den Weg, die Cardea Akademie in Köln-Ehrenfeld zu finden. Gar nicht so einfach, wenn man sich nicht auskennt. Scheinbar die erste Challenge des Tages. Ein Hoch auf den Erfinder des Smartphones, so haben auch Orientierungslegastheniker wie ich eine Chance, ans Ziel zu kommen.

Puh, ich bin sogar zu früh. Zeit genug, sich die anderen Seminarteilnehmer näher anzuschauen. Ich bin die jüngste der fünfzehn Teilnehmer, dreizehn Frauen und zwei Männer. Unsere Dozentin Dr. Nicolette Bohn, selbst als Autorin und Studienleiterin an der Schule des Schreibens tätig, ist sehr sympathisch und macht es uns leicht, entspannt an das Thema heranzugehen. Keiner erwartet hier einen perfekt ausgearbeiten Plot oder ausgefeilte rhetorische Fähigkeiten – dann gäbe es ja auch gar nichts mehr zu lernen…

Was ist ein Plot?

Als Plot wird der rote Faden einer Geschichte oder eines Romans bezeichnet. Zugleich ist er die Landkarte für den Autor und das Skelett der Geschichte. Er skizziert den Aufbau mit allen seinen Höhe-, Tief- und Wendepunkten und macht es dem Autor leichter, sich in seiner eigenen Story zurechtzufinden, einen logischen Aufbau zu erreichen und sich nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Die Fragen nach dem „Wo beginne ich?“, „Wo will ich hin?“ und „Wie erreiche ich dieses Ziel?“ sind von zentraler Bedeutung, um eine schlüssige Geschichte schreiben zu können.

Aufgabe 1: Die Formulierung einer vagen Idee

In einem ersten Schritt sollen wir unsere Idee möglichst knapp in maximal vier Sätzen formulieren. Ich brauche nur einen:

New Yorker Detective jagd mithilfe eines jungen Schachprofis einen Serienmörder, der seinen Opfern Schachfiguren in die Hände legt.

Da ich bereits nach der Schneeflocken-Methode von Randy Ingermanson geplottet habe, fällt mir dieser Teil leicht. Sie beabsichtigt im ersten Schritt, den Idee in einem einzigen Satz zu formulieren und schließlich weiter auszubauen bis man auf ein mehrseitiges Exposé und Steckbriefe, Interviews und Biografien zugreifen kann.

Hier im Seminar plotten wir nach der sogenannten Drehbuch-Methode. Dabei wird die Geschichte in drei Akte geteilt, zwei Plotpunkte und einen Mittelpunkt. Der erste Plotpunkt leitet vom ersten in den zweiten Akt über, der zweite Plotpunkt vom zweiten in den dritten Akt. Wichtig dabei ist das prozentuale Verhältnis der drei Akte:

Akt I – Anfang: 20 %

Akt II – Mitte: 60 %

Akt III – Ende: 20 %

Der zweite Akt ist folglich der längste Teil der Geschichte und enthält die Höhe-, Tief- und Wendepunkte.

Mit dieser Strukur ist ein guter Anfang gemacht, das grobe Gerüst der Geschichte steht, nun kann erweitert und ausgebaut werden.

Vorstellung der Ideen

Nun kommt der Teil, vor dem ich mich am meisten fürchtete: Die Vorstellung der eigenen Geschichte. Ich bin nicht als erste an, höre erst einmal nur zu und finde alle vorgetragenen Ideen interessant. Von der Kurzgeschichte über den Kriminalroman bis hin zur Biografie ist alles dabei. Schließlich bin ich an Reihe und versuche, eine möglichst knappe Zusammenfassung zu geben. Meine Idee gefällt und mir fällt ein Stein vom Herzen. Anregungen gibt es zu Hauf und auch meine leitende Frage Was macht einen Menschen zum Mörder?  findet Anklang. Ich erkläre, dass ich zu viele effekthaschende Thriller gelesen habe und mir die Täter, die meistens als blutrünstige Monster dargestellt werden, ordentlich auf die Nerven gehen. Daher eine wenig blutige Idee für einen Thriller. Als ich fertig bin, bin ich erleichtert. Mein Plot wird nicht auseinander genommen und ich erhalte viele hilfreiche Anregungen, die es mir leichter machen werden, meinen groben roten Faden zu einer ganzen Geschichte auszuarbeiten.

Der Tag ist vollgestopft mit Programm, was aber genau richtig ist. Wir plaudern in der Gruppe über die verschiedensten Themen, die Atmosphäre strotzt vor Kreativität und Ideenreichtum. Dr. Bohn hat immer eine hilfreiche Antwort auf den Lippen. Besonders schön ist es natürlich, neue Kontakte zu knüpfen und Menschen kennen zu lernen, die ebenfalls Kurse an der Schule des Schreibens belegen. Normalerweise schreibt man ja im eigenen stillen Kämmerlein und kommt wenig mit anderen Schreibenden in persönlichen Kontakt – von Internet-Kontakten mal abgesehen. Die Gruppenarbeit war für mich wahnsinnig inspirierend, weil ich die Chance bekommen habe, Abstand von meiner Geschichte zu gewinnen und erfahren habe, wie andere auf meine Ideen reagieren. Das hat das zeitweilige Brett vor meinem Kopf gelöst und ich kann wieder frisch ans Werk gehen.

Resümee

Der Tag in Köln war anstrengend, aber hilfreich und hat viel Spaß gemacht. Nach sechs Stunden intensiver Kopfarbeit schwirrt mir zwar das Hirn, doch allein der Motivationsschub, den ich dadurch erfahren habe, war die investierte Zeit wert. Herauszufinden, dass ich auf dem richtigen Weg bin, meine Ideen ankommen und ich intuitiv schon vieles richtig gemacht habe, waren bereichernde Erkenntnisse.

Ich kann jedem ernsthaft Schreibenden nur empfehlen: Verlasst eure Schreibtische, tauscht euch aus über eure Ideen, euren Plot, eure Figuren. Nichts ist befruchtender für die eigene Arbeit als ein Blick über den Tellerrand.

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