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30 Tage über das Schreiben bloggen – Tag 19

10 Aug

Frage 19 von 30

Lieblingsnebenfigur, die sich ins Rampenlicht gedrängt hat – und warum!

Das ist definitiv Catherine Bishop, die Mutter meines Schachprofis Nathaniel aus Ersticktes Matt. Ursprünglich sollte sie nur als Begleitperson auftreten, da Nathaniel ja erst zwölf Jahre alt ist und da eben eine Begleitperson notwendig ist. Jetzt hat sie sich jedoch zu einer eigenständigen Figur entwickelt, die ich sehr mag und die nun eine weit größere Rolle einnimmt, als eigentlich geplant. Wie genau wird hier natürlich nicht verraten, aber sie wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass der Fall am Ende gelöst wird. Vielleicht.

Ich weiß nicht, ob sie sich unbedingt ins Rampenlicht gedrängt hat – es hat sich einfach so ergeben. Für alle, die die Szene noch nicht gelesen haben, hier Catherine Bishops erster Auftritt:

 So in meine Arbeit vertieft, bemerkte ich nicht, wie er an meinen Schreibtisch trat. Er räusperte sich. Ich muss zugeben, ich erkannte ihn nicht. Im Internet war kein Foto von ihm aufzutreiben. »Kann ich Ihnen helfen?« Ich sagte es an die Frau gewandt, die neben ihm stand. Unter tausend anderen Frauen wäre sie mir aufgefallen. Kupferfarbenes Haar, das in weichen Wellen über ihre Schulter fiel. Porzellanhaut. Augen wie ein Bergsee im Frühling. Und ein Gesicht so ätherisch wie ich mir als Kind das Antlitz einer Feenkönigin vorgestellt hatte. Ich konnte den Blick kaum von ihr lassen. Sie sah mich an und lächelte. Er war es, der antwortete. »Ich glaube, ich bin es der Ihnen helfen soll«, sagte er mit knarzender Stimme, die sich nicht recht für eine Tonlage entscheiden konnte. »Ich bin Nathaniel Bishop. Ich habe vor zwei Tagen einen Anruf von der New Yorker Polizei erhalten. Ich soll bei Ermittlungen in einem Mordfall helfen. Es geht um Schach.«

Mein Lächeln gefror. So hatte ich mir den großen Nathaniel Bishop nicht vorgestellt, der in Internetforen für seine raffinierten Schachzüge und seinen Intellekt gepriesen wurde. Sein Haar hatte den gleichen rötlichen Schimmer wie das der Frau, erinnerte jedoch eher an Rost, denn an Kupfer. Er trug Jeans zu einem schwarzen Rollkragenpullover; darüber hatte er ein teuer aussehendes Tweedjacket gezogen, das mit seinen ledernen Ellbogenaufnähern an mir lächerlich ausgesehen hätte, ihn jedoch hervorragend kleidete. Er war ein ganzes Stück kleiner als ich. Nein, so hatte ich mir unseren Experten nicht vorgestellt. Zum Glück bemerkte ich jedoch schnell, dass ich ihn anstarrte und mein Mund unvorteilhaft geöffnet war. Ich versuchte, mich zusammen zu reißen und schüttelte die Starre ab. »Ja, natürlich. Willkommen in New York, Mr Bishop. Mein Name ist Detective Remy Lafayette. Wir haben telefoniert.« Ich streckte ihm die Hand entgegen. Er hatte einen unerwartet festen Händedruck. »Hatten Sie eine angenehme Anreise?«

Er nickte knapp. »Ich bin viel unterwegs.«

Ich wandte mich an die Frau und schüttelte auch ihre Hand. Sie war so zart, dass ich Angst hatte, ich könnte sie zerbrechen, doch auch ihr Druck war angenehm fest. »Und Sie sind…?« Wieder nur ein Lächeln.

Bishop antwortete und zog bei dem Blick auf unsere Hände eine Augenbraue in die Höhe. »Das ist Mrs Bishop«, sagte er. Kein Zweifel, sie war verheiratet. In etwas versöhnlicherem Tonfall fuhr er fort. »Sie kann nicht sprechen, sie ist stumm. Aber wenn Sie Fragen an sie haben, stellen Sie sie einfach. Sie kann Sie hören. Ich werde dann für Sie übersetzen.«

Ich lächelte. Es war mehr ein halb verkrampftes Grinsen, aber ich konnte es nicht abstellen. »Es ist mir ein Vergnügen, Sie kennen zu lernen, Mrs Bishop. Haben Sie den langen Flug gut überstanden?«

Sie erwiderte mein Lächeln, dann tanzten ihre Hände durch die Luft, einer mir unbekannten Choreografie folgend, die mich direkt in ihren Bann schlug. Es waren nur Augenblicke, dann standen ihre Finger wieder still. Ich bedauerte es.

»Sie sagt“, übersetzte Bishop, „dass Sie sich sehr freut hier zu sein und dass der Flug ganz entspannt war.« Er warf ihr einen Seitenblick zu und in ihrem Gesicht erkannte ich, dass er nicht alles gesagt hatte. Sie stupste ihn an. Er seufzte. »Sie sagt, Sie sollen sie Catherine nennen, sie mag Förmlichkeiten nicht besonders. Sie hat hier studiert und ist sehr froh wieder einmal in ihrer Lieblingsstadt zu sein.« Sie nickte. Offenbar fand seine Übersetzung ihre Zustimmung.

Ihr lest hier die Erstfassung, die noch überarbeitet wird. Der aufmerksame Leser weiß bereits, dass ich die Ich-Perspektive durch die des personalen Erzählers ersetzt habe.

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