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„Rapunzel, lass dein Harn herunter!“ – Andreas Fröhlich in Münster

03 Mrz

Künstlerisch und literarisch wertvoll: Andreas Fröhlich war am 27. Februar 2012 zu Gast bei Thalia Münster und las dort aus Walter Moers Zamonien-Roman Das Labyrinth der träumenden Bücher.

Er spricht den Anfang und … das Ende, weil zwischendurch nicht so viel passiere. Da muss man ihm Recht geben. Warum es sich dennoch lohnt, das Buch zu lesen bzw. das Hörbuch zu hören, erklärte er im nächsten Satz: Es sei interessant, großartig formuliert und voller witziger Einfälle und Ideen.

Während Fröhlich liest, verstellt er seine Stimme derart, dass man sie zwar ohne Weiteres noch erkennt, aber für zwanzig Jahre älter hält. Hildegunst von Mythenmetz sei schließlich ein „dichtender Lindwurm, der schon sehr, sehr alt ist, ungefähr fünfhundert Jahre alt“ und so müsse er dann auch eine Stimme erhalten, die seinem Charakter entspräche. Tonmeister und Regisseur waren bei den Hörbuchaufnahmen zunächst erschrocken über diese Interpretation der Figur und auch wir im Publikum brauchten einen Moment der Gewöhnung. Fröhlichs Stimme passt jedoch hervorragend zum älteren Mythenmetz. So bemerkt der Hörer die Jahre zwischen den Geschehnissen nicht nur an der reiferen und seniorenhaften Art des Lindwurms, sondern auch durch die zwei unterschiedlichen Sprecher, denn im ersten Teil Die Stadt der träumenden Bücher verkörpert noch die jugendlich-beschwingte Stimme von Dirk Bach den Hildegunst von Mythenmetz.

Nachdem Fröhlich uns über eine Dreiviertelstunde mit meisterhaften Stimmvariationen faszinierte, plaudert er fleißig aus dem Nähkästchen. Dass er sich heute ein weißes Klappfahrrad gekauft habe, um sich gegen die aggressiven Münsteraner Fahrradfahrer zur Wehr zu setzen. Dass er als Kind überhaupt nicht vorlesen konnte, weil er Dinge las, die gar nicht im Text standen. So beispielsweise bei einem Vorlesewettbewerb, als er aus dem Märchen Rapunzel las und vor versammelter Mannschaft „Rapunzel, lass dein HARN herunter“ deklarierte. Oder dass er bei den Drei ??? eigentlich Peter Shaw sprechen sollte, dies aber so schlecht machte, dass er Bob Andrews zugeteilt bekam, weil dieser in der ersten Folge „Der Superpapagei“ später auftrat und weniger Text hatte. Ein kluger Schachzug, wenn nicht vergessen worden wäre, dass Bob mit einem anspruchsvollen Vierzeiler startet…

Der unterhaltsame Abend schließt mit privatem Plausch, Autogrammstunde und Fotosession an Fröhlichs Lesepult. Er ist ein Star zum Anfassen, der froh ist, auf der Straße nicht erkannt zu werden – jedenfalls so lange nicht, bis er den Mund aufmacht. Dann hört man Edward Norton, John Cusack, Gollum aus „Herr der Ringe“ und natürlich Bob Andrews von den Drei ???. Bei so viel Hollywood in Münster ist es kein Wunder, dass die meisten Zuhörer die Thaliafiliale mit einem Lächeln verlassen.

Sollte jemals einer meiner Texte vertont werden, wäre Andreas Fröhlich mein absoluter Wunschsprecher – auch wenn er eigentlich gar nicht vorlesen kann 🙂

Quelle Foto Gästebuch: Thalia Münster

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Verfasst von - März 3, 2012 in Bücher, Lesungen

 

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