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Tanzen mit Worten

12 Feb

»Schreiben ist Tanzen mit Worten« – so habe ich es in einem der Seminare zu Beginn meines Germanistik-Studiums einmal ausgedrückt. Den Rhythmus eines Textes zu erkennen. Diejenigen Worte finden, die sich diesen Rhythmus einpassen. Genauso habe ich das Schreiben damals empfunden und so empfinde ich heute wieder. Dazwischen liegen einige Jahre, in denen mir jegliche Schreiblust abhandengekommen war.

Doch lasst mich dort beginnen, wo man eine Geschichte am besten beginnt: am Anfang. Schon als Kind habe ich dicke Wälzer voller Abenteuer verschlungen, Seite für Seite der Geschichten aufgesogen und mir selbst kurze Geschichten ausgedacht, die ich mit ungeübter Kinderhand zu Papier brachte und mit Fotos aus Illustrierten bebilderte. Je älter ich wurde, desto zeilen- und detailreicher wurden meine Texte und so erschuf ich in zahllosen Notizbüchern ganze Welten. Meine Geschichten wurden von Familie, Freunden und Lehrern gern gelesen und Zuspruch bekam ich auch innerhalb zweier Volkshochschulkurse zum Kreativen Schreiben, die ich mit Freuden besuchte.

Nach dem Abitur lockte die Universität und da ich in der Literaturbranche arbeiten wollte, schrieb ich mich für Germanistik ein. In einer unbekannten Stadt mit neuem sozialem Umfeld musste das Schreiben zurückstecken. Erst einmal, sagte ich mir. Dann jedoch ließ ich es zu, dass wissenschaftliche Arbeiten und Abhandlungen mit ihren Endlossätzen, der drögen Sprache und dem zähen Schreibprozess mir jegliche Lust am eigenen kreativen Arbeiten raubten. In den folgenden Studienjahren war das Schreiben eine Qual. Jede Zeile, jeder Satz, ja, jedes Wort war ein Kraftakt.

Versteht mich nicht falsch, ich jammere hier nicht über ein verkorkstes Studium oder über versäumte Jahre literarischen Schaffens. Nein, diese Zeit war für mich absolut notwendig, um herausfinden, was ich nicht wollte.
Nachdem ich mich durch – wie ich es empfand – unzählige wissenschaftliche Arbeiten gekämpft und mein Studium beendet hatte, brauchte ich einige Zeit, um meinen Kopf wieder frei zu bekommen und um herauszufinden, was ich wirklich vom Leben erwarte. Ich fühlte mich uninspiriert, frustriert und unzufrieden.

Also packte ich meinen Rucksack und unternahm gemeinsam mit meinem Freund eine siebenmonatige Reise um die Welt. Freunde und Familie hatten uns zu einem Reisetagebuch gedrängt und zunächst hielt sich meine Begeisterung darüber in Grenzen, denn ich wollte mir keine Verpflichtungen zum Schreiben mehr auflasten lassen. Doch nach und nach begann das Schreiben mir wieder Spaß zu machen. Endlich konnte ich wieder eigene Texte zu Themen schreiben, die mich wirklich bewegten, Wörter benutzen, die ich für angemessen hielt und die ich nicht erst im Fremdwörterlexikon nachschlagen musste. Ich lernte wieder, was für eine tiefe Befriedigung es bedeutet, auf einen fertigen Text zu blicken und voller Stolz sagen zu können: Das habe ich geschrieben.

Es war ein langer Prozess es herauszufinden, doch nun kann ich mit Gewissheit sagen: Ich möchte schreiben. Ich möchte Figuren erschaffen und in Welten eintauchen, die ich selbst kreiert habe. Ich möchte meiner Kreativität freien Lauf lassen und einem Publikum meine Texte präsentieren. Ich möchte Menschen an meinen Gedanken und Fantasien teilhaben lassen, sie unterhalten und sie ab und an vielleicht ihre Alltagssorgen für eine kurze Zeit des Lesens vergessen lassen.

Mark Twain hat einmal gesagt: »Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Worte weglassen«. Genau das ist mein Ziel: die falschen Worte zu erkennen und die richtigen zu finden, um einer Geschichte Leben einzuhauchen.
Es wäre schön, eines Tages das eigene Buch in den Händen halten zu können oder vielleicht sogar einmal vom Schreiben leben zu können, aber ich weiß, dass das schwierig ist. Ich möchte vor allem, dass das Schreiben wieder ein Teil von mir wird, denn ich spüre schon jetzt, nachdem ich erst seit einigen Monaten wieder vermehrt an meinen Texten arbeite, dass es mich glücklicher und zufriedener stimmt und mein alltägliches Leben bereichert. Und ich glaube, ich bin auf einem guten Weg, Schreiben wieder zu einem Lebensinhalt zu machen, denn nach so langer literarischer Abstinenz kann ich endlich wieder sagen:

Schreiben? Lass uns tanzen!

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2 Kommentare

Verfasst von - Februar 12, 2012 in Über mich, Schreiben

 

Schlagwörter:

2 Antworten zu “Tanzen mit Worten

  1. Christine

    Februar 16, 2012 at 3:12 pm

    Hallo Nina,
    Dein Blog ist echt schön geworden. Ich wünsche dir viel Freude beim Schreiben und bedanke mich recht herzlich für die Aufnahme in deine Autorenliste.
    Liebe Grüße
    Christine

     
    • Nina Hasse

      Februar 16, 2012 at 3:18 pm

      Danke dir, Christine 🙂
      Finde es eine super Möglichkeit sich mit anderen (angehenden) Autoren zu vernetzen.
      Liebe Grüße,
      Nina

       

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