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30 Tage über das Schreiben bloggen – Tag 10

11 Jul

Frage 10 von 30

In welche seltsamen Situationen hast du deine Figuren gebracht? Es zählen sowohl “richtige” Szenen aus den Geschichten als auch Memos und Spielereien.

In einer Geschichte, in der es um zwei Geisterjäger im frühen 19. Jahrhundert geht, habe ich eine Szene geschrieben, die ich durchaus als seltsame Situation beschreiben würde, vor allem für damalige Verhältnisse. Es ist die Eingangsszene, die die beiden Hauptfiguren Mireille und ihren Bruder Lucien vorstellt:

 

Das Einzige, was der am Boden liegende Mann von ihr sah, war ihr Fuß, der in einem schwarzen Lederstiefel steckte und auf seiner Brust stand.

   »Nenn mich nie wieder Schätzchen, verstanden?« Die junge Frau packte ihn an seinem speckigen Kragen und schüttelte ihn so lange, bis sie ihm ein wimmerndes »Ja, Mademoiselle« abgerungen hatte. Daraufhin schien sie erreicht zu haben, was sie wollte und ließ den Kopf des Mannes mit einem dumpfen Knall auf den Boden schlagen. Sie richtete sich auf, warf ihr fuchsfarbenes Haar über die Schulter zurück und blickte sich im Schankraum des Le Tonneau um. Die meisten Gäste waren Männer und alle hatten sie aufgehört, ihrer Völlerei nachzugehen, als der dickliche Kerl zu Boden ging. Jetzt ruhten die Blicke unverwandt auf der zierlichen Frau, die in Reithose und Bluse so ungewöhnlich aussah, dass sie auch ohne Prügeleien mit doppelt so schweren Männern die Blicke auf sich zog.

Sie zuckte die Schultern, trat über den halb bewusstlosen Mann hinweg und bahnte sich einen Weg durch die Gäste, die respektvoll Abstand zu ihr hielten. Sie gesellte sich zu einem blonden Jungen ihres Alters, der mit undurchsichtigem Gesicht an der Tür lehnte.

   »Mireille“, sagte er mit vorwurfsvollem Unterton in der sonst so sanften Stimme. »Immer, wenn wir irgendwohin kommen, gerätst du mit irgendwem wegen irgendetwas in Streit und wir müssen wieder gehen – meist hungrig und durstig, wenn ich das bemerken darf.«

  Mireille machte eine ausladende Handbewegung in die Richtung, wo sie den zu Boden gegangenen Mann vermutete. »Er hat mich Schätzchen genannt«, sagte sie langsam und als wäre das Begründung genug.

   Der junge Mann grinste und legte ihr den Arm um die Schultern. »Lass uns gehen und schauen, ob wir irgendwo anders etwas zu essen auftreiben können. Ich glaube, wir sind wir hier nicht mehr erwünscht, nachdem du den Wirt verprügelt hast.«

 

Eigentlich ist nicht nur diese Szene, sondern die ganze Geschichte eine Spielerei, in der Inspirationen aus Filmen, Liedern und vor allem aus Märchen zusammenfließen. Es macht Spaß, solche Sachen zu schreiben, weil ich nicht darauf achte, was dem Leser gefallen könnte. Bei dieser Geschichte habe ich nicht das Ziel, sie zu veröffentlichen, daher schreibe ich einfach drauf los. Auf diese Weise ist schreiben nicht nur Arbeit, sondern auch Entspannung.

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